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Praxistage als Betriebspraktikum

Geht doch! – Praxistage im Betrieb unter besonderen Bedingungen

Praxistage im Betrieb sind ein effektiver Weg, Schülern mit besonderem Förderbedarf ein Betriebspraktikum zu ermöglichen. So lernen sie unterstützt die Erfordernisse der Arbeitswelt kennen und erwerben dafür notwendige Kompetenzen.

Praxistage als Betriebspraktikum: Geht doch! – Praxistage im Betrieb unter besonderen Bedingungen Für manche Schüler sind einzelne Praxistage im Betrieb hilfreicher als ein Praktikum über zwei Wochen © Ingo Bartussek - Fotolia.com

Unser Berufsvorbereitungsprojekt nennen wir LeA — Lernen und Arbeiten in Schule und Betrieb. Die Idee ist, Praxistage in verschiedenen Betrieben und Einrichtungen auch mit Schülern mit besonderem Förderbedarf durchzuführen. Gerade sie stehen in der Gefahr, überbehütet zu werden und bekommen in den meisten Fällen zu wenig vom realen Leben außerhalb der Schule mit. Ziel ist, unseren Schülern frühzeitig die Erfordernisse der Arbeitswelt zu vermitteln und sie dabei zu unterstützen, erforderliche Kompetenzen zu erwerben und fit zu werden für den Übergang in eine betriebliche Ausbildung oder Tätigkeit.

Das Berufsvorbereitungsprojekt LeA wird als Alternative zum klassischen zwei- bis dreiwöchigen Betriebspraktikum angeboten. Die Schüler arbeiten — je nach Schwere ihrer Behinderung — in Betrieben des 1. Arbeitsmarktes oder Werkstätten für behinderte Menschen. Wir nehmen dafür Kontakt zu Betrieben auf, die sich bereit erklären, einen Schüler oder eine Schülerin mit Handicap aufzunehmen. Schüler, die während des Praktikums Unterstützung bei der Pflege benötigen, erhalten eine Begleitung. Auch die Länge der Arbeitszeit wird individuell bemessen.

Praxistage detailliert vor- und nachbereiten

Die Praxistage in den Betrieben werden in der Schule vor- und nachbereitet. Themen im Unterricht während der Vorbereitungszeit sind: eigene Interessen und Fähigkeiten herausfinden (welcher Arbeitsplatz passt zu mir?), Betriebe und Einrichtungen im Stadtteil kennenlernen, Orientierung über Berufsbilder, Kontaktaufnahme zu Betrieben (Telefongespräche üben), Lebenslauf und Bewerbung schreiben, Bewerbungsgespräche üben (Rollenspiele), Vorstellungsgespräche in den Betrieben, Anfahrtswege üben, Training mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Einrichten des Berichtsheftes, notwendige Regelungen mit den Betrieben treffen (Betriebsbesuche, Arbeitsassistenz, Schreiben der Tagesberichte), Elternabend (Vereinbarungen mit den Eltern, Informationsaustausch).

Unterstützung durch einen Mentor

Nach einer bis zwei Eingewöhnungswochen im Betrieb arbeiteten die Schüler 12 Wochen lang 1-2 Tage pro Woche in ihren Praktikumsbetrieben. Dabei erhalten sie Unterstützung durch einen Mentor. Der Schulunterricht orientiert sich während dieser Zeit an den Erfordernissen der betrieblichen Praxis: Was muss ich können? Wie verhalte ich mich gegenüber Vorgesetzten und Kollegen? Was wird von mir erwartet? Wie plane ich den Betriebstag? Was sind meine Aufgaben?

Die Schüler berichteten vor der Klasse von ihrer Arbeit in den Betrieben. Fragestellungen werden im Plenum erörtert, Lösungsmöglichkeiten zusammengetragen (z. B. Zuverlässigkeit, Belastbarkeit, eigene Grenzen, Selbständigkeit, eigene Bedürfnisse angemessen formulieren). Jeder Schüler übt dabei freies Sprechen vor der Klasse.

Die Praktikanten konfrontieren sich mit eigenen Schwächen und Grenzen, erhalten aber auch Unterstützung von der Gruppe beim Lösen von Problemen. Verhaltensalternativen können im Betrieb erprobt werden.

Die Arbeit an der schriftlichen Dokumentation wird am PC ständig fortgeschrieben. Dabei arbeitet jeder Schüler nach seinem Tempo und wird von seinem persönlichen Mentor unterstützt. Die betrieblichen Erfahrungen werden durch die besondere Lernaufgabe intensiviert. Die Schüler sind gezwungen, sich zu einer Tätigkeit mehr Gedanken zu machen und angehalten, sich intensiv mit einer Sache zu beschäftigen. In der Auswertungsphase gibt es Gespräche in den Betrieben mit Anleiter, Schüler und Mentor.

Die Beurteilung des Betriebes wird mit der eigenen Einschätzung verglichen. Mit Texten und Bildern dokumentieren die Schüler nach der Betriebsphase ihre Praktika und präsentierten diese zum Abschluss in der Schule vor Publikum.

Vorteile von Praxistagen vs. Blockpraktika

Unserer Erfahrung nach haben ein oder zwei Praxistage in der Woche für Schüler mit besonderem Förderbedarf Vorteile gegenüber einem Blockpraktikum. Die Mehrzahl der Schüler bewertete diese Art der Berufspraktika positiver. Sie empfanden den Wechsel zwischen Schule und Betrieb entspannender und abwechslungsreicher. Mehr Erfahrungen über die Arbeitswelt waren vermittelbar, wenn sich das Praktikum über drei Monate erstreckte. Die Schüler fühlten sich ernst genommen. Ihr Selbstwertgefühl wuchs dadurch merklich. Eigene Stärken und Schwächen wurden erlebt, Leistungen verbessert, Eigenverantwortung eingeübt und sichtbar gesteigert. Alle Beteiligten lernten, sich an Vereinbarungen zu halten. Die Schüler gewannen Sicherheit, Wege selbstständig zurückzulegen. Verbesserungen im mündlichen und schriftlichen Ausdruck waren feststellbar.

Das Mentorensystem ermöglicht einen vertrauensvollen Kontakt zu Schüler, Anleiter im Betrieb und Eltern. Die Betriebe äußerten sich positiv über die Betreuung. Manche Schüler erhielten eine konkrete Perspektive für die Zeit nach der Schule. Einige fanden nach der Schulentlassung eine Beschäftigung im ehemaligen Praktikumsbetrieb. Dies wurde möglich durch das Langzeitpraktikum, bei dem sich die Betriebe ein Bild vom Praktikanten machen können. Die positiven Erfahrungen ermutigen uns zum Weiterarbeiten. Inzwischen wächst das Netzwerk von Betrieben, die uns bei der Berufsvorbereitung unterstützen. — Geht doch!

Hanna Fischer

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