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Anerkennungskultur

Die hohe Kunst des Feedbacks

Es ist eine Kunst, Lob und Kritik richtig einzusetzen und zu dosieren, damit Schüler lernen und nicht demotiviert werden. Konstruktives Feedback zu geben, ist gar nicht so schwer, wenn man ein paar wenige Regeln beachtet.

Anerkennungskultur: Die hohe Kunst des Feedbacks Ein positives Feedback motiviert die Schülerinnen und Schüler beim Lernen © deagreez - stock.adobe.com

„Das hast du endlich mal so gemacht, dass man es lesen kann, ist ganz okay“, sagt eine Lehrerin leichthin bei der Rückgabe einer Hausaufgabe zu einem Schüler, der sich über das Wochenende viel Mühe gemacht hat, eine Schreibaufgabe zu bewältigen. Mit den kleinen Wörtchen „endlich mal“ und „ganz okay“ bewertet sie jedoch die Leistung in einem Sinne, dass der Schüler vermutlich eher demotiviert als motiviert weiteren Aufgaben entgegensieht. Ein gutes Feedback würde wohl etwas anders aussehen.

„Net gschimpft is g´lobt gnua“ (Oberpfälzisch für: Nicht geschimpft ist Lob genug)

Wer sich in einem Prozess von Lernen, Weiterentwicklung und neuen Impulsen befindet, erlebt die Rückmeldung zur eigenen Leistung besonders intensiv. Noch kann man die eigene Leistung oder das eigene Verhalten nicht souverän einschätzen, und man ist neugierig auf das Feedback der anderen — insbesondere der Lehrer oder Experten. Mit einem einfachen „Toll/Super/Gut-gemacht“ drückt man als Feedback-Geber zwar Positives aus, jedoch in einer sehr verkürzten Form. Umgekehrt sind negative Bewertungen oft schwer zu nehmen, weil sie nicht besonders schlüssig begründet sind.

Arbeitsergebnisse werden beurteilt — ob man will oder nicht

Wenn ich ein Arbeitsergebnis präsentiere, ist eines sichergestellt: Ich werde bewusst oder unbewusst dazu beurteilt. Als Urheber muss ich also damit rechnen, die Meinungen anderer zu meinem Werk zu hören. Und in verschiedenen Situationen möchte man diese Meinung ja auch explizit einholen, zum Beispiel in Kunst, Musik oder bei Texten. Schließlich geht es immer darum, sich weiterzuentwickeln und zu lernen. Auch Anerkennung und Lob sollen dabei natürlich nicht zu kurz kommen.

„Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ — seien wir ehrlich: mit dieser Haltung haben wir vermutlich alle schon einmal Feedback entgegengenommen. Es ist nicht immer leicht, Feedback zu nehmen und umgekehrt auch zu geben. Schließlich geht es um die Balance zwischen Ehrlichkeit und Achtsamkeit gegenüber der Person.

Grundregeln für konstruktives Feedback

Die Wissenschaftsforschung sagt: es gibt keine objektive Rückmeldung. Denn die Aussagen einer Person über eine andere (sein Verhalten, seine Arbeit, seine Ergebnisse, ...) sind keine objektiven Wahrheiten, sondern lediglich subjektive Eindrücke. Sie sind immer persönlich gefärbt. Es ist also gar nicht so leicht, konstruktives Feedback zu geben, das etwas mehr aussagt als die eigene Meinung. Doch wenn man einige wenige Grundregeln beachtet, kann jeder konstruktives Feedback geben, das beim Gegenüber dann hoffentlich auch richtig ankommt:

  • Immer zuerst positive Rückmeldungen: Wenn ich zuerst etwas Gutes höre, kann ich die darauffolgende Kritik viel leichter annehmen. Einseitige Betonung von negativen Aspekten führt zu Verzerrungen, der Feedback-Nehmer geht in eine innere Abwehr und beginnt sich zu rechtfertigen. Allerdings sollte Feedback nicht allein die ultimative Lobhudelei werden, auch das wäre verkürzt.
  • Keine Verallgemeinerungen: Feedback sollte möglichst konkret formuliert sein. Es ist notwendig, positive und negative Beispiele zu nennen und möglichst auch einen Verbesserungsvorschlag zu machen. Statt der großen Keule sind kleine Kritik-Portionen besser verdaulich. Es bietet sich an, in der Ich-Form zu formulieren. So vermeidet man den Eindruck von Verallgemeinerungen oder Zuweisungen.
  • Fragen stellen: Um adressatenbezogenes Feedback zu geben, muss ich möglichst gut wissen, was sich der andere dabei gedacht hat. Einfaches Nachfragen ist immer besser als allgemeines Anstellen von Vermutungen.
  • Feedback dankbar annehmen: Besonders schwierig ist es oft, die Rückmeldungen unkommentiert und dankbar entgegenzunehmen. Als Feedback-Nehmer brauche ich gar nicht viel dazu zu sagen, sondern darf es erst einmal auf mich wirken lassen. So vermeide ich Rechtfertigungsversuche. Ich kann in Ruhe darüber nachdenken und danach selbst entscheiden, was davon ich annehmen möchte und was eher nicht. Wer sich sofort verschließt, der überhört vielleicht die wichtigen Punkte.

„Old Ways won´t open new Doors“

Nicht nur für Schüler ist es oft schwierig, die Rückmeldung richtig einzuordnen: Oftmals verwechselt man Sachebene und Persönlichkeitsebene. Es ist daher besonders wichtig, genau und präzise zu formulieren, vor allem in Bezug auf Verhaltens-Feedback. Es ist ein erheblicher Unterschied zwischen „Du nervst beim Schaukeln“ und „Du hast dich heute beim Spielplatz 10 Minuten lang schreiend um die Schaukel gestritten“.

Auch andersherum ist es wenig hilfreich, ein einfaches „Das ist super!“ rückzumelden, wenn ich dann als Feedback-Nehmer nicht weiß, was genau super war und warum. Ohne Feedback gibt es wenig Entwicklung und Wachstum. Wir sind alle auf unser Gegenüber angewiesen, das uns spiegelt und als Korrektur wirkt – auch wenn es manchmal unliebsam und unbequem ist. Ich kann dann leichter Feedback annehmen, wenn ich den Eindruck habe, mein Feedback-Geber hat Ahnung von der Sache, ist Experte und kennt sich aus. Abseits von seinem persönlichen Geschmacksempfinden kann ein Experte mir viel mehr objektivierbarere Ansatzpunkte mitteilen. Und dann darf er mir auch gern mal den Pelz nassmachen — damit sich neue Türen aufmachen.

Claudia Omonsky

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