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Verstärkersysteme

Motivation und positive Verstärker fördern Lernen und Verhalten

Ohne Motivation und positive Verstärker funktioniert Lernen nur halb so gut. Es gibt ja keinen Ansporn, das eigene Verhalten zu ändern. Dabei beeinflussen Verstärkersysteme das Arbeits- und Sozialverhalten nachhaltig positiv.

Verstärkersysteme: Motivation und positive Verstärker fördern Lernen und Verhalten Es ist gut, sich ein paar Gedanken darüber zu machen, wie man die Lernbereitschaft der Schüler positiv verstärken kann © DDRockstar - Fotolia.com

Es gibt eine überlieferte Geschichte über Thomas Alva Edison, den berühmten Erfinder und Unternehmer, die uns etwas über Motivation lehren kann: Thomas kam eines Tages von der Schule nach Hause und gab seiner Mutter einen Brief. Er sagte ihr: „Mein Lehrer hat mir diesen Brief gegeben und sagte mir, ich solle ihn nur meiner Mutter zu lesen geben. “Die Mutter hatte die Augen voller Tränen, sie las ihm laut vor: „Ihr Sohn ist ein Genie. Diese Schule ist zu klein für ihn und hat keine Lehrer, die gut genug sind, ihn zu unterrichten. Bitte unterrichten Sie ihn selbst. “ Viele Jahre nach dem Tod der Mutter stieß er in einer Schreibtischschublade auf ein zusammengefaltetes Blatt Papier, auf dem geschrieben stand: „Ihr Sohn ist geistig behindert. Wir wollen ihn nicht mehr in unserer Schule haben. “ Edison weinte stundenlang und dann schrieb er in sein Tagebuch: „Thomas Alva Edison war ein geistig behindertes Kind. Durch eine heldenhafte Mutter wurde er zum größten Genie des Jahrhunderts.“ (Quelle unbekannt)

Aus dieser Geschichte, die nicht nur von einer liebevollen Mutter berichtet, die ihren Sohn schützen will, können wir wichtige Aspekte über Motivation ableiten. Ich stelle mir vor, dass Thomas Alva Edison in den Wochen vor diesem Brief keine gute Zeit in der Schule gehabt haben muss. Er wurde vielleicht gehänselt und von den Lehrern herabgesetzt; die heute als extrinsisch bezeichnete Motivation muss bestimmt gelitten haben. Und dennoch hat Thomas Alva Edison offenbar mit einer sehr starken intrinsischen Motivation gelernt. Denn er hat sich schon sehr früh zu einem wegweisenden Erfinder und Unternehmer entwickelt. Ein Leitspruch für ihn war, die Dinge besser machen zu wollen, wenn es irgendwie möglich ist. Mit dieser starken Motivation konnte er auch widrige Lernumstände gut meistern.

Grundmotive der Motivation

Kinder lernen gern — diese Erfahrung dürfen Lehrer immer wieder machen, auch wenn Schule und Lernen im Lauf von Lernbiografien oft eine negative Konnotation gewinnt. Schüler bringen zunächst in der Regel eine hohe intrinsische Motivation mit, d. h. sie entwickeln drei grundlegende Motive und Hoffnungen.

Diese drei Grundmotive sind wichtige Ansporner für Motivation (vgl. McClelland, D.: Human Motivation, Cambridge 1987):

  1. Zugehörigkeit: Wird mein Beitrag beachtet und integriert, so fühle ich mich sicher und dazugehörig.
  2. Macht: Ein Bedürfnis nach Kontrolle und Einfluss wird dann befriedigt, wenn man in Entscheidungen eingebunden wird.
  3. Leistung: Schließlich möchte man die eigenen Leistungen anerkannt wissen. Dies vermittelt ein Gefühl von Erfolg und Fortschritt, die Kreativität und Neugier bleibt wach.

Im Umkehrschluss provozieren die drei Grundmotive auch Ängste und Befürchtungen: Wird man zurückgewiesen und ausgeschlossen, fühlt man sich unbeliebt und allein, aus Zugehörigkeit wird Wertlosigkeit. Ohne Einfluss auf die Entscheidungen um sich herum fühlt man sich unbedeutend und missachtet, es entsteht ein Gefühl von Ohnmacht. Und werden die Leistungen nicht anerkannt und gewürdigt, so fühlt man sich schnell unfähig, nutzlos oder schwach, kurz wie ein Versager.

Weiterführende Literatur:

Zahlreiche Anregungen und praktische Umsetzungshilfen finden Sie in dem Buch: Elke Mauritius: Positive Verstärker für den Schulalltag. Praktische Materialien zur Verbesserung des Arbeits- und Sozialverhaltens. Hamburg 2013

Ben Furman: Ich schaffs! Spielerisch und praktisch Lösungen mit Kindern finden – Das 15-Schritte-Programm für Eltern, Erzieher und Therapeuten. Heidelberg 2013

Roland Stein: Grundwissen Verhaltensstörung. Hohengehren 2011

Georg Theunissen: Positive Verhaltensunterstützung. Marburg 2011

Zieltransparenz motiviert stark

Alle diese Facetten wirken mit einem besonders starken Einfluss auf das Verhalten – positiv wie negativ. Als Lehrer sollten wir also die grundlegenden Motivationsaspekte beachten, um bestimmte verhaltensmäßige Auffälligkeiten besser verstehen zu können.

In der Schule zeigt sich Motivation dann, wenn Anforderungen gestellt werden. Wie Schüler mit diesen umgehen, ist je nach innerer Einstellung sehr unterschiedlich. Für alle ist jedoch wichtig zu wissen, mit welchem Ziel die gestellte Aufgabe verbunden ist und dass die Anforderungen erfüllbar sind. Die sogenannte Zieltransparenz stellt insofern auch ein Kriterium für die Einschätzung guten Unterrichts dar. Denn gehen Schüler mit Hoffnung auf Erfolg an eine Aufgabe heran, so ist deren intrinsische Motivation größer als bei Schülern, die der Aufgabe mit Furcht vor dem Scheitern begegnen. Dieses Scheitern bzw. die Furcht davor führt zu mangelnder Motivation. Wird dann ein bestimmtes misserfolgsorientiertes Verhalten auch noch mit Mahnen und Tadeln (ergo Aufmerksamkeit) durch den Lehrer verstärkt, so kreiert sich in kurzer Zeit ein Teufelskreis.

Positive Verstärkung erwünschten Verhaltens

„Catch him being good“ — ein wichtiges Instrument zur Motivation stellt die sogenannte positive Verstärkung dar. Das bedeutet, dass das erwünschte Verhalten mit positiver Rückmeldung verbunden wird, sobald es auftritt. Wir konzentrieren uns als Lehrer also auf die „guten“, erwünschten Momente und lassen uns von den unerwünschten nicht so leicht ablenken. Wir instrumentalisieren diese positive Verstärkung durch Motivationshilfen, die für die Schüler nachvollziehbar und kurzfristig erreichbar sind. Dadurch erhalten sie in kürzeren Abständen mehr Selbstbewusstsein durch die positive Verstärkung. Es sollte uns als Lehrern aber bewusst sein, dass ein zielführendes Verstärkersystem nur dann effizient funktioniert, wenn wir äußerst konsequent handeln und alle an einem Strang ziehen. Daher empfiehlt sich eine sehr gute Absprache im Team, mit den Eltern und mit den Schülern selbst.

Verstärkerplan bietet verlässliche Orientierung

Mit einem systematischen und transparenten Vorgehen, sprich Verstärkerplan,  wissen alle Beteiligten, dass ein festgelegtes Verhalten zu einer ebenso festgelegten, vorhersagbaren Folge führt. Dies bietet den Schülern Orientierung, Vorhersagbarkeit und Sicherheit. Das festgelegte Vorgehen sollte erfolgsorientiert sein und das erwünschte Verhalten verstärken. Hierbei soll die Belohnung für den Schüler attraktiv sein.

Verstärkerpläne arbeiten dynamisch, d .h. sie sind nach einer Verhaltensänderung anzupassen. Sie funktionieren kleinschrittig und mit häufiger Verstärkung, denn langfristige Rückmeldung ist für viele Schüler nicht zu überblicken, die Konsequenz bleibt unmittelbar aus.

Zwei Beispiele für Verstärkersysteme:

  • Smiley-Systeme: Hierbei werden für den Schüler Smileys in bestimmter Anzahl visualisiert, z. B. ein lachendes Gesicht. In einem definierten Zeitraum oder nach bestimmten Aufgaben werden die entsprechenden Smileys vom Lehrer verteilt, manchmal auch im Sinne der Selbstreflexion von den Schülern selbst verteilt. Ist  die Anzahl zuvor ausgemachter positiver Smileys erreicht, erhält der Schüler eine Belohnung.
  • Ampel-Systeme: Hierbei werden die vergebenen Symbole wertend visualisiert, z. B. ein lachendes Gesicht/ein neutrales Gesicht/ein trauriges Gesicht. Die Lehrkraft hat die Möglichkeit, das entsprechende Verhalten wertend zurückzumelden. Für eine bestimmte Anzahl positiver Symbole erhält der Schüler ebenfalls eine Belohnung.

Claudia Omonsky

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