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Bewegungspausen

Drei Minuten Pause — alle wieder voll da!

Bewegungspausen während des Unterrichts kosten nur wenige Minuten, wirken sich aber äußerst positiv auf die Leistungsfähigkeit der Schüler aus. Nebenbei senken sie Stress und fördern die Schülergesundheit und das Gemeinschaftsgefühl.

Bewegungspausen: Drei Minuten Pause — alle wieder voll da! Kleine Bewegungsübungen wie diese lassen sich auch gut in eine kurze Unterrichtsunterbrechung einbauen © georgerudy - Fotolia.com

45 Minuten dauert eine durchschnittliche Schulstunde in der Sekundarstufe I, oft gibt es sogar Doppelstunden mit 90 Minuten. Gemessen an der Konzentrationsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen ist das viel zu lang: Gerade einmal 25 Minuten lang können sich Schüler im Alter von 10 bis 12 Jahren konzentrieren. Bei 12- bis 16-Jährigen beträgt die maximale Aufmerksamkeitsspanne 30 Minuten, das sind gerade einmal 5 Minuten mehr. (vgl. dazu: Norbert Sommer-Stumpenhorst, „Sich konzentrieren können — Konzentration lernen“, Warendorf 1994, S. 3). — Kein Wunder also, dass sich gegen Ende einer Schulstunde regelmäßig Unruhe oder auch Müdigkeit breit macht.

Dass die Leistungsfähigkeit der Schüler im Verlauf eines Schultages zusätzlich mit jeder Stunde abnimmt, erleben die meisten Lehrer an jedem Schultag. Eine Studie von amerikanischen und dänischen Wissenschaftlern bestätigt das: Demnach wächst im Verlauf eines Schultages die „kognitive Müdigkeit“ bei den Kids stetig. Bei einem standardisierten Test, ähnlich wie PISA, sanken die Leistungen schulstündlich um 0,9 Prozent. Hingegen schnitten die Schüler um durchschnittlich 1,7 Prozent besser ab, die vor der Prüfung eine Pause von 20 bis 30 Minuten hatten.

Pausen sind also wichtig — und wenn es nur ein paar Minuten während des Unterrichts sind. Kurze Bewegungs- oder auch Entspannungsübungen machen müde Schüler wieder wach. Der folgende Beitrag versorgt Sie mit Ideen und Tipps dafür.

Tipps für die Gestaltung der Bewegungspause

Alle 20 Minuten sollten Lehrer die Schüler aufstehen lassen, empfiehlt Sportwissenschaftlerin Monika Siegrist in der Onlineausgabe von focus. Eine kleine Änderung im Unterrichtsverlauf mit großer Wirkung: Schüler würden dadurch „nicht nur gesünder, sondern auch erfolgreicher“, so Siegrist, denn der Unterricht gehe „danach motivierter und konzentrierter weiter“.

Immer sollten dabei die Fenster geöffnet werden, das sorgt auch gleich für ein gesundheits- und lernförderliches Raumklima: Denn nur alle 45 Minuten für 10 Minuten lüften reicht bei weitem nicht aus, wie Forscher des Fraunhofer Instituts für Bauphysik herausfanden.

In ihrem Vortrag im Rahmen der Frühjahrsakademie „Gesunde Schule“ (2005) nennt die Lehrerin Elisabeth Lesniak die „Prinzipien“ für den Aufbau von Bewegungspausen (vgl. dazu: Manuskript zum Vortrag, S. 1 ff.).

  1. Aktivierungsübungen, um den Kreislauf anzuregen und Schultergürtel und Rumpfmuskulatur zu mobilisieren,
  2. Koordinationsbewegungen,
  3. zur Ruhe kommen.

Lesniaks Erfahrung nach sind Bewegungspausen einmal am Tag „sinnvoll in der vierten oder fünften Stunde“. Sie dauern idealerweise drei bis vier Minuten und umfassen drei bis fünf Übungen. Bei der Neueinführung der Bewegungspausen sollte man „zunächst auf Stühle- und Tischerücken verzichten“ und dieselbe Übungsfolge eine Woche lang durchführen. Um zu gewährleisten, dass jede Klasse ihre Pause bekommt, sollten sich Fachlehrer untereinander absprechen.

Übungsfolgen von „Äpfel pflücken“ bis „Verwirrter Lehrer“

Elisabeth Lasniak führt die dreiteiligen Übungen mit festen Bestandteilen immer mit Namen ein. Das erhöht bei den Schülern den Wiedererkennungswert und funktioniert natürlich dann am besten, wenn alle Lehrer mit den gleichen Übungsfolgen arbeiten.

In Lasniaks Manuskript (Link s. o.) finden sich Vorschläge für 7 Übungsfolgen, die am Platz ausgeführt werden und auch für beengte Raumverhältnisse geeignet sind. Der Lärmpegel der Bewegungspause kann durch die Auswahl der jeweiligen Übungen beeinflusst werden.

Beim „Äpfel pflücken“ etwa erzählt die Lehrkraft eine „Apfelpflückgeschichte“, zu der sich die Schüler synchron bewegen: „Stellt euch auf Zehenspitzen und greift mit dem rechten Arm nach oben, dann mit der linken Hand, um den Apfel zu pflücken. Legt den Apfel in einen Korb zu euren Füßen (in die Hocke gehen).“ — Hier hören die Schüler zu, die Lautstärke wird sich in Grenzen halten, genau wie bei der dazugehörigen Koordinationsübung: Die Schüler zeichnen mit unterschiedlichen Fingern eine „liegende Acht“. Für die abschließende Atemübung setzen sich die Schüler wieder auf ihren Stuhl, danach kann der Unterricht erfrischt weitergehen.

Etwas lebhafter wird es sicher beim „Pferderennen“ zugehen: Die Schüler sitzen, stehen, springen am Platz, schlagen mit den Händen auf Oberschenkel und Brust, beschleunigen rhythmisch etc. Bei den dazugehörigen Koordinations- und Entspannungsübungen kehrt jedoch schnell wieder Ruhe ein.

Beim „verwirrten Lehrer“ können sich die Schüler ausagieren: Bei der aktivierenden Übung ist Reaktionsvermögen gefragt, die Schüler führen schnelle wechselnde Bewegungen durch und sprechen dazu „laut im Chor“. Bei der Koordinationsübung gibt es einen „Schuhplattler“, und erst bei der Ruheübung nehmen die Jugendlichen wieder Platz, um eine Atemübung zu machen und sich selbst bei der „Denkmütze“ die Ohrränder zu massieren.
In jedem Fall lassen sich die Übungen auch untereinander mischen oder einzeln aufgreifen.

Bewegungspausen mit fachlichem Bezug

Bei einigen Übungen ist auch ein fachspezifischer Einsatz möglich: So eignet sich zum Beispiel die oben beschriebene Übung „Pferderennen“ besonders gut für den Musikunterricht, wobei auch noch der koordinierende Teil aufs pantomimische „Klavierspielen“ abzielt. Schüler, die kein Instrument spielen, erfahren dabei am eigenen Leib, wie schwierig es ist, die linke und die rechte Hand zu koordinieren und sehen dann etwa die virtuose Kadenz eines Klavierkonzerts womöglich mit ganz anderen Augen.

Rhythmen mit Körperinstrumenten eignen sich ebenfalls gut für Bewegungspausen in Musik und verbinden Aktivierung mit Koordination. Besonders wirkungsvoll ist eine „Rhythmuschoreografie“, die Studenten der Sporthochschule Köln in diesem Video vermitteln. Haben die Schüler die Rhythmusübung einmal verinnerlicht, kann sie auch mit rhythmischen Lauten variiert werden, zum Beispiel so.

Bewegungsgeschichten wie das oben geschilderte „Äpfel pflücken“ können auch auf Englisch erzählt werden. Ein Beispiel mit ausformulierter Geschichte findet sich — nebst vielen anderen guten Ideen für Bewegungspausen — in einer Broschüre des Baden-Württembergischen Landesinstituts für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik auf S. 4 (Popcorn).

Flexibler Einsatz der Bewegungspausen

Je größer Ihr Fundus an Übungen ist, desto flexibler lassen sich die Bewegungspausen auf die jeweiligen Gegebenheiten abstimmen. Sammlungen im Netz oder in Broschüren differenzieren häufig nach Aktivitätsgrad: So staffelt der Sportpädagoge Rüdiger Klupsch-Sahlmann seine Ideensammlung mit ausführlichen Erläuterungen nach „ruhig“, „mäßig aktiv“ und „aktiv“.

Bei vielen der Bewegungs- und Entspannungsübungen für die Klassen 5 und 6 auf der Schulwebsite des „Giebichenstein-Gymnasiums ‚Thomas Münster‘“ in Halle bleiben die Schüler am Platz und arbeiten auf, um und mit ihrem Stuhl (S. 4 f. des PDFs) — die idealen Übungen bei beengten räumlichen Verhältnissen oder in Klassen, die nur schwer wieder zur Ruhe kommen.

Entspannungstechniken als Ergänzung

Ein breites Repertoire von Entspannungstechniken bietet die 68-seitige Broschüre „Entspannung in der Schule“ der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen. Systematisch erläutern die Autoren die verschiedenen Möglichkeiten: Atem-, Achtsamkeits- und Wahrnehmungsübungen, Mandalas, Massagen und Fantasiereisen finden sich hier ebenso wie die „großen Entspannungsverfahren“ von Autogenem Training bis zu Meditation und Yoga. Auch hier haben Sie als Lehrkraft wieder die Möglichkeit, eine situationsspezifische Auswahl zu treffen: So eignen sich die Übungen zum Beispiel „vor belastenden Situationen wie Prüfungen und Klassenarbeiten“ ebenso wie „nach belastenden Situationen zur Senkung der muskulären Aktivierung“ oder einfach auch „zwischen sehr anstrengenden Unterrichtseinheiten“ (ebd., S. 13).

Klassen entwickeln oft eine Vorliebe für bestimmte Bewegungs- und Entspannungsübungen. Daraus könnte der Klassenleiter für den jeweiligen Klassenraum ein kleine „Sammlung“ zusammenstellen, die dann jedem Fachlehrer in der Klasse zur Verfügung steht. Und natürlich könnten auch sportaffine Schüler Bewegungspausen für ihre Mitschüler moderieren.

Martina Niekrawietz

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