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Konzept Snoezelen I

Ein Raum zum angstfreien Kuscheln und Träumen

Snoezelen bietet Raum, das Umfeld auf ganz neue, faszinierende Weise wahrzunehmen. Hier können nicht nur schwer- und mehrfachbehinderte Schüler aktiv und angstfrei entspannen. Gleichzeitig wird die sensitive Wahrnehmung gefördert.

Konzept Snoezelen I: Ein Raum zum angstfreien Kuscheln und Träumen Gemütliche Kuschelecken laden zum Entspannen und Träumen ein © Oleksandra Voinova - Fotolia.com

Wie können Menschen mit einer schweren und mehrfachen Behinderung aktiv entspannen? Welche Angebote können wir als Lehrkräfte im schulischen Kontext dazu machen? Mit dem Konzept des Snoezelen findet man eine Fülle von Ruhe- und Erholungsangeboten, die sich prinzipiell für alle Menschen eignen und die sich bei Menschen mit einer schweren Behinderung als besonders wirkungsvoll gezeigt haben.

Snoezelen (sprich „snuselen“) wurde Mitte der 70er-Jahre von zwei Zivildienstleistenden in den Niederlanden erfunden und hat sich bis zu den 1990er-Jahren weltweit als Entspannungskonzept vor allem im Behindertenbereich verbreitet. Die Fantasiewortschöpfung Snoezelen setzt sich zusammen aus den beiden Worten „snuffelen“ (schnuppern) und „doezelen“ (dösen, schlummern). Snoezelen erzeugt durch gezielte Angebote im Wahrnehmungs- und Sinnesbereich vor allem das Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden. So trägt der Aufenthalt im Snoezelenraum zur Entspannung und Verbesserung der sensitiven Wahrnehmung bei.

Der Snoezelenraum — ein Raum für angstfreie Wahrnehmungseindrücke

Das multifunktionale Konzept wird heute hauptsächlich mit einem besonders ansprechend gestalteten Raum assoziiert. Diese Snoezelenräume wurden in sehr vielen Förderinstitutionen für behinderte Menschen eingerichtet, inzwischen auch in Alten- und Pflegeheimen, Kliniken, Hospizen und weiteren sozialpsychiatrischen Einrichtungen. Sie sind in der Regel vollständig weiß ausgestattet, um die unterschiedlichen Sinnesanreize darauf gut zur Geltung bringen zu können. Der Raum kann vollkommen abgedunkelt werden. Mit Licht-, Klang- und Tonelementen, Musik- und Bewegungsangeboten oder Aromen werden Wahrnehmungseindrücke ausgelöst, die dann zu einer angstfreien, entspannten und wohlbehaglichen Stimmung beitragen. Snoezelen lädt zum Träumen und Relaxen ein und weckt schöne Erinnerungen.

Zur Raumausstattung können unterschiedliche Elemente gehören, je nachdem mit wie viel Finanzkraft der Raum eingerichtet wird: Lichtquellen, Wassersäulen, Lichtschläuche, Lichtduschen, Projektoren mit unterschiedlichen optischen Drehscheiben, Glitzerleuchten, Farbdrehscheiben, Spiegelkugeln, aber auch bequeme Sitz- und Liegelandschaften, Kissen und Decken, ein Bällchenbad, ein Wasserklangbett oder eine Resonanzliege, Kleingeräte wie Massagegerät, Infrarotleuchte, Igelbälle, Massagekissen, Duftlampen oder Duftsäckchen und vieles mehr.

Literaturtipp:

Krista Mertens, unter Mitarbeit von Ad Verheul, Sandra Köstler, Ulrich Merz: Snoezelen – Anwendungsfelder in der Praxis. Dortmund 2005

Materialien für unterschiedliche Wahrnehmungsangebote

Für ein gezieltes Angebot im Snoezelenraum berücksichtigt die Lehrkraft grundlegende Kenntnisse über die Wahrnehmung. Wenn mehrere Menschen im Raum entspannen möchten, werden die Angebote zunächst eher sparsam eingesetzt. Denn jedes Reizangebot hat auf verschiedene Menschen eine unterschiedliche Wirkung, ein Rundumschlag wird vermieden. Die Materialien können den Wahrnehmungsbereichen zugeordnet werden, um systematisch eingesetzt zu werden:

  • Vestibuläre Stimulation: z. B. auf dem Wasserklangbett: sanfte Wellenbewegung des Bettes, Vibration, Schallübertragung
  • Kinästhetisch-propriozeptive Stimulation: z. B. im Bällebad, auf dem Vibrationsboard, in Hängematte oder Sitzsack, mit Lagerungs- oder Keilkissen, mit Decken zum Einwickeln
  • Taktile Stimulation: z. B. mit mobilen Kleingeräten wie Massageball, Bürsten und Igelbällen, mit Wärme- oder Kühlkissen, mit Trockenduschen aus unterschiedlichen Materialien
  • Olfaktorische Stimulation: z. B. zur Aromatherapie mit Düften zur Entspannung und Ruhe oder auch mit aktivierenden, anregenden Düften. Hier muss man unbedingt darauf achten, Düfte nicht über zu dosieren, sondern sehr gezielt einzusetzen.
  • Visuelle Stimulation: z. B. durch Spiegelkugel und Lichtspot, durch Fließscheiben und Wassersäulen mit Lichteffekten, mit Diaprojektor und Rundumbeleuchtung. Auch hier gilt: Weniger ist mehr! Die visuelle Stimulation macht oft den Kern des Snoezelenraums aus und wirkt besonders intensiv.

Die Bedürfnisse des Schülers stehen im Mittelpunkt

Schüler mit einer schweren und mehrfachen Behinderung agieren in der Regel mit einem Begleiter. Sie werden von einer erwachsenen Bezugsperson im Raum betreut, zu der sie Vertrauen haben und mit der sie sich empathisch verbunden fühlen. Während im schulischen Kontext der Begleiter oft zielorientiert und sachbezogen unterrichtlich agiert, geht es im Snoezelenraum darum, sehr bedürfnisorientiert zu arbeiten. Das bedeutet, mehr zu beobachten, was der Betreute gerade gern möchte: Will er momentan angesprochen und berührt werden oder nicht? Will er eher die optischen oder eher die taktilen Angebote nutzen? Will er stärker entspannen oder aktiv werden?

Der Begleiter kann hier besonders gut auf die Wünsche eingehen und so erheblich zum Wohlbefinden beitragen. Wichtig dabei ist ein dosiertes Angebot, um die Wahrnehmungsreize besser ordnen und verarbeiten zu  können.

Inzwischen liegen viele Studien zur Wirksamkeit und Wirkungsweise des Snoezelens vor, da es sowohl als Entspannungstherapie als auch als Angebot zur Wahrnehmungsförderung genutzt wird. Über die ISNA (International Snoezelen Association Snoezelen professional e.V.) erhält man viele Informationen zur Raumausstattung, zum Basisangebot und der Aus- und Weiterbildung zur Snoezelen-Fachkraft.

Claudia Omonsky

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