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Corona-Hygiene

Hygieneregeln kindgerecht vermittelt

Die Schule geht schrittweise wieder los und nichts ist wichtiger, als den Schülern Hygiene- und Abstandsregeln so näherzubringen, dass sie verstehen, warum sie eingehalten werden müssen – und dies dann auch tun.

Corona-Hygiene: Hygieneregeln kindgerecht vermittelt Das Händewaschen ist jetzt besonders wichtig — auch in der Schule © Artram/Shutterstock.com

Es ist so weit: Die einzelnen Bundesländern eröffnen nach dem Corona-Lockdown ab 4. Mai wieder schrittweise die Schulen. In den Grundschulen werden voraussichtlich zunächst die Viertklässler zurückkehren, wenn nicht – wie in Hessen – ein Verwaltungsgerichtsbeschluss die Schulpflicht für diese Schülergruppe so lange aussetzt, bis sämtliche Grundschüler wieder zurückkehren.

Manche Länder stellen den Schulen Hygienesets und Masken zur Verfügung. Doch noch sind vielerorts Desinfektionsmittel und Mund-Nasen-Schutz gar nicht so einfach zu beschaffen, und auch die sanitäre Ausstattung vieler Schulen lässt bezüglich angemessener Umsetzung des Hygieneschutzes zu wünschen übrig. – Oft fehlt es schlicht an genügend Waschgelegenheiten, an Seife und Papierhandtüchern. Hier heißt es dann improvisieren und zum Beispiel die Kinder bzw. Eltern dazu anzuhalten, eigene Waschutensilien von zu Hause mitzubringen.

Die Hygienepläne der Länder weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Unterricht dazu „genutzt werden“ sollte, „um den Schülerinnen und Schülern die wichtigsten Prinzipien des Hygiene-Verhaltens nahezubringen“, so heißt es etwa im hessischen Konzept auf Seite 2: Zu vermitteln seien „insbesondere, die Sinnhaftigkeit der Abstandsregelungen (...) sowie die Vermittlung der Händehygiene und der Husten- und Nies-Etikette“. – Der folgende Beitrag gibt Ihnen dazu einige hilfreiche Links und Tipps an die Hand.

Atemschutzmasken: wann und wie?

Auf tagesschau.de entlarvt Wulf Rohwedder eine Falschmeldung, die derzeit in den sozialen Medien kursiert: Atemmasken seien für Kinder gefährlich, weil sie „zu vermehrter Kohlendioxid- und Feuchtigkeitsaufnahme sowie Keimansammlungen“ führten. – Das ist Humbug, gefährlich wird es nur, wenn die Kinder ihre Masken nicht richtig angelegen oder ab- und wieder aufsetzen.

Wie letzthin auch bei Armin Laschet zu beobachten war, wissen selbst viele Erwachsene nicht, wie man die Masken korrekt anlegt. Deshalb sollte man das Prozedere mit den Kindern immer wieder üben, am besten mit einer Wort-Bild-Anleitung, die für alle sichtbar im Klassenzimmer hängt. Damit Sie sich zunächst über die einzelnen Schritte informieren können, hier ein Schulungsvideo der Krankenhaus-Hygiene.

Klar, dass die Kinder vor allem verstehen sollten, wofür ein Mund-Nasen-Schutz gut ist. Und das – genau wie viele andere Hygienefragen – erklärt Ralf von der Sendung mit der Maus auf dieser Website. Im Video „Was bringt ein Mund-Nasen-Schutz“ spricht der Moderator alle wichtigen Aspekte an: eine mögliche Infektion durch Tröpfchen, die beim Husten, Niesen und Sprechen entstehen, die einseitige Schutzwirkung einer einfachen Mund-Nasen-Maske, die nicht den Träger, sondern nur die Menschen der Umgebung vor größeren Aerosolen schützt, sowie die Durchfeuchtung der Masken und die Notwendigkeit, den Mund-Nasen-Schutz regelmäßig zu wechseln. Ergänzend dazu könnten Sie das Video „Tröpfcheninfektion“ zeigen, das allerdings die weiteren Infektionswege wie Schmierinfektion oder Berührung vernachlässigt.

Abstand halten mit Köpfchen

Eher nebenbei streift Ralf im Video „Tröpfcheninfektion“ auch den Grund, warum wir Abstand zueinander halten sollten: Die Tröpfchen fliegen bis zu zwei Meter weit! – Immerhin, denn in vielen Corona-Erklärvideos für Kinder wird dieser Grund nicht genannt, sondern nur die Konsequenz bei Nicht-Einhaltung, wie etwa in diesem kurzen PLAYMOBIL®-Kinderfilm.

1,5 bis 2 Meter – das ist aus kindlicher Perspektive eine weite Strecke. Mit einem Zollstock helfen Sie den Kindern dabei, ein Gespür für die Distanz zu entwickeln: Messen Sie den Abstand zwischen den Tischen und spielen Sie mit den Kindern Situationen auf dem Gang und im Pausenhof durch, wo es eng werden kann: Wie schützen wir uns hier? Warum ist es wichtig, dass wir uns langsam bewegen? Warum sollten wir außerhalb des Klassenzimmers einen Mund-Nasen-Schutz tragen? Warum sollten wir nicht miteinander streiten? Nicht drängeln? Solche Fragen sollten ebenso angesprochen werden, wie auch Alternativen im Umgang miteinander, zum Beispiel anderen den Vortritt lassen, an der Tür zum Klassenraum „anstehen“ und dabei Abstand halten etc.

Und was darf man überhaupt noch? Der YouTuber Checker Tobi etwa zeigt in seinem herausragenden Corona-Video, wie man sich mit den Füßen begrüßt und wie ein „Luft-Five“ geht – das ist ein berührungsfreier High-Five. – Das Thema Abstand halten taucht übrigens in dem fast 25-minütigen Video von Checker-Tobi immer wieder einmal auf: Zwischen ihm und seinem Studiogast, einer Biologin, ist ein langer Tisch, und selbst sein vierköpfiges Team verteilt sich so im Studio, dass locker zwei Meter Abstand eingehalten werden. – Vorbildlich.

Schmier- und Tröpfcheninfektionen „sichtbar“ machen

Fußbegrüßung und Luft-Five ist okay, was allerdings in der Schule tabu sein sollte, ist das Teilen von Gegenständen, zum Beispiel beim Spielen mit Bällen, Bausteinen, Kuscheltieren und ähnlichem. Denn: Das Corona-Virus kann auch über Gegenstände übertragen werden und eine ganze Weile auf Oberflächen überleben. – Das veranschaulicht Ralf in dem Video „Überträgt sich das Virus über Gegenstände?“ Hier lernen die Kinder auch, dass Geschirr durch Spülen virenfrei wird und Viren auf trockenen Oberflächen maximal zwei bis drei Tage überleben. Selbst Kuscheltiere lassen sich bei 70 Grad in der „Backofensauna“ reinigen.

Aber: Man kann Viren nicht sehen, und was Kinder nicht sehen, vergessen sie in der Regel schneller als wir Erwachsene. – Es sei denn, Sie machen die Übertragung der Viren sichtbar, wie es Checker-Tobi tut: Er hat Hunger und das Corona-Virus, wie er mit farbigem Glitzer an seinen Händen demonstriert. Ohne sich vorher die Hände zu waschen, schmiert er sich ein Käsebrot und zeigt, wie er damit seine Viren überall verteilt: Auf das Messer, in die Butter und in die Brotpackung, auf den Käse und natürlich auch auf sein Brot. Vorher hat er vermutlich schon den Kühlschrank angefasst, die Besteckschublade und den Küchenschrank mit den Tellern. – Machen Sie daraus ein Gedankenspiel: Nennen Sie den Kindern Situationen wie Ballspielen, heimlich naschen, Frühstück für die Familie machen etc. Die Kinder überlegen sich, worauf sich mögliche Viren an den Händen verteilen und wen sie damit anstecken könnten.

Nicht nur durch Berührung, sondern auch durch Husten in die Hände oder durch Sprechen, Lachen, Singen, Schreien etc. gelangen Viren auf Gegenstände und Oberflächen. – Checker-Tobi veranschaulicht die Verbreitung von Aerosolen mit einer offenen Mehltüte. Legt man ein Tuch darauf, gelangt das Mehl beim Drücken der Tütenseiten nicht in die Luft. – Damit ist offensichtlich, wozu ein Mund-Nasen-Schutz gut ist.

Husten- und Nies-Etikette

Das Fremdwort „Etikette“ erklärt dann noch einmal Ralf im Video „Was ist die Nies-Etikette?“ Die Etikette bedeutet nämlich „Zettel, auf dem das Hofzeremoniell festgeschrieben war“ und legte fest, wie man sich in Gegenwart des Königs oder der Königin zu verhalten hatte. Heutzutage legt die Etikette fest, wie wir uns im Beisein von anderen verhalten sollten. Beim Niesen etwa gilt: möglichst in ein Taschentuch, das dann in einen Eimer, möglichst mit Deckel entsorgt wird, erklärt Ralf und wirft das Taschentuch einfach hinter sich. – Das animiert die Kinder natürlich zum Nachmachen, und auch vom Händewaschen nach dem Niesen oder Husten mit Taschentuch ist nicht die Rede. Nur wenn kein Taschentuch zur Hand ist, hustet oder niest man in die Armbeuge.

Warum wir nicht in die Hand niesen sollten, ist nach dem Experiment mit dem Glitzerpulver bzw. mit dem Mehl klar. Stattdessen in die Armbeuge husten und sich dabei möglichst gleichzeitig abwenden, das ist eine komplexe Bewegungsfolge, die geübt werden sollte. Dabei führen die Kinder – mit Abstand im Stehen und Sitzen am Platz –, zum Beispiel auf ein bestimmtes akustisches Signal wie einen Trinangelton, immer wieder einmal die Bewegung aus, natürlich ohne Husten oder Niesen.

Händewaschen – aber richtig!

Am effektivsten schützen wir uns und andere durch regelmäßiges Händewaschen. „Katzenwäsche“ reicht dabei nicht, wir brauchen ordentlich Seife und viel Zeit, damit die Hände wirklich virenfrei werden: 20 bis 30 Sekunden sind eine lange Zeit. Checker-Tobi muss sich unter dem strengen Blick der Virenexpertin Linda die Hände waschen. Als er die Seife schon nach wenigen Sekunden weglegt, bekommt er den ersten Minuspunkt: Hände gründlich einseifen, „weil wir müssen ein bisschen länger Hände waschen“, rügt Linda. Auch sonst eignet sich das Video mit Tobi nicht als Händewasch-Tutorial für die Kinder: Tobi wäscht sich die Hände irgendwie und geht dabei nicht systematisch in bestimmten Schritten vor. Das gründliche Abtrocknen der Hände wird gar nicht erwähnt oder gezeigt – ganz schlecht.

Viel besser macht Ralf seine Sache im Video „Warum hilft Händewaschen gegen Corona?“ Erst Hände nass machen und in den Handinnenflächen die Seife verteilen, dann Handinnenfläche auf Handaußenfläche legen, dabei „ruhig auch die Finger kreuzen“, dann umgekehrt, „damit auch jede Hand mal drankommt“, zwischen den Fingern, die Fingerspitzen, die Handkanten, „und natürlich auch die Daumen nicht vergessen, dann noch die Fingerspitzen, sodass auch Seife unter die Fingernägel kommt, dann abspülen und die Hände abtrocknen. – Ralf verrät auch, wie Seife wirkt: Sie greift die fettige Hülle der Viren an und macht sie so unschädlich. – Checker-Tobi zeigt das mit einem Luftballon und einer Seife aus Schmirgelpapier, wobei der Luftballon alias Virus zerplatzt. – Im Unterricht unbedingt nachmachen, das ist für Kinder sehr eindrucksvoll.

Wussten Sie eigentlich, dass es einen Händewaschbotschafter des Bundesministeriums für Gesundheit gibt? Er heißt Walter und ist mit seinem Freund Olli, dem Otter, deutschlandweit unterwegs, um Kindern das Händewaschen beizubringen. Auf seiner Website zeigt auch Walter im Video, wie Händewaschen geht – bis auf die zeitgeraffte Einschäumphase in Echtzeit und mit Abtrocknen. Auch ein Besuch auf der Seite infektionsschutz.de ist hilfreich: Hier finden Sie zum Beispiel nützliche Materialien und Downloads für Ihre Schüler, vom kindgerechten Plakat mit den Schritten beim Händewaschen bis zu Hygienetipps und Infografiken in anderen Sprachen.

Martina Niekrawietz

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