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Bewegte Schule

Besser lernen mit Bewegung: Ideen für die Klassen 5 bis 10

Pubertät und Schule — zwei gegensätzliche Pole, die nur schwer zu vereinbaren sind? Bewegung hilft, denn körperliche Aktivitäten verbessern die Lernleistung, kanalisieren überschüssige Energien und machen selbst „coolen“ Jugendlichen Spaß.

Bewegte Schule: Besser lernen mit Bewegung: Ideen für die Klassen 5 bis 10 Bewegung hilft auch älteren Schülern, sich besser auf den Unterricht zu konzentrieren © grafikplusfoto - Fotolia.com

Wie beurteilen Kinder- und Jugendärzte den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in Deutschland? Dazu befragte das Forsa-Institut im Auftrag der „DAK Gesundheit“ im Februar 2013 einhundert Mediziner. Alarmierendes Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Ärzte diagnostizierte, „dass sich der allgemeine Gesundheitszustand (…) in den vergangenen zehn Jahren verschlechtert hat“. Vor allem Bewegungsmangel sorge für motorische Defizite und Gewichtsprobleme, die sich in der Altersgruppe der 6- bis 8-Jährigen am häufigsten zeigten. (Online-Pressemitteilung der DAK) Insgesamt bemängelten 98 Prozent der befragten Ärzte „eine zu intensive Mediennutzung“, „eine ungesunde Ernährung (92 %)“ und die „fehlende positive Vorbildfunktion der Eltern (89 %)“. — Offenbar kommen also Bewegung und eine gesunde Lebensweise in der Freizeit vieler Kinder und Jugendlicher zu kurz. Um so wichtiger ist es, dass die Schule hier gegensteuert: durch mehr qualifizierten Sportunterricht, durch bewegungsfreundliche Strukturen (Außenanlagen, Rhythmisierung) und vor allem auch — denn hier verbringen die Schüler den Großteil ihres Schultages — durch die Integration von Bewegung in den Unterricht. 

Drei Minuten „zwischendurch“ oder individuelle Bewegungszeit

Wenn die Konzentration nachlässt und sich Müdigkeitserscheinungen zeigen, bewirken oft schon einige wenige Auflockerungsminuten — am besten bei geöffnetem Fenster — wahre Wunder: ein paar gymnastisches Übungen, Bewegungsspiele, Rhythmusübungen, eine kurze Scharade oder einfach freies Bewegen zu Musik und die Schüler sind wieder wach und bei der Sache.

Hilfreich für die Schüler sind auch „individuelle Bewegungszeiten“, in denen die Schüler ihrem ureigenen Bewegungsbedürfnis nachgeben dürfen. Vorher vereinbarte Regeln sorgen dafür, dass die Klasse nicht außer Rand und Band gerät.

„Bewegende Ideen“ für alle Fächer — auch für Mathe und Geschichte

Wer online nach Materialien für den bewegten Unterricht in der Sekundarstufe sucht, wird schnell feststellen: Sie sind — im Vergleich zur Grundschule — dünn gesäht. Uta Lindemann, Dozentin an der Universität Bielefeld, hat einige Ansätze und Konzepte für den Fachunterricht zusammengetragen: zum Beispiel „Total Physical Response“, eine besondere Art des Sprachenlernens, die fremdsprachige Formulierungen mit passenden Bewegungen verknüpft. Dabei werden einzelne Wörter oder auch komplexe Handlungsabläufe mimisch, gestisch oder szenisch dargestellt. Eine solche „Vermischung von Sprache, Spiel und Handlung sorgt in den meisten Fällen für einen Abbau von Sprachhemmungen“, so Lindemann. (ebd., S. 3)

Weiterführende Hinweise:

Die DSB-Sprint-Studie „Sportunterricht in Deutschland“ steht hier zum Download.

Dynamisches Sitzen bedeutet, die Sitzpositionen häufig zu wechseln und dabei für Entlastung zu sorgen. Sitzbälle helfen dabei, aber auch Anleitungen und Übungen zum ergonomischen und variantenreichen Sitzen.

Einfache Dehnungsübungen beanspruchen kaum Platz und nur wenige Minuten. Hierfür eignet sich zum Beispiel das „Mobilisationsprogramm für die Klassen 6—9“ (Folie 28)

Vielseitige Übungen und Spiele für kurze Entspannungsphasen im Unterricht finden sich hier.

Karsten Schwanke zeigt in seinem Video „Die Bewegte Schule in Sachsen“ weitere einfache Möglichkeiten für den Unterricht mit älteren Schülern: zum Beispiel Lernen an Stationen mit Bewegungsaufgaben im Fach Physik („Station 6: Hebe die Dinge an und schätze ihr Gewicht. Schreibe auf und ordne: Fange mit dem Leichtesten an.“).

Eine 9. Klasse unternimmt mit dem Lehrer einen pantomimischen Rundgang durch Kapstadt, anschließend fordert ein Rollenspiel die direkte Kommunikation — die Schüler müssen dazu von Bank zu Bank gehen. „Dadurch wird das Gehirn besser durchblutet und mit Botenstoffen und Hormonen versorgt“, erklärt Schwanke, es arbeitet dann effizienter.

Eine systematische Sammlung von fachbezogenen Anregungen für die Klassen 5 bis 10 bietet die Website „Bewegte Schule in Sachsen“. Viele der Bewegungs-Aufgaben eignen sich auch für andere Fächer, zum Beispiel diese aus dem Fach Chemie: „Plätze tauschen (Klassen 8–9)
Auf den Plätzen liegen Aufgabenkarten mit zu berechnenden Gleichungen. Die Lösungen stehen auf der Rückseite. Die Schüler üben das stöchiometrische Rechnen verbunden mit dem Tausch der Plätze.“ Hier können die zu lösenden Aufgaben natürlich ebensogut fremdsprachige Übungen oder Algebraaufgaben sein. In allen Fächern einsetzbar sind auch die „Ideen zum Staunen“, zum Beispiel „Standbilder bauen“ (Ein Schüler stellt als Regisseur ein Thema mithilfe der Körper seiner Mitschüler dar) oder sich selbst zu einem Thema im Raum positionieren.

Die meisten Schüler ziehen einen bewegten Unterricht dem herkömmlichen Stillsitzen vor: Es sei „erfrischender“, mache Spaß und man könne sich besser konzentrieren. Auch wenn es manche Schüler etwas albern finden — die Bewegung sei gerade in späteren Stunden „wie ein Weckruf, der abschlaffende Schüler wieder munter macht“, sagt der Englischlehrer in dem Video „Die Bewegte Schule in Sachsen“ (Link s. o.).

Auch seine Kollegin mit dem Stationen-Parcours macht mit bewegtem Unterricht immer wieder gute Erfahrungen: „Trotz des freien Laufs“ herrsche relative Ruhe und hohe Konzentration in der Klasse. Und das sei immer so — auch wenn kein Filmteam zu Besuch sei.

Martina Niekrawietz

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