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Phasenwechsel

Aufmerksamkeit der Kinder für Mitarbeit gewinnen

Abwechslungsreicher Unterricht besteht aus vielen Phasenwechseln. Im Erzählkreis, beim Erteilen von Arbeitsaufträgen und bei Unterrichtsgesprächen und -erklärungen müssen die Kinder immer wieder zur Aufmerksamkeit motiviert werden. Dies erfordert ein Repertoire an Ideen.

Phasenwechsel: Aufmerksamkeit der Kinder für Mitarbeit gewinnen Wenn eine Puppe statt des Lehrers zu den Kindern spricht, hören sie viel besser zu © ehrenberg-bilder - Fotolia.com

„Wie schaffe ich es, die Kinder zum Zuhören zu motivieren und dies mehrmals pro Unterrichtsstunde?“, fragt die Referendarin ihre Mentorin. Selbst langjährige Lehrerinnen probieren hier immer wieder neue Rituale und Übungen aus, je nach Temperament der Klasse.

Zuhören gehört zu den Basisfähigkeiten der Kinder, um Erklärungen, Erzählungen und Präsentationen im Unterricht folgen zu können. Daher ist das Einüben von Ruhe für diese Aktivitäten zwingend nötig. Viele Kinder bringen die Fähigkeit, anderen zuzuhören, andere ausreden zu lassen oder ihre Konzentration auf das Unterrichtsgeschehen zu lenken, nicht mehr von zu Hause mit. Hier ist vom Lehrer viel Geduld, Energie, Ausdauer und Durchsetzungswillen gefragt, denn der Unterricht ist von vielen Phasenwechseln geprägt:Erzählen im Morgenkreis, Erklärungen im Kreis, Kleingruppe oder an der Tafel, Unterrichtsgespräch, Besprechen der letzten Hausaufgaben, Vorbesprechen der nächsten Hausaufgaben, Präsentationen von Lehrerin oder Kindern, Vorlesen, Kopfrechnen, Feedback zur Stunde/Woche, Klassenrat etc.. All dies erfordert die gleichzeitige Aufmerksamkeit aller Kinder der Klasse. Ist dies nicht gegeben, so müssen permanent Ermahnungen zur Ruhe erfolgen und der Unterricht wird gestört. Daher sollen hier einige kreative und nützliche Ideen zur Sammlung von Kindern für gemeinsame Gesprächsphasen aufgezeigt werden.

Mit Sprache und Stimme Aufmerksamkeit einfangen

Sehr wirkungsvoll ist der Satz: „Wer hört zuerst die Stille?“ Die Kinder werden zum Leise-sein animiert. Ebenso werden die Kinder zum Mitmachen angeregt durch Aufforderungen wie „Wer schaut mich zuerst an?“ oder „Wer macht mit“ gemeinsam mit der Demonstration eines Handzeichens zum Leise-sein.

Fragesätze wie „Wer macht mit?“ oder sogar „Wer macht zuerst mit?“ fordern die Kinder zu einer Art Wettbewerb auf, auf den sie sich gern einlassen. Das Nennen der Kindernamen, die den Auftrag schon befolgen, verstärkt das Leise-werden, denn andere Kinder folgen dem Beispiel, um ihren Namen auch in lobendem Tonfall der Lehrerin zu hören. Das Nennen der Namen von Kindern, die sich noch anschließen müssen, funktioniert ebenfalls, doch ist die Methode des Nennens der Vorbildkinder empfehlenswerter, da dies positiv besetzt ist.  

Wirkungsvoll ist ebenfalls, wenn der Lehrer mit seiner Stimme spielt. Spricht er beispielsweise plötzlich wie ein Roboter oder macht sich durch eine Handpuppe mit deren Stimme sprechend „abwesend“, so ist das Interesse der Kinder ebenfalls geweckt. Wird die Stimme beim Sprechen leiser, werden auch die Kinderstimmen leiser, damit sie der Lehrerstimme folgen können. Gibt es immer noch Kinder, die dies nicht beeindruckt, so kann der Lehrer im Klassenraum herumgehen und Kindern zuflüstern, stumm zu sein. Lautes Zählen mit der Notation der Zahl, bei der alle Kinder leise waren, ist ebenfalls wirkungsvoll. Die Zahl kann jedes Mal neu als Rekord der Klasse unterboten werden.

Leise werden mit Musik

In sehr temperamentvollen Klassen wirkt das Medium Musik oft Wunder: Schaltet man für die Kinder ansprechende Musik (evtl. von zu Hause mitgebrachte CDs der Kinder) ein, werden sie aufmerksam. Dreht man die Musik leiser mit der Aufforderung: „Eure Stimme ist so laut wie die Musik“, so folgen die Kinder der Lautstärke der Musik und werden ebenso immer leiser, bis die Musik und die Stimmen ganz verstummen.

Auch auf rhythmisches Klatschen auf die Oberschenkel mit langsamer und leiser werdenden Bewegungen reagieren Kinder meist instinktiv mit synchronen Bewegungen zum Lehrer. Als weitere empfehlenswerte Übung bietet sich das bewusste Trainieren von Aktion und Stille mit „lauten“ Klassen an. Hierbei dürfen sich die Kinder mit oder ohne Musik im Raum bewegen (oder an ihrem Platz mit ihrem Stuhl als „Stuhltanz“). Nach einem vorher vereinbarten rhythmischen Zählen (beispielsweise bis 8) müssen alle Kinder „eingefroren“ oder „verzaubert“ sein. Das bedeutet, sie sind bewegungslos und auch ohne Stimme. Meist schafft es die Klasse nach mehreren Versuchen, dass alle Kinder bei „8“ eingefroren sind.

Motivierend zum konzentrierten Mitmachen ist auch ein kleiner Wettbewerb, in dem das Kind ausscheidet, das als Letztes bewegungslos ist. Denn alle wollen ja nicht die Letzten sein. War diese Übung erfolgreich, so kann sie auch im Unterricht eingesetzt werden, indem der Lehrer die Kinder für kurze Erklärungen zwischendurch durch Zählen bis 8 „einfriert“.

Hat die Klasse ein Lieblingslied kann dies ebenfalls zur Auflockerung gesungen werden. Während des Liedes zeigt der Lehrer den Kindern an, immer leiser zu werden, bis Ruhe einkehrt.

Pantomime weckt das Interesse

Interessiert sind die Kinder oft, wenn der Lehrer an der Tafel stumm eine Figur oder einen Text entstehen lässt. Dies kann ein Bild zum folgenden Unterrichtsgeschehen oder die Notation der folgenden Unterrichtsinhalte sein. Sehr schnell werden die Kinder zur Tafel schauen, andere ebenfalls auf das „Kunstwerk“ aufmerksam machen und leise werden.

Auch die Notation von „Sternen“ für leise Tischgruppen wirkt für andere Kinder oft als Vorbild zum Leise-sein, um ebenfalls die Sternbelohnung zu bekommen. Bei zehn Sternen für die Tischgruppe kann eine Belohnung, beispielsweise in Form von Stickern, einer Spielzeit für die Klasse oder der Reduzierung der Hausaufgabenmenge, verabredet werden. Dies wirkt sehr motivierend für die Kinder.

Auch die langsame Enthüllung eines Gegenstandes oder das stumme Herumgehen und Händeschütteln mit der Handpuppe regt zumeist jüngere Kinder an, leise zu sein. Für aktivere Kinder bieten sich zunächst pantomimische schnelle Bewegungen an: Luftboxen, stummes Ausschütteln des Körpers, dann einzelner Körperteile bis zur völligen Entspannung.

Aufmerksamkeit halten

Hat man erreicht, dass alle Kinder dem Geschehen aufmerksam folgen, so soll diese konzentrierte Stille auch aufrechterhalten werden. Das Unterrichtsgeschehen sollte durch den Lehrer kurzweilig gestaltet werden. Schon im Vorfeld sollte er sich Gedanken machen wie Unterrichtsgespräche mit aussagekräftigen Worten geführt werden können. Eventuell ist hier die Notation von Fragen an die Schüler oder Erklärungssätzen im Vorfeld hilfreich.

Die Aufmerksamkeit der Kinder zurückgewinnen kann man in der Regel immer durch kleine Anekdoten aus dem Schulalltag zum Thema oder kurze Berichte der Kinder zu einem Thema aus ihrem Erfahrungsbereich. Ebenfalls sollte der Lehrer bei der Unterrichtsplanung bedenken, wie lang die Aufmerksamkeitsspanne der Schüler in welcher Jahrgangsstufe bzw. Klasse ist und den Unterricht mit entsprechend vielen Phasenwechseln versehen.

Bewegung ist für viele Kinder ebenso wichtig wie der Wechsel von Konzentration und Entspannung. Neben Erzählkreis, Einzelarbeit, Partner-, später Gruppenarbeit und Unterrichtsgesprächen und -präsentationen sollte es genügend Möglichkeiten für Pausen, Klassenspiele für zwischendurch, Bewegung, Musik, Entspannung (beispielsweise durch Fantasiereisen, „stille Minute“ etc.) und frische Luft geben, damit die Aufmerksamkeit der Schüler im Anschluss an die Entspannung wieder besser eingefordert werden kann.

Marion Keil

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