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Medienkompetenz

Tipps für die Gestaltung eines gelungenen Online-Seminars

Seit Corona stehen Lehrpersonen vor der Herausforderung, Online-Seminare abhalten zu müssen. Was beachtet werden sollte und wie der Ablauf am besten strukturiert wird, das zeigen wir hier.

Medienkompetenz: Tipps für die Gestaltung eines gelungenen Online-Seminars Ein lebendig gestalteter Vortrag, mit dem man die Schüler:innen packt, ist gar nicht so schwer © fizkes/Shutterstock.com

Die Arbeit im Homeoffice aufgrund der Covid-19-Krise hat es möglich gemacht: Wir setzen uns intensiver denn je mit digitalem Lernen und seinen Möglichkeiten bzw. Grenzen auseinander. Wahrscheinlich musste die ein oder andere Lehrkraft von jetzt auf gleich ihr erstes Live-Online-Seminar abhalten, sei es mit Eltern, Kollegen und/oder Schülern. Manch einer hat sich nach der Einarbeitung in eine digitale Plattform gefragt, welche Regeln und Standards es wohl für die Durchführung eines Online-Seminars gibt? Auch wer Lehrerfahrung und schon Erfahrung mit Präsenzseminaren und dem Halten von Vorträgen hat, braucht dennoch einige Tipps, wie eine anregende Online-Fortbildung aussehen könnte. 

Online-Vorträge sind komplexer als Präsenzvorträge

Online-Vorträge sind hinsichtlich der Gestaltung und Umsetzung wesentlich komplexer und anspruchsvoller als Präsenzvorträge. Denn man spricht nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern meist allein vor einer Webcam in eine Kameralinse. Die direkte Verbindung und das damit verbundene verbale und nonverbale Feedback der Zuhörer fehlt. Ein freundliches Gesicht, das Kopfnicken oder das kritische Armeverschränken – im Onlineseminar sind alle diese kleineren Signale nicht unbedingt sichtbar bzw. nur erschwert wahrnehmbar. Der Vortragende erhält keine unmittelbare Rückmeldung und kann sich darum nur schwer an die Bedürfnisse der Zuhörer anpassen. 

Auch umgekehrt fühlen sich die Zuhörer eher unbeobachtet und anonymer als in einem Live-Vortrag. Sie sind leichter ablenkbar und können unbemerkt auch ganz anderen Dingen nachgehen, z. B. das Handy checken oder nebenbei eine andere Tätigkeit ausüben. Während dies in einem Präsenzvortrag aus Gründen der Höflichkeit überhaupt nicht in Erwägung gezogen würde, bleibt es bei einer Online-Veranstaltung eher unbemerkt und folgenlos. Die Aufmerksamkeit der Zuhörer schwindet allerdings dadurch leicht. Grundsätzlich geht es bei einem Live-Online-Seminar aber immer darum, den Teilnehmern (z. B. Schülern, Eltern, Kollegen) neues Wissen zu vermitteln und diese anzuregen, die neuen Fähigkeiten auch anzuwenden. Als Hauptvermittlungsweise steht die Präsentation des Vortragenden im Vordergrund. 

Die Teilnehmer abholen und deren Aufmerksamkeit einfangen

Anders als im Präsenzvortrag ist es für den Referenten im Online-Seminar schwierig, die Aufmerksamkeit der Teilnehmer wahrzunehmen und richtig einzuschätzen. Technische Probleme wie schlechte Tonqualität oder falsche Kameraposition können die Aufmerksamkeit senken, ebenso wie eine negative Wirkung vor der Kamera oder ein ungünstiger Präsentationsstil. 

Darüber hinaus weiß der Referent nicht sofort, wenn Teilnehmer ihm nicht folgen und seine Ausführungen nicht verstehen können. Direktes Rückfragen gestalten sich online etwas umständlicher, da es meist den Vortragsfluss erheblich stört und darum von den Teilnehmern nur ungern angewendet wird. 

Es ist darum hilfreich, eine Online-Plattform zu wählen, die Rückfragen z. B. als direkte Notiz zulässt und vom Vortragenden live gesehen werden kann (z. B. bei Zoom in der Chat-Funktion verfügbar). Ein wirksames Online-Seminar zielt nicht nur darauf ab, dass die eingeladenen Teilnehmer anwesend und aufmerksam sind, sondern dass sie auch die Ausführungen und Gedanken des Referenten verstehen und diese schließlich auch selbst anwenden wollen.

Literaturtipps

  • Busch, Michael: 55 Webtools für den Unterricht. Augsburg 2018
  •  
  • Wilhelm, Jens: Wirksame Webinare und Online-Seminar. Handbuch für Online-Trainer, Redner und Dozenten. Stuttgart 2019
  •  
  • Weber, Daniela: E-Learning für dummies. Weinheim 2020

Darum kann sich ein bestimmter Ablauf bei Online-Vorträgen bewähren (vgl. Wilhelm, 2019, 50 ff.):

Ankommensphase: Bei vielen Online-Plattformen wählt man sich ein und gelangt in den Warteraum. Bevor die Übertragung oder Konferenz beginnt, wählen sich die Teilnehmer bereits ein und können im Warteraum Fragen stellen oder sich „anwärmen“. Auch technische Aspekte wie Bild- und Tonqualität können hier überprüft und ggf. korrigiert werden. 

Begrüßungsphase mit Eisbrecher: Zum avisierten Beginn des Seminars wird pünktlich begonnen. Es hat sich gezeigt, dass die meisten Teilnehmer sehr pünktlich anwesend sind und nicht gern auf Nachzügler warten. Mit einem sogenannten Icebreaker regt man die Teilnehmer zu einer kurzen Eigenaktivität an. Dies kann eine kleine Chat-Nachricht sein, der getippt werden soll, ein kurzer Videokonferenz-Gruß/Wortmeldung oder auch ein gemeinsamer Funktionstest, z. B. sollen alle Teilnehmer die Winken-Funktion auslösen, wenn es sie denn gibt. Mit so einem Eisbrecher werden alle aktiv einbezogen und zu einer Handlung animiert, die sie in das Geschehen einbinden soll. Er sorgt nicht nur für eine bessere Beziehung untereinander, sondern hilft auch später, wenn die Teilnehmer weiterführend interaktiv tätig werden sollen. 

Zieltransparenz: Als Referenz beginnt man den eigentlichen Vortrag dann mit einer moderierenden Einleitung, aus der die Abfolge und die Ziele des Online-Seminars deutlich werden sollen. Man bringt auf den Punkt, worum es geht und wie man beabsichtigt, die angegebene Zeitspanne zu füllen. Damit haben die Zuhörer eine Chance, die eigene Zielvorstellung abzugleichen und ggf. Fragen zu stellen. 

Inhaltsvermittlung: Dem folgt die eigentliche Phase der Inhaltsvermittlung mit einigen wenigen thematischen Blöcken. Diese kann man mit einer interaktiven Phase verbinden, z. B. die Teilnehmer auffordern, dazu Fragen in den Chat zu stellen oder in sogenannten „Räumen“ eine kleine Diskursrunde zu halten und sich kurz auszutauschen. Diese Unterbrechung des Vortrags belebt die Aufmerksamkeit und eröffnet die Möglichkeit, die Teilnehmer wieder aktiv hinzuzuziehen. 

Abschluss und Weiterarbeit: Im Online-Seminar ist ein pünktlicher Abschluss wichtig, nicht zuletzt weil es bestimmte Zeitfenster bei den Online-Plattformen gibt. Es sollen alle wichtigen Aspekte nochmals kurz zusammengefasst werden. Aber auch Organisatorisches sollte noch einmal Raum erhalten, z. B. wie man konkret weiterarbeiten wird und wer bis wann welche Aufgaben abliefert.

Wie bei einem Live-Vortrag spüren die Zuhörer auch und vielleicht noch stärker im Online-Seminar, ob ein Vortrag authentisch und mit Liebe zum Thema gestaltet wird. Es ist sicherlich nicht ratsam, eigene Unsicherheiten zu überspielen. Besser kommt man mit Authentizität an, die die Zuhörer wahrnehmen. Andererseits sollte man sattelfest in den Inhalten sein und nicht unbedingt mit neuen, selbst erst frisch erarbeiteten Themen experimentieren. Denn zu den eventuellen Unsicherheiten mit der digitalen Situation käme dann auch eine unsichere Inhaltskomponente hinzu, die womöglich zu einem wenig einprägsamen Vortrag führt, der aufgrund seiner mangelnden Informationsdichte schnell vergessen wird. Ein sicherer Vortragender, der für sein Thema brennt und die Zuhörer aktiv einbindet und rhetorisch in den Bann schlägt, bleibt mit seinen Inhalten wesentlich länger in Erinnerung. Dies gilt nicht nur, aber besonders auch für das neue Medium der Live-Online-Seminare.

Claudia Omonsky

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