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Konfliktvermeidung

Bewältigungsperspektiven gemeinsam mit den Schülern erarbeiten

Konflikte und Probleme sind an der Schule an der Tagesordnung und belasten die Schüler. Umso wichtiger ist es, ihnen Bewältigungsstrategien an die Hand zu geben: für ein besseres Lern- und Klassenklima.

Konfliktvermeidung: Bewältigungsperspektiven gemeinsam mit den Schülern erarbeiten Es ist wichtig, dass die Schüler lernen, im Konfliktfall miteinander zu reden © VadimGuzhva - stock.adobe.com

Immer mehr Lehrpersonen ist es ein großes Anliegen, dass sich ihre Schülerinnen und Schüler in der Schule wohlfühlen, mit klar positiven Konsequenzen für deren Persönlichkeits- und Lernentwicklung (Snyder, C. / Lopez, S. (): Handbock of Positive Psychology. Oxford 2002).
Aber das Leben hält eben auch zahlreiche Schwierigkeiten bereit. Wie Ihre Schülerinnen und Schüler lernen, diese als bewältigbare Herausforderung zu sehen, zeigt dieser Beitrag. Dabei spielen Lehrerinnen und Lehrer die Hauptrolle.

Kira fühlte sich schlecht. Sie kam mit ihrem Arbeitsblatt nicht klar. Auch Roman fühlte sich schlecht. Er sollte in der gleichen Kleingruppe wie Dario arbeiten, mit dem er gerade auf dem Pausenhof Streit hatte. Es gibt vieles, was die Schülerinnen und Schüler während des Schultags belasten kann, wie z. B.

  • sich nicht dazugehörig fühlen,
  • sich von anderen unfair behandelt fühlen,
  • mit dem Lernen nicht klarkommen,
  • Stress mit den Eltern wegen der Schule haben,
  • den Unterricht langweilig finden,
  • Aufgaben oder Arbeitsblätter nicht lösen können,
  • die Erklärungen des Lehrers nicht verstehen,
  • sich vom Lehrer oder Mitschülern unfair behandelt fühlen usw. usw.

Was sollen diese Schülerinnen und Schüler jetzt tun? Wir wissen, dass die damit verbundenen negativen Emotionen massive Auswirkungen auf unseren Unterricht haben: Sie kooperieren weniger mit ihrer Lehrerperson und ihre Möglichkeiten der Selbststeuerung gehen stark zurück (Baumeister, R. / Vohs, C.: Handbook of Self-Regulation. Research, Theory and Applications. New York, London2004). Die Folge: Sie stören mehr. Die Lehrperson muss mehr eingreifen und ermahnen — was wiederum auf Kosten der Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern und des Klassenklimas geht. Das möchten wir nicht.

Präventiv Bewältigungsstrategien besprechen und einüben

Klar, die meisten Schülerinnen und Schüler gehen gern in die Schule. Trotzdem erleben auch sie dort zahlreiche belastende Situationen. Und sind mit deren Bewältigung überfordert.

Frau Schneider, Lehrerin einer 5. Klasse will, dass ihre Schülerinnen und Schüler frühzeitig über Handlungsoptionen für kritische Situationen verfügen. Ihr Ziel ist, dass sie Belastungssituationen aktiv angehen und so weniger negative Emotionen erleben.

Wie Frau Schneider das erreicht, zeigen die folgenden Bewältigungsstrategien.

Ihr Autor:

Christoph Eichhorn ist Lehrbeauftragter für Classroom-Management an den Universitäten Zürich, Konstanz, Tübingen und Pädagogischen Hochschulen in Deutschland und Österreich.

Sein wichtigstes Buch: Classroom-Management Basiswissen Kompakt: Stören — Die wirksamste Störungsprävention, Interventionsleitlinien bei kleinen Störungen, Interventionsleitlinien bei großen Störungen (2018)

Eichhorn, C. (2018 B): Classroom-Management: Wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten. Klett-Cotta, 10. Aufl.

Belastende Situationen sammeln und gewichten: Frau Schneiders Schüler/-innen arbeiten in Kleingruppen an den Fragen: „Was ist an der Schule schwierig?“ und „Was stört euch?“. Sie könnte auch fragen: „Worüber ärgert ihr euch?“ oder „Was sollte anders sein?“ und Ähnliches.

Frau Schneider sammelt alle Ergebnisse auf einem großen Blatt. Dann gewichten die Schüler/-innen die Antworten, sodass z. B. zwei übrigbleiben. Sie lauten:

  1. Wenn wir Streit haben.
  2. Wenn ich etwas nicht verstehe.

„Sie sind unfair“ lautete eine der Antworten aus einer der Kleingruppen. Keine erfreuliche Botschaft. Aber eine wichtige. Interventionsleitlinien für derartige Aussagen finden Sie in Eichhorn (2018 A).

Handlungsoptionen überlegen: Und wieder geht’s in Kleingruppen. Dieses Mal überlegen die Schüler/-innen, wie sie die Probleme angehen könnten. Also: „Was kannst du tun,

  • wenn du mit jemandem Streit hast?“
  • wenn du etwas nicht verstehst?“

Alle Vorschläge werden gesammelt. Die Schüler/-innen wählen die besten aus — Frau Schneider hilft ein bisschen mit, diese kurz, prägnant und positiv zu formulieren.

Vorsätze nach dem Wenn-dann-Muster erarbeiten:
Vorsätze nach dem Wenn-dann-Muster haben sich in der Forschung als sehr geeignet gezeigt, um Handlungsmuster für Problemsituationen anzugehen (z. B. Gollwitzer, P. / Brandstätter, V.: Implementation intentions and effective goal pursuit. In: Journal of Personality and Social Psychology, 73, 1997, 186–199). Die Schülerinnen und Schüler haben mit Frau Schneiders Hilfe folgende Vorsätze erarbeitet:

  • Wenn mich ein Schüler schlägt oder beleidigt, dann sage ich es meiner Lehrerin.“
  • Wenn ich etwas nicht verstanden habe, dann zeige ich unsere rote Signalkarte.“

Immer wieder spricht Frau Schneider mit ihren Schülerinnen und Schülern über die Vorsätze. So lernen sie, diese mit der Zeit umzusetzen.

Unterstützungstreffen: Nicht alle Schüler/-innen können diese Vorsätze umsetzen. Frau Schneider hat eine Kleingruppe mit diesen Schülerinnen und Schülern gebildet, mit der sie sich zusätzlich anfangs einmal pro Woche für 15 Minuten trifft, um sie intensiver begleiten zu können. Sie sprechen darüber, was bereits gut klappt und wie sich noch ein bisschen verbessern können. Zum Beispiel indem sie sich gegenseitig an ihre Wenn-dann-Vorsätze höflich erinnern. Sie achtet darauf, dass diese Treffen für ihre Schülergruppe in guter Stimmung enden. Dazu machen sie am Schluss ein kleines Spiel. Mit ihrem Schulleiter und mit den Eltern dieser Schüler/-innen hat sie sich zuvor abgesprochen.

Eltern einbeziehen: Frau Schneider erklärt am Elternabend, was ihre Schüler/-innen erarbeitet haben. Dabei lobt sie ihre Klasse großzügig. Das kommt bei den Eltern sehr gut an. Die Eltern sind stolz auf ihr Kind. Damit erreicht Frau Schneider fast nebenbei das eigentlich wichtigste Ziel für Elternabende, nämlich, diese so zu gestalten, dass die Eltern auf ihr Kind stolz sein können.

Und in der 11. Klasse? Auch Elftklässler erleben erhebliche Belastungen. Im Gymnasium einer 11. Klasse fragte ein Lehrer seine Schüler/-innen: „Warum ist es wichtig, dass wir lernen, Stress zu bewältigen?“ Dann ging er ähnlich wie oben beschrieben vor. Zusätzlich arbeiteten seine Schüler/-innen zu Themen aus der Stress- und Erholungsforschung, der Positiven Psychologie und im Biologieunterricht zur Psychoneuroimmunologie.

Zusammenfassung: Schule und Lernen können die Schülerinnen und Schüler massiv belasten. Viele Lehrpersonen möchten sie bei der Bewältigung dieser Probleme unterstützen. Dabei gehen wir am besten so vor, dass unsere Schüler/-innen so weit als möglich selbst aktiv sind.

Christoph Eichhorn

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