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Homeschooling

Zimmerrallye für Schüler mit erhöhtem Förderbedarf

Was machen mit den Schülern, die erhöhten Förderbedarf haben und die nicht allein die üblichen Rechen- und Schreibaufgaben bearbeiten können? – Eine handlungsorientierte Rallye durch jedes Zimmer der Wohnung bringt (nicht nur) diesen Schülern Spaß, Lernzuwachs inklusive.

Homeschooling: Zimmerrallye für Schüler mit erhöhtem Förderbedarf Teil der Rallye kann auch die Küche sein, in der gemeinsam gebacken wird © Alena Ozerova - stock.adobe.com

Ausgangsbeschränkungen und vielleicht sogar eine häusliche Quarantäne zwingen viele Eltern und Kinder zu Hause zu bleiben. Bei allen Entertainmentmöglichkeiten der modernen Technik fehlt auf die Dauer dann der sinnlich wahrnehmbare Input durch Bewegung und Wahrnehmungsreize der echten, greifbaren Umwelt. Auch der Familienspaziergang kann nicht problemlos zeitlich ausgeweitet werden, zumal die Spielplätze alle geschlossen sind. Kreative häusliche Spiel- und Lernsituationen sind gefragt, vor allem für Schüler, die sich hauptsächlich mit handlungsorientierten Aufgaben ohne Lese- und Schreibanteil beschäftigen.

Als lustige Idee kann man eine „Wohnungsrallye“ strukturieren und sich für jeden Raum der Wohnung eine eigene Aktion ausdenken, sodass man einen ganzen Tag lang beschäftigt ist. Oder man verteilt die Spielaktionen so, dass an jedem Wochentag ein anderer Raum an die Reihe kommt – je nach Möglichkeiten. Mit einem selbst gestalteten Spielplan in Form eines Grundrisses bekommen die Kinder eine grobe Struktur an die Hand – und die Eltern vorab eine genaue Spielanleitung.

Eine handlungsorientierte Rallye durch die Zimmer der Wohnung

Die geheime Höhle im Keller: Der Hobbyraum im Keller oder auch der Abstellraum unterm Dach eignen sich wunderbar, um dort eine geheime Höhle zu bauen. Mit alten Kartons, Bettlaken, Kissen, Decken sowie einem Bügelbrett, Wäscheklammern, Klebeband, Stühlen, Hockern und weiteren Utensilien lässt sich eine eigene Höhle mit gemütlichem Versteck bauen. Sie darf dann auch eine Weile stehen bleiben und dient vielleicht als stiller Rückzugsort, wenn mal wieder alles zu viel wird. Ein Leselicht oder eine Taschenlampe machen das Kellerabenteuer perfekt. Je nach Interesse kann ein Motto gelten, zum Beispiel Ritterburg, Räuberversteck, Schiff oder Schloss. Da werden Decken in Regale, Heizkörper oder Stuhllehnen geklemmt, Kisten als Wände gestapelt und Durchgänge eingebaut. Es werden Decken und Kissen als Kuschelecke hineingelegt, vielleicht gibt es sogar einen heimlichen Durchguck mit einer Pappröhre nach draußen durch eine Luke im Bettlaken-Tor. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, man sollte lediglich darauf achten, die Aufbauten sicher und verletzungsfrei zu gestalten. Durch die neue räumliche Dimension außerhalb des eigenen Kinderzimmers finden die meisten Kinder großen Spaß an solchen Höhlenverstecken.

Wer es eine Nummer kleiner halten möchte, kann beispielsweise das Kinderzimmer als Puppenstube nachbauen: Ein Schuhkarton wird mithilfe von Papier- und Tapetenresten, mit Bastelkarton, Schere und Klebstoff als Kinderzimmer eingerichtet. Das geht natürlich auch mit jedem anderen Zimmer, man könnte sogar die ganze Wohnung im Miniformat nachbauen. Alles, was an Bastelmaterial und Einrichtungsgegenstand zu finden ist, kann zum Einsatz kommen. Der kleine Knopf dient dann als Wanduhr, die Streichholzschachtel ist der Spiegel und das alte Schächtelchen dient als Puppenbett. Spielfiguren vervollständigen die Spiellandschaft. Durch die eigene Nachgestaltung wird nicht nur die Fantasie angeregt, sondern auch das räumliche Vorstellungsvermögen und die feinmotorische Geschicklichkeit geschult.

Die Küche als Kochstudio: Für die Küche muss man sich gar keine Spielform ausdenken, hier darf das passieren, was in der Küche immer passiert. Eltern und Kinder kochen und backen gemeinsam – für viele Kinder ist das ein besonderes Highlight, bei dem sie normalerweise aus Zeitgründen nicht so stark beteiligt werden. Jüngere Kinder lieben es, die Schränke ein- und auszuräumen, zu ordnen und zu sortieren. Sie können also beim vielleicht längst fälligen Schränke-Auswaschen mithelfen. Andere Zuarbeiten wie Schälen, Schneiden, Rühren oder Mixen können unter Aufsicht übernommen werden. Mit Sicherheit werden die Kinder stolz sein, beim Kochen mitgeholfen zu haben. Ältere Kinder dürfen das Lieblingsgericht für die Familie selbst kochen und sich so unter Beweis stellen. Gemeinsame Backerzeugnisse können hübsch verpackt und als kleine Überraschung an Verwandte und Freunde geschickt werden.

Der Balkon als Kräuterbeet: Apropos Kochen – auch wenn man keinen eigenen Garten hat, ist auf dem Balkon oder Fensterbrett immer noch Platz für ein eigenes Kräutertöpfchen. Die Kinder helfen mit beim Einsäen oder Umtopfen frischer Kräuter, übernehmen das Gießen. Sie freuen sich nach einigen Tagen oder Wochen an den ersten grünen Spitzen und können die erste Ernte kaum erwarten.

Der Regenbogen am Flurfenster: Über die sozialen Netzwerke wurde eine charmante Idee verbreitet, die sich auch bei uns im Alltag inzwischen wiederfindet. Kinder basteln oder malen einen Regenbogen und hängen diesen ins Fenster, damit andere ihn sehen können. Der Sinn ist, dass die Kinder beim Spazierengehen andere Regenbogen zählen und damit spüren, dass sie nicht allein sind, auch wenn man gerade keine Freunde treffen kann. Der Spaziergang ist dann vielleicht etwas weniger langweilig. Wer mit dem Handy ein Foto macht, kann dies unter dem Hashtag #regenbogengegencorona posten.

Wellness-Tag im Badezimmer: Viel Spaß macht ein selbsternannter Wellness-Tag. Es tut gut, den Körper mit einem Fußbad und einer Fußmassage zu verwöhnen ebenso wie die Massage von Händen und Gesicht oder sogar die klassischen Gurkenscheiben auf den Augen. Gerade das häufige Händewaschen wird in diesen Tagen zur Pflicht und setzt den Fokus auf die gesunde Hygiene. Warum dies nicht auch mit dem Angenehmen verbinden und sich mit einer schönen Handmassage etwas Gutes tun. Das gefällt auch Kindern und Jugendlichen.

Familienshow im Wohnzimmer: Bestimmt kennen Sie noch die lustige Rate-Show „Dingsda“ mit Fritz Egner, bei der Kinder auf entzückende Weise einen bestimmten Begriff umschreiben und dieser von den Erwachsenen geraten werden muss. Statt Fernsehprogramm kann man dies auch selbst gestalten. Wer ein kleines Handy-Video davon dreht, kann es sogar an die Verwandten schicken.

Entspannung im Schlafzimmer: Gerade mit solch seltsamen und mitunter beklemmenden Nachrichten wie derzeit brauchen Kinder emotionale Sicherheit und den Schutz ihrer Eltern mehr denn je. Der perfekte Ort dafür ist das Schlafzimmer als Ort der Geborgenheit. Da Eltern jedoch nachts nicht unbedingt die eigene Privatheit aufgeben wollen, kann man auch tagsüber eine Entspannungsübung im elterlichen Schlafzimmer machen. Kleine Übungen zur Entspannung, eine Fantasiereise oder Kurzmeditation können helfen, auch einmal zur Ruhe zu kommen und durchzuatmen.

Bestimmt gibt es noch den ein oder anderen Raum, in dem man sich eine kreative Beschäftigungsidee vorstellen kann. Wichtig ist die Idee, in den eigenen vier Wänden für neue Impulse und Abwechslung zu sorgen – auch für Schüler, die aufgrund von behinderungsbedingten Einschränkungen nicht lesen, schreiben oder die digitalen Möglichkeiten nutzen können.

Claudia Omonsky

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