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Sozialkompetenz stärken

So fördern sie die Klassengemeinschaft und ein gutes Lernklima

Stimmt das soziale Miteinander in der Klasse, stimmt auch das Lernklima. Deshalb sollte man von Anfang an die Sozialkompetenz der Grundschüler fördern und stärken.

Sozialkompetenz stärken: So fördern sie die Klassengemeinschaft und ein gutes Lernklima Wenn Schüler sich gegenseitig zu ihren Leistungen beglückwünschen, stimmt das Lernklima © Robert Kneschke - Fotolia.com

„Wie schaffe ich es, dass meine Schüler zu einer harmonischen Klassengemeinschaft zusammen wachsen?“ Diese Frage stellt sich mancher Klassenlehrer. In jeder Klasse treffen die Charaktereigenschaften verschiedener Kinder aufeinander. Für ein harmonisches, freundliches Miteinander ist es daher wichtig, dass sich die Schüler mit ihren Stärken und Schwächen kennenlernen und ihre Sozialkompetenz in verschiedenen Bereichen des Schulalltags stärken.

Eine Klasse werden

Das gegenseitige Kennenlernen schafft Vertrauen, daher ist es wichtig, dass die Schüler sich zum Aufbau einer Klassengemeinschaft zu Schulbeginn vorstellen. Plakate oder Steckbriefe, in denen die Schüler ihre Vorlieben (beispielsweise zu Lieblingstieren, -fächern, -farben, Freunden, Hobbies, Familie) beschreiben, sind dazu sehr geeignet.

Der regelmäßige Erzählkreis nach dem Wochenende oder zu von den Schülern gewünschten Themen bietet darüber hinaus die Möglichkeit für persönliche Berichte. Oft werden hier gleiche Vorlieben oder Hobbys zum gemeinsamen Gesprächsthema.

Regeln, Rituale und freundlicher Umgang

Wo Schüler gemeinsam lernen, benötigt man Regeln und Rituale. Neben den „Basics“ wie zuhören, sich melden, leise arbeiten und der Stopp-Regel zur Wahrung der eigenen Grenzen, aber auch der Beachtung der Grenzen anderer, geben Rituale Sicherheit. Klingelzeichen, um verschiedene Stundenphasen zu verdeutlichen, Fächerplakate, um den Tagesablauf zu kennzeichnen und Garderobenschilder für eine Ordnung im Eingangsbereich sind hier zweckmäßig.

Trotz einer gemeinsamen Absprache von Regeln und Ritualen gibt es Schüler, die sich nicht daran halten. Hier sollte auch eine Regelung getroffen werden, die Konsequenzen für Fehlverhalten benennt und mit den Schülern vereinbart wird.

Um speziell den freundlichen Umgang miteinander einzuüben, empfehlen sich sogenannte Höflichkeitstage. An jedem Tag wird eine andere Floskel wie „Bitte“, „Danke“, „Hallo“ und „Entschuldigung“ eingeübt. Zudem kann das Spiel „Gute Taten“ die Schüler auf ein hilfsbereites Verhalten aufmerksam machen: Hierbei werden Karten mit Aufforderungen wie „Stelle heute den Stuhl deines Partners hoch“ oder „Spiele heute in der Pause mit deinem Partner“ gezogen und eine entsprechende Karte mit dem Namen eines Mitschülers. Bis zum Schulende soll diese gute Tat für das Partnerkind eingelöst werden. In der Reflexion dazu äußern die meisten Schüler, dass es eine Freude war, einem Mitschüler etwas Gutes zu tun.

Gefühle anderer analysieren

Da manche Schüler Probleme haben, die Gefühle anderer zu verstehen und sich in andere Menschen hineinzuversetzen, sollte dies ebenfalls speziell im Unterricht geübt werden. Hierzu können Karten mit Gesichtern, die verschiedene Gefühlsausdrücke wie traurig, fröhlich, ängstlich etc. widerspiegeln, von den Schülern gedeutet und auch pantomimisch nachgespielt werden.

Im Rollenspiel können im Anschluss Szenen vorgespielt werden, in denen es zu einem Konflikt kommt. Das Publikum soll die Schüler beobachten und anhand von Mimik, Gestik und Worten der spielenden Schüler überlegen, wann der Konflikt beginnt und woran man es bei den Schauspielern ablesen kann.

Eine Sammlung dieser Eindrücke und der Anzeichen von Angst, Überforderung und Missstimmung der Klassenkameraden soll auch in realen Konfliktsituationen helfen, die Körpersprache richtig zu deuten.

Streit friedlich klären

Um auf Konfliktfälle gut vorbereitet zu sein und angemessene, friedliche Streitlösungen zu kennen, eignen sich — wie bereits beschrieben — Rollenspiele. Im Unterricht werden sowohl Lösungen genannt, vorgespielt und ausprobiert, ebenso wie Beruhigungs- und Entspannungsmethoden eingeübt werden.

Wählen Schüler bei der Beschreibung ihrer Konflikte beispielsweise „Ich-Sätze“ anstelle von Pauschalisierungen, um ihre Gefühle zu beschreiben, führt das bereits zur Eskalation. Auch das ist sehr gut im Rollenspiel einzusetzen: Anstelle von „Immer lässt du mich nicht mitspielen!“, kommt ein „Ich fühle mich ausgeschlossen und allein, wenn du mich nicht mitspielen lässt“ beim Spielpartner besser an. Dies können auch schon Erstklässler im Rollenspiel merken und verinnerlichen, ebenso wie die Tatsache, dass auch mit Worten Gewalt ausgeübt werden kann und das ist ebenso zu unterlassen.

Selbstbewusstsein stärken

Zur sozialen Kompetenz gehört auch, sich Gruppendruck widersetzen zu können und nicht Opfer von Gewalt und Mobbing zu werden. Ein Selbstbewusstseinstraining beginnt daher mit einer ausdrucksstarken Körpersprache. Beim Stopp- oder Nein-Sagen kann dies eindrucksvoll mit einem breitbeinigen, aufrechten Stand, standhaften Blick in die Augen des Gegenübers und einer lauten, deutlichen Stimme geübt werden.

Um den Schülern ihre Stärken vor Augen zu führen, eignet sich die „tolle Pinnwand“ für jeden Schüler der Klasse, die ebenso  durch die gegenseitige Wertschätzung die Klassengemeinschaft stärkt. Hier ergänzen die Schüler den Satz „Ich finde toll, dass du …“ für jeden Mitschüler der Klasse, sodass jeder zwischendurch oder am Ende des Schuljahres  seine Pinnwand mit den ihm positiv zugeschriebenen Eigenschaften oder Fähigkeiten mit nach Hause trägt.

Einsatz für andere 

Soziale Dienste für andere und die Gemeinschaft kann in der Grundschule bereits durch Klassendienste wie Tafel putzen, Arbeitsblätter austeilen, Blumen gießen, aber auch einen Mülldienst oder einen Spieleausgabe-Dienst in der Pause geübt werden.

Beim Arbeiten an einem Unterrichtsthema hat sich ein Helfer- oder Expertensystem bewährt: Schüler, die schnell fertig sind oder sich in besonderen Bereichen besonders gut auskennen, helfen anderen. Hier ist vorher zu besprechen, dass helfen nicht vorsagen ist und nur Tipps erlaubt sind. Die Kindererklärung ist für manche Schüler oft hilfreicher als die Lehrererklärung, da die Schüler es in ihren Worten nacherklären und auch besser verstehen können.  

Kooperation und Teamwork

Wie bereits erwähnt, gibt es viele Bereiche, in denen bewusst oder ganz nebenbei Sozialkompetenz in der Schule gestärkt und eingeübt werden kann. Nicht zuletzt bei den angewandten Lernmethoden. Kooperative Lernformen tragen erheblich zur Kooperation und zu gemeinsamen Absprachen, zur Arbeiten und zum Lernen bei. Durch das Zufallsprinzip können hier Lernpartner per Los zusammenfinden, die sich nicht als Lernpartner auswählen würden, aber vielleicht doch effektiv und produktiv gemeinsam lernen können. Dieser Möglichkeit von Kooperationen und gemeinsamem Tun sollte neben Übungen zur Sozialkompetenz viel Platz im Unterricht eingeräumt werden. Ein gutes Lernklima ist der Lohn für all die Mühe.

Marion Keil

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