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Bewegte Schule

Schule in Bewegung = Körper und Geist in Bewegung

Schüler sitzen zu viel und bewegen sich zu wenig. Deshalb sollte sich Schule in Bewegung setzen und den Bewegungsdrang junger Menschen fördern. Mit dem positiven Ergebnis: gesündere Schüler, die besser und motivierter lernen.

Bewegte Schule: Schule in Bewegung = Körper und Geist in Bewegung Nicht nur in der Pause sollte den Schülern vielfältige Möglichkeiten geboten werden, sich auszutoben © Christian Schwier - Fotolia.com

Die neusten Erkenntnisse der Lern- und Entwicklungsforschung sind: Sport und regelmäßige Bewegung führen zu Verbesserungen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit und  der sozialen und emotionalen Entwicklung, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Seit vielen Jahren bereits gibt es in der pädagogischen Diskussion die Forderung nach mehr Bewegung in der Schule. Zuerst nach der „täglichen Sportstunde“, was nicht verwirklicht wurde. Nun soll seit einigen Jahren die „Bewegte Schule“ helfen, die deutlichen Bewegungsmängel unserer Jugend zu reduzieren. Der reguläre Sportunterricht allein konnte und kann diese wichtige pädagogische Aufgabe nicht erfüllen. Sportstunden fallen im Übrigen immer noch am häufigsten von allen Unterrichtsfächern aus. Aber: Bewegung muss regelmäßig stattfinden.

Immer mehr Kinder und Jugendliche laufen Gefahr, durch inaktiven Lebensstil und erhöhte Kalorienzufuhr krank zu werden: kardio-vaskuläre Erkrankungen, Übergewicht und Haltungsschäden. 

Bewegung und körperliche Gesundheit

Es muss eine wichtige Aufgabe der Schule sein, die Schüler beim Aufbau der körperlichen Fitness zu unterstützen. Sie soll den Kindern Freude an Bewegung und Sport vermitteln, sie motivieren, sich zu bewegen, weil es sich positiv auf die körperliche Gesundheit und auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirkt. Es ist keine verlorene Lernzeit, sondern solche Bewegungszeiten können den Lernerfolg sogar steigern. Doch das ist gerade das Problem: Schüler sollen stillsitzen und haben wenig Gelegenheit, sich körperlich auszuagieren. Viele besuchen Ganztagsschulen, sodass z. T. Sportvereine nicht mehr besucht werden können bzw. nachmittags kein Sport angeboten wird. Erste Wege können die Schulen aufzeigen, indem sie „Handlungsräume für freudvolles Lernen und Leben im Schulalltag durch zeitliche Elastizität ermöglichen und Schule als lebendigen Lern- und Lebensraum gestalten“ (Städtler, a.a.O. S. 7).

Der Einfluss von Bewegung auf geistige Fähigkeiten

Kinder sind besonders in den ersten Lebensjahren sehr lernfähig. Unser Gehirn besteht aus mehreren Milliarden Nervenzellen, diese haben wiederum tausende Kontakte mit anderen Zellen. Wir haben einige Milliarden Verschaltungen im Gehirn. „Da liegt die Idee nahe, mit extra Förderung ein paar Synapsen mehr anzuregen, um dem kindlichen Intellekt ein wenig auf die Sprünge zu helfen“ (Holzappel, Mehr Matsch). Nachgewiesen ist, dass besonders „Bewegung starke Effekte auf synaptische Verschaltungen hat“ (ebd.). Eigene Erfahrungen, z. B. beim freien Spiel, aber auch spezielle Trainingsformen fordern vom Gehirn immer wieder Lösungswege. Kinder und Jugendliche erschließen sich dadurch immer neue Handlungsspielräume, aber nur, wenn das Gehirn ständig herausgefordert wird. 

Die „Forschungsstelle für Angewandt Sportwissenschaften“ der Universität Bamberg untersucht z. Zt. im Projekt „Bewegung zur kognitiven Aktivierung“ an Schulen in Bayern, wie sich neurologisch ausgerichtete kurze Bewegungsformen (siehe unten) auf Aufmerksamkeit, Wahrnehmungsfähigkeit und Konzentration auswirken. Zwei Mal in der Woche, an denen die Schüler keinen Sportunterricht haben, absolvieren sie im regulären Fachunterricht zwölf Minuten lang neurologisch konzipierte Übungen. Bereits die bisher „ermittelten Ergebnisse machen deutlich, dass gezielte koordinative Aktivitäten einen spürbaren Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit und hier besonders auf das Arbeitsgedächtnis haben. (…) Die getesteten Schüler steigerten sich im Bereich des Konzentrationsniveaus nach einer zwölfwöchigen Testphase um bis zu 47 Prozent“ (Voll, OT S. 7). Die getestete Klasse war auch nach zwei Stunden noch konzentrierter als die Kontrollklassen.

Literaturhinweise:

Holzapfel, Nicola: Mehr Matsch! In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 77. 1./2. April 2017 

Roger, Martin: Bewegung steigert Konzentration. In: Obermain-Tageblatt, 06.02.2017 

Spitzer, Manfred : Digitale Demenz — Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen. München 2012

Städtler, Herrmann: Bewegung macht Schule — Warum brauchen wir die Bewegte Schule. In: Bewegung und Sport 1/2015

Voll, Stefan: Neuronales Training. Unveröffentlichtes Manuskript. Bamberg 2015

Voll, Stefan und Stockert, Britta: Trainingsformen. Unveröffentlichtes Manuskript. Bamberg (o. J.)

Die Akzeptanz der Schulen 

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts haben Schulen der Reformpädagogik, Landerziehungsheime und Schulen mit besonderer Pädagogik den Wert von Bewegung erkannt. Leben mit der Natur, Wanderungen, Spiele im Freien, Gartenbau, Tanz, Theater, viele Unterrichtpausen zur Entspannung und Bewegung, Mitbestimmung, selbstständiges Lernen in einem kindgerechten Lern- und Lebensraum waren pädagogische Schwerpunkte dieser Schulen. Sie leben und lehren noch heute nach dieser Pädagogik. Leider haben immer noch viele Schulen nicht erkannt, wie notwendig mehr Bewegung im Schulalltag ist. Die Umsetzung guter pädagogischer Grundsätze verläuft sehr zäh. Gründe (eigene Erfahrungen als Lehrer und Befragungen), weshalb die Bemühungen bisher scheiterten:   

  • Bewegungspausen werden als Unterrichtsstörung gesehen.
  • Der Lehrplan kann nicht erfüllt werden.
  • Die Bewegte Schule ist eine zusätzliche Belastung.
  • Nichtsportlehrer fühlen sich nicht kompetent für solche Aufgaben.
  • Man ist diese Aufgabe sehr locker angegangen, Einweisung und Kompetenzerwerb sind nicht gelungen.
  • Die notwendigen geeigneten Räumlichkeiten in und außerhalb der Schule fehlen.
  • Die Geräteausstattung ist unzureichend.
  • Schüler wurden zu wenig über den Sinn und Zweck dieser Bewegungspausen informiert.
  • Schüler sind nicht motiviert, die Mitarbeit und Mitbestimmung fehlt.
  • Die Schüler finden die Übungen lächerlich.
  • Die Eltern wurden nicht in das Programm einbezogen.
  • Die Bewegungspausen werden nur unregelmäßig angeboten usw.

Soll die bewegte Schule erfolgreich werden, muss zuerst mehr Bewegung in die Schulorganisation kommen.

Umsetzung des Konzeptes Bewegte Schule

Um das Konzept der bewegenden Schule zu gestalten, spielen die Lehrkräfte eine zentrale Rolle. „Nur starke Lehrkräfte können Schülerinnen und Schülern helfen“ (Städtler, S.7). Sie müssen die Schüler überzeugen und motivieren und sie mit in die Durchführung einbinden, die Selbsttätigkeit fördern und den Eltern den besonderen Beitrag von Sport, Bewegung und gesunder Ernährung zur körperlichen und geistigen Gesundheit glaubhaft vermitteln. 

Wesentliche Faktoren:

  • Die Schule muss als lebendiger Lern- und Lebensraum gestaltet werden, um den neuen Erkenntnissen gerecht zu werden. 
  • Bewegungsräume, wenn möglich auch außerschulische, ausgestattet mit Spielgerätekisten, Freispielgelände, Spielfeldern, Basketballkörben, Kletterstangen müssen geschaffen werden, um die Schüler zu Spiel und Bewegung zu motivieren.
  • Auch ruhige Plätze zur Kommunikation und Entspannung wären sinnvolle Einrichtungen. 
  • Lehrkräfte müssen mit dem Konzept des bewegten Lernens vertraut gemacht werden, in innerschulischen Fortbildungen, aber auch durch außerschulische Experten.
  • Die Eltern müssen Konzept und Vorteile der Bewegten Schule kennenlernen. 
  • Bewegungsimpulse sollten an Elternabenden vorgestellt werde.
  • Tägliche Bewegungszeiten müssen eingeplant werden (Verlängerung der großen Pause, z. B. 30 Minuten).
  • Der reguläre Sportunterricht sollte in das Projekt Bewegte Schule eingebunden werden.
  • Koordinatives Lernen muss regelmäßig stattfinden.
  • Schüler müssen motiviert werden, indem sie Verantwortung übernehmen und mitbestimmen können.
  • In Zusammenarbeit mit Sportvereinen können Schüler Sportarten kennenlernen, die ihnen liegen und die sie außerhalb der Schule betreiben können.

„Die Qualität des Konzepts der Bewegten Schule (…) ist schließlich daran zu messen, inwieweit es der Gesundheit, der Bewegungs- und Lernfreude sowie dem Lehr-/Lernerfolg der Lehrkräfte und der Schülerinnen und Schülern nützt“ (Städtler S.7).

Beispiele für aktive kurze Unterrichtsunterbrechungen

Hier soll nach Bedarf (z. B. Unterrichtsstundenmitte) durch einfache Körperübungen oder auch koordinative Übungen die Aufmerksamkeit, Konzentration und Wahrnehmung wieder hergestellt werden. Auch neuronales Training kann eine wichtige Konzentrationshilfe sein. Durch Studien ist belegt, dass schon einfache Übungen in kurzer Zeit (5 Minuten) den Lernerfolg steigern können.

Einige Beispiele von einfachen Übungen (hier für jüngere Schüler), die den Kreislauf schnell wieder auf Touren bringt:

  • Die Schüler stehen vor dem Stuhl, setzen sich, stehen bei Stuhlberührung blitzartig wieder auf („heißer Stuhl“).
  • Arme kreisen — vorwärts — rückwärts — ein Arm vorwärts, der andere rückwärts 
  • Die Hände gegen die Handflächen des Partners drücken.
  • Beide Arme greifen abwechselnd nach oben.
  • Die ganze Gruppe macht eine „La-Ola-Welle“.
  • Bewegungen aus verschiedenen Sportarten (Boxen, Schwimmen usw.) nachahmen
  • Figuren mit einem Bein in die Luft „zeichnen“
  • Kniebeugen usw.

Mit der Zeit können Schüler diese Kurzprogramme auch selbst leiten und auch eigene Übungen einbringen.

Intelligenzförderung durch neuronales Training

Bei neuronalen Übungen werden gleichzeitig verschiedene körperliche und auch kognitive Aufgaben gestellt. Diese und immer wieder neue Übungen fordern vom Gehirn ständig neue Lösungswege, was viefältige Verschaltungen anregt.

Einige Beispiele (die jeweilige Übungen sagt der Lehrer, später auch ein Schüler oder der Partner an):

  • Werfen und fangen nach Zahlen: Zwei Partner stehen sich gegenüber (Abstand 1—2 m). Sie werfen sich einen leichten Gegenstand/kleinen Ball von unten abwechselnd zu. Jeweils der Werfer zählt von 1—3, danach beginnt das Zählen wieder bei 1. Die Zahl 1 wird durch Händeklatschen ersetzt. Die Zahl 2 durch ein kognitives Element, z. B. immer eine andere europäische Hauptstadt. Die Zahl 3 wird durch ein weiteres kognitives Element, z. B. durch die Aufzählung des Siebener-Einmaleins usw.
  • Balancieren und „6“: Die Schüler stehen hinter ihrem Stuhl auf dem linken Bein, der rechte Fuß malt einen Kreis im Uhrzeigersinn in die Luft. Gleichzeitig malt die rechte Hand die Zahl 6 in die Luft. Fuß- und Handwechsel: Der linke Fuß malt einen Kreis, die rechte Hand malt die 6. Wechsel: Der rechte Fuß malt die Zahl 6, die rechte Hand den Kreis.
  • Fang den Radiergummi: Zwei Partner stehen sich gegenüber (Abstand 2—2,5 m). Ein Radiergummi oder leichter Gegenstand wird dem Partner zugeworfen, der den Gegenstand abwechselnd mit der rechten oder linken Hand fangen muss. Der werfende Partner gibt per Zahl 1 oder 2 die Seite der fangenden Hand an. Beim Fangen wird das gegenüberliegende Bein nach vorn gestellt. Kognitive Elemente, z. B. im Französischunterricht integrieren:  Begriffe aus der Küche (la fourchette, le couteau, la table …) rechts fangen, Begriffe aus dem Urlaub (la mer, le restaurant, le soleil …) links fangen.

Sind diese Übungsformen automatisiert, können sie natürlich als kurze Unterbrechung des Sitzunterrichts angeboten werden. Für das neuronale Training muss dann das Gehirn von neuem herausgefordert werden. 

Resümee: Es ist unumstritten, dass Bewegung die gesundheitliche und intellektuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen fördert. Die Schule kann und muss einen Beitrag dazu leisten. Sie sollte deshalb  als Lern- und Lebensraum gestaltet und organisiert werden und den Schülern Spaß und Freude an Bewegung vermitteln. Die Lehrkräfte spielen eine entscheidende Rolle dabei. Sie müssen Kompetenzen erwerben, um den Erwartungen der Schüler zu entsprechen. 

Jürgen Meng

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