Fach/Thema/Bereich wählen
Werteerziehung

Verantwortung übernehmen macht Spaß

Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, das will gelernt werden. Mit kleinen Unterrichtsprojekten erfahren Grundschüler/-innen, was es bedeutet, sich verantwortlich für etwas zu fühlen und dafür auch aktiv zu werden.

Werteerziehung: Verantwortung übernehmen macht Spaß Beim Müllsammeln lernen die Kinder schon früh, sich für die Natur auch selbst verantwortlich zu fühlen © Africa Studio - stock.adobe.com

Knietzsche, der kleinste Philosoph der Welt, erklärt kleinen und großen Menschen die Welt in unterhaltsamen Animationsfilmen. Sie dauern jeweils nur wenige Minuten und widmen sich abstrakten Themen wie Tod, Glück, Toleranz – oder eben auch Verantwortung, und das klingt dann so: „Alle müssen etwas zur Gemeinschaft beitragen“, auch Kinder und Jugendliche:  Wer ein Haustier will, muss auch die „Stinkbomben“ entsorgen, und wer mehr Taschengeld möchte, muss dafür im Haushalt mithelfen. – Knietzsche knüpft mit seinen Beispielen an die Lebenswelt der Schüler/-innen an und vermittelt auch, warum Verantwortung so wichtig ist: „Schließlich kriegt jeder irgendwann einen Tritt aus dem Nest und muss da draußen im Leben alleine klarkommen“. Das „ist eine Lebensregel, gegen die man nichts machen kann“ (ebd.). 

Und wenngleich in Bildern und Texten immer wieder anklingt, dass es gar nicht so leicht fällt, aus der Komfortzone zu kommen und Verantwortung zu übernehmen, macht Knietzsche den Kindern auch Mut: „Du hast vor allem die Verantwortung, ein super glückliches Leben zu führen und den anderen ihres nicht zu versauen.“ – Der Knietzsche-Film ist Teil des Einstiegs in die Unterrichtseinheit zum Thema „Verantwortung und Engagement“, die Ihnen der folgende Beitrag vorstellt. Und weil über Verantwortung reden nur der erste Schritt ist, finden Sie hier auch noch weitere Anregungen für die praktische Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern – und mit den Eltern.

Begriffsklärung zum Einstieg

Wenngleich Knietzsche den abstrakten Begriff „Verantwortung“ kindgerecht erklärt, empfiehlt es sich doch, nicht direkt mit dem sehr dichten und deshalb für die Schüler/-innen anspruchsvollen Film einzusteigen, sondern zunächst das Vorwissen der Kinder auszuloten. Genau das tun auch die Autorinnen der Unterrichtseinheit „Verantwortung und Engagement“ auf der Website von Planet Schule: Zunächst vervollständigen die Kinder – jedes für sich – den Satz: „Wenn ich für etwas verantwortlich bin, bedeutet das ...” Anschließend besprechen Schüler/-innen und Lehrkraft die Ergebnisse in einem Unterrichtsgespräch. – Alle Kinder sollten nun verstanden haben, was „Verantwortung“ heißt und können dem Knietzsche-Film folgen. 

Impulse für Filmbeobachtung und Filmgespräch

„Spontane Diskussionen und Fragen“ klären – das steht in dem „Unterrichtsgespräch“ nach der „Filmbeobachtung“ auf dem Plan. Doch ist es ratsam, nach einem ersten kompletten Durchlauf des etwas über dreiminütigen Films kurz abzufragen, was bei den Kindern hängen geblieben ist, und was sie noch nicht so ganz verstanden haben. 

Anschließend sehen die Kinder den Film ein zweites Mal, diesmal mit Unterbrechungen. Knietzsche steigt ein mit der „Verantwortung der ganzen Welt“, die auf „alle Menschen verteilt werden muss“, „damit wir im Gleichgewicht bleiben“. – Eine für Kinder sehr abstrakte Erklärung, die im Filmgespräch anhand konkreter Beispiele geklärt sein will. Auch die humorvolle Komponente in Knietzsches Bild vom „Verantwortungstrainingslager“, in dem die Kinder mit Belohnungen und sportlichem Drill darauf konditioniert werden, Verantwortung zu übernehmen, erschließt sich vermutlich nicht allen Schülerinnen und Schülern der Klasse auf Anhieb. Hier sollte das Unterrichtsgespräch die Verbindung zu den konkreten Beispielen im Film unterstreichen. 

Redebedarf besteht eventuell auch bei Knietzsches Vergleich von „Verantwortung übernehmen“ und „Aus-dem-Nest-gekickt-Werden“, um möglichen Ängsten der Kinder vorzubeugen. – An dieser Stelle könnte man noch einen ganz anderen Aspekt betonen: Verantwortung lernen ist nicht nur unangenehm, weil man z. B. Aufgaben im Haushalt übernehmen muss, es bedeutet vor allem auch, „groß“ und „erwachsen“ zu werden, und das erfüllt die meisten Kinder mit Stolz. Zudem ist die Übernahme von Verantwortung auf der anderen Seite meist mit mehr Freiheiten verbunden – auch das könnte in diesem Kontext thematisiert werden. Ein Beispiel dafür taucht auch im Knietzsche-Flm auf: Wer auf die kleine Schwester aufpasst, darf länger aufbleiben, und das ohne Reglementierungen durch die Eltern. 

Verantwortung übernehmen mit Placemat und Gruppenarbeit

Für Klassen, die bereits mit kooperativen Lernformen vertraut sind, bieten die beiden Autorinnen Angela Schugg und Anne Haage eine komplexere Einstiegsmöglichkeit mit Gruppenarbeit und Placemat an. Dabei klären die Kinder „in Dreier- oder Vierergruppen“ die Frage „Wofür kann ich verantwortlich sein?“ und notieren ihre Antworten mit farbigem Filzstift auf einem Plakat. – Das Gute bei der Placemat-Methode: „Jedes Kind füllt in Einzelarbeit das eigene Viertel aus“ – gelebte Verantwortung also, denn bei dieser Aufgabe sind alle Gruppenmitglieder gleichermaßen involviert und gefordert. Danach drehen die Schüler/-innen das Blatt zwei- bzw. dreimal im Uhrzeigersinn und betrachten die Ideen ihrer Mitschüler/-innen. Sie tauschen sich darüber aus und suchen Gemeinsamkeiten, die dann in dem Oval in der Mitte (vgl. S. 2 des oben verlinkten Arbeitsblattes) gesammelt werden. Zuletzt hängen die Kinder „ihr“ Plakat gut sichtbar für alle anderen in der Klasse auf.

Verantwortungsbereiche: drei verschiedene Unterrichtsmodule

Kinder können im Wesentlichen in drei Bereichen Verantwortung übernehmen:

  1. in der Schule, 
  2. für die Welt und für die Umwelt und
  3. in der Familie.

Jedem dieser Verantwortungsbereiche ist ein vertiefender Lernschritt zugeordnet, bei dem die Schüler/-innen darüber reflektieren, wie sie sich verantwortungsvoll engagieren könnten. Methodisch erfolgt dies in Einzel- oder Gruppenarbeit, wobei die Ergebnisse in einem der vielen direkt übernehmbaren Arbeitsblätter festgehalten und hinterher im Plenum besprochen werden. – Das ist wahrscheinlich eine eher trockene Angelegenheit, die Sie deshalb am besten mit handlungsorientierten Aufgaben bzw. Projekten verknüpfen: Im Idealfall erleben die Kinder dabei, dass es nicht nur Sinn, sondern auch Spaß macht, Verantwortung zu übernehmen. 

Engagement für ein gutes Lern- und Schulklima

So können die Kinder zum Beispiel viele organisatorische und zwischenmenschliche Probleme eigenverantwortlich lösen. Je selbstständiger sie dabei entscheiden dürfen, desto engagierter sind sie bei der Sache. Im Klassenrat etwa bestimmen die Schüler/-innen mit, welche Themen diskutiert werden. Gemeinsam suchen sie einvernehmliche Lösungen und folgen dabei einem ganz bestimmten Prozedere, das allen bekannt ist und auf das sich alle verständigt haben. 

Die Kinder übernehmen dabei viele Aufgaben, die normalerweise Sache der Erwachsenen sind: Ein „Regelwächter“ sorgt für einen störungsfreien Ablauf, der „Vorsitzende“ führt die Klasse durch die Sitzung, der „Zeitwächter“ behält die Uhr im Auge und der „Protokollant“ dokumentiert Anliegen und Beschlüsse. Ganz nebenbei lernen die Kinder, sich demokratisch und wertschätzend auseinanderzusetzen und zusammenzuraufen. Und das bereits in der 4. Klasse, wie der unten verlinkte Beitrag von Marion Keil zeigt.

Auch beim Lösen von Konflikten können Schüler partizipieren. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Kindern die dafür erforderlichen Kompetenzen zu vermitteln: etwa eine Streitschlichterausbildung für Dritt- und Viertklässler durch externe Dienstleister oder auch ein Sozialtraining, bei dem die Schüler/-innen bei Konflikten im Klassenverband zu einem Konsens gelangen. Wie das geht, sehen Sie im unten verlinkten Artikel „Sozialtraining mit Klassenschiff, OMA-Regel und Friedenstreppe“.

Verantwortung für Umwelt und Umfeld übernehmen

Auf dem Schulgelände und in der näheren Umgebung gibt es zahllose Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen: Klassenraum und Pausenhof sauber halten, die Arbeit im Schulgarten oder die Pflege von Kräutern auf der Fensterbank u.v.m. Auch hierbei können die Schüler/-innen stärker partizipieren, indem sie diese schulalltäglichen Dienste eigenverantwortlich untereinander verteilen und über deren zuverlässige Ausführung wachen. 

Ein weiteres unerschöpfliches Feld für verantwortungsbewusstes Handeln bietet die unmittelbare Umgebung der Schule: Bei einem Basar oder bei einem Spendenlauf Gelder für ein karitatives Projekt im Stadtviertel oder in der Gemeinde sammeln, im benachbarten Seniorenheim ein Kaffeekränzchen oder einen Sing-Nachmittag organisieren oder kleinere Schüler/-innen auf dem Weg zur Schule begleiten …

„Bildung für nachhaltige Entwicklung“ hat mittlerweile einen festen Platz in vielen Grundschulen: Als Lebensmittelretter verhindern die Kinder, dass Essbares im Müll landet, als Energiedetektive suchen sie nach Möglichkeiten, Strom oder Heizwärme zu sparen, und in der SOKO-Wald „gehen SchülerInnen der 3. bis 7. Klassen auf die Suche nach den Spuren des Waldes in ihrem Lebensalltag“ und lernen, wie sie ihren Lebensstil „im Sinne der Nachhaltigkeit verändern können“. – Lauter spannende Projekte, bei denen sich die Kinder für die Umwelt engagieren und mit Kopf, Herz und Hand lernen. Und das ist keine lästige Pflicht, sondern macht richtig viel Freude.

Mit den Eltern an einem Strang ziehen

Werteerziehung ist sowohl Sache der Schule als auch des Elternhauses. Und gerade beim Thema „Verantwortung“ spielt die Familie eine wichtige Rolle. Zugleich besteht in vielen Familien Beratungsbedarf: Denn Eltern tun sich aus verschiedenen Gründen manchmal schwer, ihren Kindern Verantwortung zu übertragen: Manche sind unsicher, was sie ihrem Sohn oder ihrer Tochter schon zutrauen können. Andere sorgen sich übermäßig um ihr Kind. Und wieder anderen fehlt die Kraft, die Zeit, die Geduld oder die Konsequenz, sich bei ihren Kindern durchzusetzen, zum Beispiel bei bestimmten Diensten im Haushalt. 

Hier bietet sich ein Klassen-Elternabend an, bei dem Eltern und Lehrkraft offene Fragen klären. Sie als Lehrkraft informieren die Eltern über die geplanten Aktivitäten in puncto Verantwortung und Engagement. Parallel dazu haben die Eltern Gelegenheit, sich gegenseitig auszutauschen: Wie läuft es in anderen Familien? Was können Kinder in welchem Alter? Wie lässt sich die Mitverantwortung in der Familie fördern? Wie motivieren andere Eltern ihre Kinder zum Helfen daheim? Zu diesen und vergleichbaren Fragen bietet die Website conTAKT-kind.ch Materialien für einen kleinen Workshop mit den Eltern

Eine wichtige Erkenntnis aus einem Elternworkshop „Verantwortung“ ist womöglich für manche Mütter oder Väter eine „bittere Pille“: Die Kinder Verantwortung lehren bedeutet immer auch loslassen und den Kindern Freiräume einzuräumen und mit möglichen Gefahren, Pannen oder Fehlern leben. Konstruktiv damit umzugehen, das ist mal leichter und mal weniger leicht für die Eltern. Doch auch, wenn einmal etwas schiefgeht – die Kinder lernen daraus. Vor allem, wenn sie spüren: „Meine Eltern stehen hinter mir, egal, was passiert.“

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber

Mehr zu Ratgeber Arbeits- und Sozialverhalten
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×