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Best Practice Corona

Leuchtturmschulen: Mit Kreativität durch die Krise

Wie kann Schule unter Corona-Vorzeichen für alle Beteiligten so funktionieren, dass die Belastungen für alle möglichst gehalten werden? Leuchtturmschulen zeigen, wie es gehen kann.

Best Practice Corona: Leuchtturmschulen: Mit Kreativität durch die Krise Digital lässt sich ein enger Kontakt zwischen Lehrkräften und Schüler/-innen halten. Das unterstützt das Vertrauensverhältnis sehr © Studio Romantic - stock.adobe.com

Die zweite Corona-Welle ist in vielen Bundesländern bereits in vollem Gange und wieder stellen die steigenden Fallzahlen Schulen vor enorme Herausforderungen: Wie setzen wir am besten unsere knappen personellen Ressourcen im Präsenzunterricht ein? Wie schaffen wir es, die emotionale und die Arbeitsbeziehung mit den Schüler/-innen aufrechtzuerhalten? Und wie unterstützen wir uns innerhalb des Kollegiums gegenseitig? – Das sind nur drei der drängendsten Fragen, die sich Lehrerinnen und Lehrer derzeit täglich stellen.

Das Deutsche Schulportal berichtet auf seiner Website immer wieder über Schulen, die besonders kreative Lösungen für die Herausforderungen in Zeiten von Corona gefunden haben. Dieser Beitrag stellt Ihnen einige Ideen und Konzepte vor, die womöglich auch für Ihre Schule gute Impulse geben.

Mit 40-Minuten-Stunden Zeit gewinnen

An der IGS Franzsches Feld in Braunschweig dauert eine Schulstunde nur 40 Minuten. Die restlichen 5 Minuten fließen in einen Zeit-Pool, der dann als Ressource „für andere unterrichtliche Aktivitäten“ dient: Das sind dann zum Beispiel „kleinere Kurse, Werkstatt-Arbeiten, Zeiten für persönliches Lernen oder Projekt-Unterricht“ und andere konzeptionelle Schwerpunkte der Schule. Auch eine effiziente Förderung in leistungs- oder neigungsdifferenzierten Lerngruppen wird dadurch möglich, ebenso wie Unterrichtsphasen in Doppelbesetzung.

Um mehr Ruhe in den Schultag zu bringen, unterrichten die Lehrkräfte in 80-Minuten-Blöcken mit jeweils 5 Minuten Pause. Das verringert die Anzahl der Fach- und Klassenraumwechsel und ermöglicht ein ruhigeres, konzentriertes Arbeiten über einen längeren Zeitraum. 

Die Vorteile für Lehrkräfte: Die Kernarbeitszeit wird „in ihrer Summe nicht verändert“, und vermutlich steigt auch bei vielen Unterrichtenden die Arbeitszufriedenheit: Schließlich haben die Lehrer/-innen dadurch mehr Spielraum für individualisiertes Lernen und Fördern in kleineren Gruppen sowie für konstruktive Teamarbeit. – Ein großer Gewinn, der dann vielleicht ja auch die Nachteile ausgleicht, die mit dem Konzept verbunden sind: zum Beispiel mehr Aufwand für die Zeitdokumentation oder für zusätzliche Lerngruppen und Projekte.

Fernunterricht mit persönlichen Lernbegleitern

An der Hardtschule Durmersheim blieb während des Corona-bedingten Lockdowns kein Kind auf der Strecke: Auch im Fernunterricht gelang es, „alle Schülerinnen und Schüler zu erreichen, sie individuell zu betreuen und das Miteinander zu pflegen“. So gelang es auch während des Lockdowns, „den Zusammenhalt der Gemeinschaft zu stärken und individuell auf jede und jeden Einzelnen einzugehen“ (ebd.).

Was ist hier anders als an anderen Schulen? Zum einen war der Einsatz von digitalen Medien für Schüler/-innen und Lehrkräfte schon vor der Pandemie gang und gäbe. Zum anderen gibt es ein eingespieltes Coaching-System, das den Kindern „speziell fortgebildete Lehrkräfte (...) als persönliche Ansprechpartner“ zur Seite stellt. Mit ihnen können die Kinder schulische und persönliche Themen besprechen, immer auf Augenhöhe und in einem vertraulichen Rahmen. 

Auch in Homeschooling-Phasen ließen die Coaches „ihre“ „Schüler/-innen nicht im Stich: Jeder Unterrichtstag beginnt und endet mit einem verbindlichen Morgen- bzw. Abschlussmeeting per Videokonferenz. Ein offener Anfang am Morgen gab dabei „genug Zeit und Raum, um auch Persönliches auszutauschen“. Untertags bearbeiteten die Kinder und Jugendlichen dann „meist selbstständig ihre Aufgaben“ (ebd.). Wenn sie Fragen hatten oder Hilfe brauchten, kontaktierten sie ihre Lernbegleiter per Messenger oder Videomeeting.

Mit freiwilligen „Challenges abseits des Unterrichts“ gelang es den Lehrkräften, selbst während des Kontaktverbots das Gemeinschaftsgefühl zu stärken: „Pflücke einen Blumenstrauß und setze ihn in die Gruppe“, lautete da zum Beispiel eine Aufgabe oder „Mache einer Mitschülerin oder einem Mitschüler ein ehrliches Kompliment!“ – Spannende Aufgaben, die den Schülern Spaß machen und sie zumindest einmal am Tag die Kontaktsperre vergessen lassen.

It’s Teamtime! Teambuilding fürs Kollegium

Angesichts der angespannten Corona-Lage liegen die Nerven blank. Konflikte treten häufiger auf und als Einzelkämpfer haben es Lehrkräfte zunehmend schwerer. Anders an der Sophie-Scholl-Schule in Oberjoch: Hier hat die kollegiale Teamarbeit „höchste Priorität“ und auch einen festen Platz im Stundenplan: Die Schulleitung hat verschiedene Team-Formate implementiert, bei denen sich die Lehrer/-innen wechselseitig unterstützen, um die besonderen Anforderungen an der Sophie-Scholl-Schule in Angriff zu nehmen.

Die Schule gehört zu einer Klinik, die Kinder und Jugendliche aller Schularten und Bundesländer jeweils für sechs bis acht Wochen besuchen, um Allergien oder Asthmabeschwerden auszukurieren. Heterogener kann eine Lerngruppe – und auch ein Kollegium – nicht sein; und so ist es eine der vordringlichen Aufgaben, individuelle „Lernarrangements mit vielfältigen gemeinsamen Arbeitsphasen (...) zu gestalten“. Bei der wöchentlichen AIT (Arbeit im Team) treffen sich die Lehrkräfte, um ihre Unterrichtskonzepte und -materialien vorzustellen, auszutauschen und gemeinsam Ideen umzusetzen. Dabei entwickeln sie zum Beispiel Themenportfolios oder funktionieren einen Schulraum zum „Themenraum“ um („Regenwaldzimmer“). Auch im Unterricht arbeiten die Kolleg/-innen zusammen: Teamteaching und gegenseitige Unterrichtshospitationen sind an der Tagesordnung. 

Konflikte mit Erziehungsberechtigten, Kolleg/-innen oder auch mit Schüler/-innen sind für viele Lehrkräfte belastend. An der Sophie-Scholl-Schule sucht das ganze Team nach Lösungen für „schwierige, im Alltag häufig auftauchende Situationen“ oder für konkrete Konfliktfälle: Mit „ausführlich ausformulierten Situationsbeschreibungen“ stellen die Kolleg/-innen gemeinsam typische konfliktgeladene Gesprächssituationen nach. Dabei hinterfragen sie „die Rolle der Lehrkraft und ihre Verhaltensweisen“ und optimieren mit Kommunikationsübungen ihre Gesprächsführung: Die Lehrkräfte schlüpfen abwechselnd in verschiedene Rollen. 

Die Teilnehmer erleben, dass ihre Kolleg/-innen ganz ähnlich gelagerte Probleme haben. Sie übernehmen empathisch die Perspektive aller Konfliktparteien und sie sehen, wie andere im Gespräch agieren und reagieren, und lernen voneinander. – Eine sinnvolle Übung, die zwar etwas Zeit kostet, aber im Nachgang dazu beiträgt, dass belastende Konflikte gar nicht erst entstehen. – Vielleicht haben Sie ja Lust, es einmal mit ein paar netten Kolleg/-innen auszuprobieren.

Martina Niekrawietz

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