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Bewegtes Lernen

Bringen Sie Bewegung in den Unterricht!

Bewegung ist sehr wichtig, um kognitiv bei der Sache zu bleiben. Vielfältige Bewegungsangebote im und um den Unterricht herum sowie verschiedene Arbeitshaltungen beim Lernen ermöglichen konzentriertes, aufmerksames Arbeiten von Körper und Geist.

Bewegtes Lernen: Bringen Sie Bewegung in den Unterricht! Kleine, kurze Bewegungspausen bringen Schwung in die Glieder und die grauen Zellen © Christian Schwier - Fotolia.com

„Kann ich heute mit Max hinten auf dem Teppich arbeiten?“, fragt Leon seine Klassenlehrerin. Wie er möchten viele andere Kinder während der Arbeitsphasen im Unterricht ihre Lernposition wechseln. Nach der Partnerarbeit im Mathematikunterricht sollen die Schüler auf einem Arbeitsblatt ihre Ergebnisse notieren. Dazu werden die verschiedenen Möglichkeiten, sich im Klassenraum zu verteilen, abgesprochen: Leon und Max liegen auf dem Teppich und haben ihr Arbeitsblatt auf Schreibunterlagen vor sich liegen, um ohne Durchdrücken auf den weichen Teppich ihre Arbeitsblätter zu beschriften. Zwischendurch rollen sie unbemerkt hin und her. Lotta und Leonie haben sich für die Sitzbälle am hinteren Arbeitstisch entschieden. Während ihrer Arbeit hüpfen sie ab und zu hoch. Marie und Anne schreiben ihre Aufgaben am Stehtisch, den sie auf ihre Höhe eingestellt haben. Johannes und Thomas haben sich ein Keilkissen für ihren Stuhl geholt.

Hoher Bewegungsdrang bei Grundschulkindern

Was sich chaotisch anhört, funktioniert in Klasse 3 wunderbar: Alle Schüler arbeiten leise, keiner ist vom Rollen, Drehen, Hüpfen oder Wippen der anderen Schüler gestört und die Arbeitsergebnisse sind effektiv. Wissenschaftliche Studien haben dies bestätigt: die kognitive Wissensvermittlung ist effektiver, wenn sie körperlich begleitet wird. Zudem haben die Schüler oft kurze Konzentrationsphasen und einen hohen Bewegungsdrang.

Stillsitzen auf einem Stuhl fordert ihnen viel ab und oft nehmen sie beim Schreiben und Lernen eine verkrampfte Haltung ein. Auch Orthopäden schlagen einen ausgewogenen Bewegungswechsel zwischen verschiedenen Sitzpositionen, Stehen und Liegen vor, um Rückenprobleme zu vermeiden. Da Schüler in der Regel 70 Prozent ihrer Zeit tagsüber sitzen (und in der Schule wird dies oft weiterhin und lange verlangt), ist Bewegungsmangel oft vorprogrammiert. Leben sie in einem Elternhaus, in dem sie nachmittags zudem noch vor Medien „absitzen“, sind Gewichtsprobleme nicht selten.

Bewegung lässt sich in den Unterricht integrieren

Neben den verschiedenen Angeboten an Sitz-, Liege- und Stehmöglichkeiten während des Unterrichts, kann der Unterricht durch viele Phasenwechsel ebenso aktiv gestaltet werden. Möglich ist es hier mal im Sitzkreis, mal am Platz, mal in vereinbarten Lernecken zu verweilen. Die Arbeitsblätter, Kontrollblätter etc. können aus verschiedenen Klassenraumecken geholt werden. Kinder, die mit ihren Aufgaben fertig sind, können sich in die Leseecke zurückziehen oder auf dem Teppich mit Spielmaterial spielen, gern auch herumlaufen und leise anderen Schülern behilflich sein.

Angebote wie Stationen, Schleichdiktat, Partner- und Gruppenarbeit fordern ebenfalls zum Platzwechsel auf. Wenn die Stühle dann auch wahlweise gegen Sitzbälle, Sitzkissen, Teppichfliesen für den Boden, Stehplätze an Schreibpults, ergonomische Sitzmöglichkeiten, große Sitzkissen, höhenverstellbare Schreibtischstühle und Ähnliches eingetauscht werden können, gibt es kaum Verspannungen und trotz der vermeintlich zappeligen Lernumgebung konzentriertes Arbeiten. Ist außerdem besprochen, dass bei Erklärungsphasen im Plenum alle auch mal stillsitzen, so genießen die Schüler die Abwechslung während der eigenen selbstständigen Arbeitsphase am Unterrichtsmaterial.

Bewegungsspiele zwischendurch

Durch drei Sportstunden in der Grundschule findet bereits viel Bewegung statt. Doch auch im Unterricht können Bewegungsspiele eingebaut werden. Beliebt sind hier Spiele im Sitzkreis, die einen Sitzplatzwechsel erfordern.

Zum Beispiel das Spiel „Obstkorb“, bei dem jeder Schüler eine Karte aus einer Sammlung von Karten mit fünf verschiedenen Fruchtsymbolen zieht. Ein Spieler steht im Kreis. Er versucht, beim Platzwechsel ebenfalls einen Sitzplatz zu bekommen. Dafür ruft er den Namen einer der Früchte, wie beispielsweise „Erdbeere“, und alle Schüler mit dieser Karte müssen den Platz tauschen, während er ebenfalls einen Sitzplatz sucht. Hat er einen Sitzplatz bekommen, so muss der Schüler, der nun in der Mitte steht, eine neue Frucht ausrufen oder auch zum Platzwechsel für alle: „Obstkorb!“

Bekannt ist ebenfalls das Spiel „Welle“, bei dem alle Schüler permanent einen Stuhl weiter nach rechts rücken müssen, während ein Schüler in der Mitte versucht, sich dabei ganz schnell einen Sitzplatz zu schnappen.

In großen Klassenräumen kann man ebenfalls Spiele wie „Katz und Maus“ spielen, bei dem die Schüler im Stehkreis die angefassten Hände nach oben und nach unten nehmen müssen, um die Maus zu schützen und die Katz nicht durchzulassen, die die Maus in der Kreismitte fangen möchte.

Einfache, aber wirkungsvolle Ideen für Bewegungsspiele sind: Die Schüler gehen durch den Klassenraum und spielen „besondere Begrüßung“, indem sie sich zunicken, die Hand geben, Rücken an Rücken stehen etc., wenn ihnen ein Mitschüler begegnet. „Stopptanz“ im Klassenraum oder am Platz mit Musik, bei der man bei Musikstopp versteinert stehen bleiben muss oder bei weiterer Bewegung ausscheidet, lieben besonders die jüngeren Kinder.

Ein Spiel mit vielen verschiedenen Bewegungen ist „Mein Name ist Joe“, der in einer Knopffabrik arbeitet und dessen Chef immer eine neue „Arbeit“ (Bewegung) für ihn hat. In jeder Runde kommt beispielsweise zum Kopfnicken noch Händeklatschen, Bein ausschütteln, Po wackeln etc. hinzu. Die Schüler lieben es, wenn auch der Lehrer alle verrückten Bewegungen gleichzeitig mitmacht.

Oft reicht es schon, zwischen den Sitz- und Lernphasen einfach mal aufzustehen, alle Glieder aufzulockern, in die Luft zu springen oder Ähnliches, um wieder fit für das Unterrichtsgeschehen zu werden.

Immer wieder Bewegungspausen

Gerade jüngere Schüler haben keine lange Konzentrationsspanne und benötigen immer wieder Bewegungspausen zwischen den Unterrichtsstunden. Neben der großen Pause bietet sich in der Grundschule daher eine „Flitzepause“ an, in der die Schüler für eine kurze, festgelegte Zeitspanne einfach mal über den Schulhof rennen und sich kurz austoben können.

Werden all diese Bewegungsideen in den Unterricht, zwischen den Lernphasen und durch viel Sport in der Schule beachtet, so sind die Schüler aufmerksamer, motivierter und konzentrierter bei der Sache.

Marion Keil

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