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Das letzte Schuljahr

Jeder ist anders — passgenaue berufsvorbereitende Angebote

Berufsvorbereitung und -beratung ist im sonderpädagogischen Förderbereich eine Herausforderung — besonders im letzten Schuljahr. Hier müssen alle beteiligten Teams gut vernetzt zusammenarbeiten.

Das letzte Schuljahr: Jeder ist anders — passgenaue berufsvorbereitende Angebote Einen passgenauen Arbeitsplatz zu finden, ist gar nicht so einfach und bedarf intensiver Vorbereitung © Hanna Fischer

Lehrkräfte, die Schüler mit besonderem Förderbedarf in Abschlussklassen unterrichten, stehen vor einer riesigen Herausforderung. Innerhalb einer Klasse benötigen ihre Schüler sehr unterschiedliche Angebote zur Berufsvorbereitung und Berufsberatung, wobei grob folgende Gruppen unterschieden werden können:

1. Schüler, deren Perspektive ein Arbeitsplatz in einer Tagesförderstätte oder einer ähnlichen beschützenden Einrichtung ist und die eine Begleitung als Eingliederungshilfe beispielsweise für Pflege und Essensassistenz benötigen.

2. Schüler, die lebenspraktisch-handwerkliche Begabungen besitzen und deren Perspektive eine Werkstatt für behinderte Menschen oder ein betreuter Arbeitsplatz im 1. Arbeitsmarkt ist.

3. Schüler, bei denen die Chance der Erlangung eines weiteren Bildungsabschlusses besteht, entweder an ihrer Schule, im Rahmen der Berufsvorbereitungsschule oder an einem Berufsbildungswerk.

Individuelle Vorbereitung auf das Berufsleben auf der Zielgeraden

Das bedeutet, dass jeder Schüler individuell auf das Leben nach der Schule vorbereitet werden muss. Wie kann man diesen sehr unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden?

Wünschenswert wäre …

  • ein maßgeschneidertes Unterrichts- und Praxisangebot für die drei o. g. Schülergruppen, zugeschnitten auf  ihre besonderen Bedürfnisse.
  • ein Aufbau und die Pflege einer ständigen Kooperation mit Betrieben und außerschulischen Einrichtungen für Schülerpraktika und Ausbildung/Arbeitsmöglichkeiten nach der Schule.
  • eine Weichenstellung für eine nachschulisch aufnehmende Einrichtung oder Ausbildung bereits während der Schulzeit durch gegenseitiges Kennenlernen und Erproben während der Praktika unter Einbeziehung der Eltern.
  • eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern, die mit Anträgen und Ämtern oft überfordert sind.
  • ein Organisationsrahmen mit feststehenden Terminen für Berufsberatung, Abstimmung über die Praktikumsplätze und weitere Klassenübergreifende Zusammenarbeit.
  • eine Begleitung von Schülerinnen und Schülern zur Alltagsbewältigung durch Eingliederungshilfen.

Links zum Thema:

Hier findet man die zuständige Stelle der Agentur für Arbeit und Hinweise für Beratungsangebote für Menschen mit Behinderung.

Wer sich für Berufsbildungswerke interessiert, wird hier informiert.

Wer eine Werkstatt für behinderte Menschen sucht, wird hier fündig.

Einrichtungen (auch für die berufliche Ausbildung) der Lebenshilfe finden sich hier.

Konzeptionelle Lösungsansätze für passgenaue Unterstützung

Zusammenarbeit und Teamgeist sind an der Schule gefragt, um gemeinsam die Schüler in ihren unterschiedlichen Bedürfnissen zu fördern. So können zum Beispiel in Klasse 10, klassenübergreifend drei  berufsvorbereitende Angebotsgruppen für die Schüler eingerichtet werden.

Geeignet wäre hierzu ein Projekttag. Dieser Tag wird genutzt für: erneute Betriebserkundungen, Bewerbungstraining,  als Praxislerntag in Betrieben und Werkstätten für behinderte Menschen, für Selbstfahrertrainings, Alltagsbewältigung außerhalb der Schule, Vorbereitung auf den Schulabschluss, Haushaltsführung, selbstständige Lebensführung und  Ähnliches.

Bereits im Schuljahr vorher beraten die zukünftigen Klassenteams auf Konferenzen über den Zeitplan, die Zusammensetzung der Schülerschaft in den verschiedenen Gruppen, die Zuordnung der Lehrkräfte und die Verteilung der Aufgaben. Eine für alle verbindliche Einigung wird gemeinsam mit der Schulleitung getroffen.

Wichtig ist das Einplanen einer bestimmten unterrichtsfreien Zeit für den Austausch. Die beteiligten Klassenlehrer, Erzieher und Therapeuten stimmen sich nach Bedarf ab über:

  • Gespräche über Berufsvorbereitung,
  • über die Verteilung der Praktikumsplätze und -zeiten,
  • über Raumverteilung, Organisation,
  • über Sichtung und Austausch von Arbeitsmaterialien,
  • über Berufsberatung sowie
  • über die gegenseitige Unterstützung und
  • über einen möglichen Erfahrungsaustausch.

Sinnvoll wäre es — auch um das notwendige Know-how zu bündeln — wenn jeweils immer derselbe Lehrer bzw. dieselbe Lehrkräftegruppe für einen organisatorischen oder inhaltlichen Bereich zuständig ist.

So lassen sich auch Praktika und Praxislerntage besser organisieren — und nicht jede Lehrkraft fängt wieder von vorn an. Je nach Bedarf der Gruppe werden zusammenhängende zweiwöchige Betriebspraktika zur — erneuten — Berufsorientierung durchgeführt. Auch besteht vielerorts die Möglichkeit, einen Praxislerntag in Betrieben an einem Tag in der Woche zu organisieren. Vielleicht sogar schon mit ersten Absprachen darüber, ob der betreffende Schüler später übernommen werden kann. Zusammenhängende Praktika eignen sich insbesondere für Schüler, die später eine Tagesfördereinrichtung besuchen werden, Praxislerntage für leistungsstärkere Schüler, die flexibel reagieren können.

Damit  dieser ganz spezielle Projekttag geplant und vorbereitet werden kann, trifft sich die jeweilige Schüler-Gruppe mit ihrem Team am Tag vorher zur Vorbesprechung und Verteilung der Aufgaben. Am besten plant man dafür eine Doppelstunde ein. Für die Auswertung hat die Gruppe am Tag nach dem Projekttag mindestens zwei Doppelstunden Zeit. Die Schüler können von ihrem Praxistag berichten, erstellen eine Bilddokumentation oder schreiben darüber —  je nachdem, was vorher als Aufgabe ausgewählt wurde.

Schüler, die nach der Schulzeit wahrscheinlich eine Werkstatt besuchen werden, beschäftigen sich mit handwerklich-praktischen Projekten, Schüler mit großem Betreuungsbedarf arbeiten beispielsweise  in künstlerischen Projekten und Schüler, die eine berufliche Ausbildung sowie ggf. weitere Bildungsabschlüsse machen werden, absolvieren Praxislerntage in Betrieben des 1. Arbeitsmarktes.

Für die Schüler ist diese stark fokussierte Berufsvorbereitungszeit gerade kurz vor dem Schulende besonders wichtig und hilfreich. Sie profitieren auch von ihren Mitschülern, indem diese nach einem Praktikumsdurchgang ihre Ergebnisse in einer gemeinsamen Präsentation vortragen.

Fachleitung Berufsvorbereitung als Ansprechpartner und Bildungsbegleiter

Es ist sinnvoll, eine für den Fachbereich Berufsvorbereitung zuständige Person an der Schule zu benennen. In Absprache mit den Klassenteams kümmert sich diese Fachleitung  um äußere organisatorische und zeitliche Strukturen der Berufsvorbereitung in der Schule. Sie bündelt die Aufgaben, begleitet die Projekte, berät und unterstützt die Teams und koordiniert, wo es nötig und gewünscht ist.

Für die Praxisbetriebe und aufnehmenden nachschulischen Einrichtungen einerseits und die Praktikumsplatz-Suchenden andererseits ist sie Kontaktperson in der Schule. Sie ist zuständig dafür,  einen festen Bestand an Kooperationspartnern zu schaffen, auszubauen und zu pflegen. Sie hält eine Sammlung mit möglichen Praxisstellen und Erfahrungsberichten bereit, die ständig durch die beteiligten Teams aktualisiert und erweitert werden. Aus diesem Pool können Praxisstellen verteilt werden, wenn die Schüler nicht selbst einen Platz gefunden haben.

Neben den Praktika, den Präsentationsveranstaltungen nach den Praktika und den Betriebserkundungen haben sich jährlich stattfindende Informationsveranstaltungen bewährt, zu denen die Fachleitung Anbieter berufsvorbereitender Einrichtungen aus dem Umkreis in die Schule einlädt. Sie können beispielsweise im Rahmen eines „Marktes der Möglichkeiten“ stattfinden. Hierbei kommen Anbieter, Eltern und Schüler miteinander zwanglos ins Gespräch. Beliebt sind auch Infoabende, an denen sich die Anbieter zunächst vorstellen und dann — getrennt für passgenaue Berufsvorbereitung — in verschiedenen Räumen über ihr Angebot referieren.

Zum festen Bestandteil gehören die Berufsberatungsgespräche durch die Reha-Berater der Agentur für Arbeit. Die Fachleitung nimmt Kontakt zu den Beratern auf und koordiniert die Gesprächstermine. Diese Einzelgespräche finden mit dem jeweiligen Schüler, dessen Eltern sowie mit dem Klassenteam in der Schule statt.

Die Klassenleitung bereitet sie mit den Schülern vor. Sinnvoll ist — je nach Leistungsfähigkeit des Schülers —, beispielsweise ein Ich-Bild zu gestalten, auf dem Fähigkeiten, Interessen, Vorlieben und anderes deutlich werden. Leistungsstärkere Schüler können einen Flyer erstellen, auf dem ihr Lebenslauf mit bisher abgeleisteten Praktika, Lieblingsfächern, Hobbys, Neigungen, Fähigkeiten und anderen relevanten Informationen aufgeführt werden.

Nach der Beratung können die Schüler  in  berufsvorbereitenden Einrichtungen „Schnuppertage“ ableisten, bevor sie sich für einen bestimmten Weg entscheiden.

Hanna Fischer

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