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Abschlusszeugnis-Übergabe

Schulentlassungsfeier – ein Ritual muss neu erfunden werden

Für alle Schüler und ihre Familien ist die Schulentlassungsfeier ein wichtiges Ereignis, das feierlich begangen werden muss. In Corona-Zeiten ist Kreativität gefragt, um dieses Ritual – unter Beachtung der Hygiene-Regeln – neu zu gestalten.

Abschlusszeugnis-Übergabe: Schulentlassungsfeier – ein Ritual muss neu erfunden werden Wenn die Schule vorbei ist, ist die Freude meist groß. Das sollte auch gefeiert werden © luismolinero - stock.adobe.com

Die Schule hat wieder begonnen, wenn auch unter äußerst ungewöhnlichen und auch schwierigen Bedingungen: Die Schüler aller Klassen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, die tageweise oder wöchentlich wechselnd die Schule besuchen. Der Unterricht findet weitgehend im Klassenraum statt: alle haben verbindliche Sitzplätze, Gruppen- und Partnerarbeit gibt es nicht mehr. Die Tage, an denen die Schüler zu Hause sind, sind mit Homeschooling-Aufgaben gefüllt. Teilweise sind Aufgaben zu erledigen, die am Vortag in der Schule besprochen wurden, andererseits gibt es Online-Unterricht über Videokonferenzen und Chats. Alles neu und ungewohnt, aber die Schüler und Lehrer sind engagiert und mit großer Motivation dabei. Selbst die Abläufe mit Handdesinfektionen am Morgen, das Einbahn-Wegesystem im Schulgebäude und das Tragen von Masken haben die meisten ganz schnell in ihren Alltag übernommen. Alles ist besser, als noch länger allein zu Hause zu bleiben …

Für alle Schüler nähert sich das Schuljahr dem Ende – für einige Schüler wird es Entlass- und Abschlusszeugnisse geben. Aber wie? Die gewohnten und ritualisierten Zeugnisübergaben der letzten Jahre werden nicht in der gewohnten Weise übernommen werden können. Kontaktbeschränkungen und Auflagen für Schulfeiern zwingen uns, die Feierstunden neu zu erfinden. Und trotzdem: Einfach nur die Abgangszeugnisse zu überreichen, das reicht nicht aus.

Das Ende der Schulzeit muss trotz allem gefeiert werden

Für jeden Schüler markiert das Ende der Schulzeit einen bedeutsamen Abschnitt seines Lebens. Es ist das Ende einer Lebensphase und gleichzeitig der Beginn einer neuen Zeit, wie immer sie auch aussehen wird. Ob nun der Übergang in ein Ausbildungsverhältnis, der Besuch einer Berufsschule oder auch das geplante ökologische oder soziale Jahr die nächsten Schritte sind, das Ende der Schulzeit muss nicht nur erreicht, sondern gefeiert werden.

Welche Bausteine einer Zeugnisübergabe, einer Schulentlassungsfeier sind wichtig? 

  • Die Anwesenheit der Familie, der Eltern, der Geschwister, vielleicht aber auch der Betreuer aus der Wohngruppe sind unverzichtbar.
  • Es muss Grußworte, Glückwünsche und Gratulationen von der Schulleitung und dem Klassenlehrer zu diesem Moment geben.
  • Beiträge von der Schulband, dem Chor oder von einzelnen Schülern sind an vielen Schulen üblich und bilden das Programm.
  • Die Verabschiedung aus der Schulgemeinschaft, in der die Schüler viele Jahre verbracht haben, muss möglich sein.
  • Der Rahmen der Veranstaltung muss festlich sein, ein dekorierter Raum oder die Aula sind häufig gewählte Orte.
  • Auch die Abendveranstaltung in Form eines Balls, einer Disco, eines letzten gemeinsamen Grillabends mit Lagerfeuer hat an manchen Schulen Tradition.

Versuchen wir doch, aus den wichtigen Elementen etwas Neues zusammenzusetzen!

Die zu entlassenden Schüler, die ihre Abschlusszeugnisse bekommen, können nicht in einer gemeinsamen Feierstunde verabschiedet werden, wenn kein großer Saal zur Verfügung steht. Jeder will Gäste mitbringen, aber in diesem Jahr muss es eine strenge Begrenzung der Personenzahl geben, vielleicht kann sich jeder auf zwei Gäste begrenzen.

Alle Gäste müssen auf der Rückmeldung zur Einladung mit Namen benannt werden, die Dokumentation für das Gesundheitsamt ist unerlässlich. Wer schon bei einem Restaurantbesuch seine Kontaktdaten hinterlassen muss, der kann auch nachvollziehen, dass eine Abschlussfeier ähnlichen Auflagen unterliegt.

Ist die Personengruppe zu groß, muss die Zeugnisfeierstunde eben zweimal oder auch dreimal wiederholt werden. In großen Kollegien sind auch zeitversetzte Dienstbesprechungen an der Tagesordnung, warum nicht auch für die Abschlussfeier mit Zeugnisübergabe?

Eine neue Sitzordnung kann angedacht werden. Wo Stühle wegen des Abstandgebotes nicht in Reihen stehen können, könnten „Familiensitzgruppen“ arrangiert werden, alles genau auf einem Sitzplan dokumentiert.

Oder gibt es vielleicht die Möglichkeit, draußen die Zeugnisübergabe zu begehen? Wenn es einen überdachten, auf alle Wettereventualitäten ausgerichteten Bereich gibt, wäre das eine gute Alternative.

Die Dekoration des Raumes wird von der Schulgemeinschaft unterstützt. Große, mit Papier bespannte Stellwände bieten in den Tagen vor der Abschlussfeier die Möglichkeit, Grüße zu hinterlassen. Auch Fachlehrer, die nicht an der Zeugnisübergabe teilnehmen, können sich so von ihren Schülern verabschieden. Vielleicht gibt es Rückblicke auf schöne gemeinsame Ereignisse, ein Foto von der letzten Klassenfahrt. Eine Erinnerungswand, von der man zumindest ein Foto mitnimmt.

Und das Programm? Eine Feierstunde lebt auch von den Beiträgen, die mit viel Aufwand von der Schüler-Band oder dem Chor eingeübt werden. Aber gerade das gemeinsame Singen ist derzeit nicht erlaubt, der Schulchor kann nicht proben. Wie wäre es mit einem virtuellen Lehrer-Chor? Die großen Chöre der Welt machen es gerade in diesen Wochen vor, Anregungen gibt es im Internet genug. Wäre das nicht eine schöne Weise des Kollegiums, sich von den Schülern des Entlassungsjahrgangs gemeinsam und doch unter Beachtung aller Auflagen zu verabschieden? Wenn jeder zu Hause oder in seinem leeren Klassenraum zu einem von der Musiklehrerin vorbereiteten Lied sich selbst aufnimmt, ein Kollege dies in eine zeigbare Form bringt – es wäre ein neues, kreatives Element auf der Entlassfeier.

Nicht nur ein musikalischer Beitrag, sondern auch ein Hingucker, der beweist, dass auch ein Kollegium zusammensteht. Gemeinsam mit kurzen Videoansprachen des Schülersprechers, der Kollegin der kooperierenden Berufsschule, des Ortsbürgermeisters entsteht ein Programm, das anders ist als in den Jahren zuvor, aber nicht weniger schön.

Und so bleibt es an der Klassenlehrerin, vor der eigentlichen Zeugnisübergabe ein paar Worte im Rückblick auf die gemeinsamen Jahre zu sagen, den Blick nach vorn zu richten auf die neue Zeit, die kommen wird …

Ulrike Zerbst

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