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Beziehungsdidaktik

Eine gute Schüler-Lehrer-Beziehung stärkt beide Seiten

Klappt die Beziehungsebene zwischen Schüler und Lehrer, klappt es meist auch mit dem Lernklima und dem Lernerfolg. Ausschlaggebend ist, dass die Lehrkraft sich auch als Kommunikations- und Erziehungsarbeiter versteht.

Beziehungsdidaktik: Eine gute Schüler-Lehrer-Beziehung stärkt beide Seiten Es darf auch gelacht werden beim Lernen in der Schule © Andrii - stock.adobe.com

Anna kommt immer häufiger frustriert nach Hause. Besonders montags und donnerstags mag sie nicht mehr gern in die Schule gehen und ihre Note im Fach Biologie ist am Ende des Schuljahres von einer Zwei auf eine Vier gesunken. Der Grund dafür: Sie hat eine neue Lehrerin in dem Fach bekommen, mit der sie sich nicht gut versteht. Diese ist äußerst streng, kann nicht gut erklären und ist zu allen Schülern der Klasse recht abweisend.

Ein Problem, das viele Schüler mit ihren Lehrern haben. Dies macht deutlich, dass eine schlechte Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden erhebliche Auswirkungen auf das Lernverhalten und den Lernzuwachs haben können.
Lehrer sein heißt auch Kommunikations- und Erziehungsarbeit

Kinder und Jugendliche brauchen nicht immer den Lehrer, der sich als Kumpel anbietet und stets gleichbleibend gut gelaunt ist. Konstruktive Kritik richtig anwenden zu können, aufmerksam, wertschätzend und authentisch zu sein, sind Eigenschaften, die Schüler voranbringen und zum Lernen motivieren. Dabei kommt es auch auf faire Bewertungen, klare Grenzen und Anerkennung für eine gute Leistung an. So fühlen Schüler sich ernst genommen.

Der Beruf des Lehrers besteht heute nicht mehr nur aus distanzierter Wissensvermittlung mit der Absicht, dass die Schüler am Ende des Schuljahres die Ziele des Stofflehrplanes „geschluckt“ haben. Lehrer zu sein heißt heute, einen großen Teil Kommunikations- und Erziehungsarbeit zu leisten.  In dem Sinne ist es wünschenswert, wenn ein Lehrer seinen Beruf nicht nur als Vermittler von Fachwissen versteht, sondern auch die Schüler selbst im Fokus seiner täglichen Arbeit sieht: junge Menschen, die in der Entwicklung stehen und die völlig unterschiedliche Lernvoraussetzungen mitbringen. Ein Aspekt, der im Studium nicht vermittelt wird.

Beziehungsarbeit ist ebenso wichtig wie Wissensvermittlung

Lehren und Lernen hat immer etwas mit Beziehung zu tun. Es gibt jede Menge Kinder und Jugendliche, die gern lernen, weil sie ihren Lehrer mögen. Diese Tatsache supponiert eine Beziehungsdidaktik (vgl. Reinhold Miller: Beziehungsdidaktik. Weinheim/Basel 2011,), in der zwischenmenschliche Beziehungen besondere Berücksichtigung finden, in der Beziehungsarbeit bewusst gemacht und reflektiert werden kann. Inhalt eines guten Unterrichtes ist nicht ausschließlich der Lehrstoff, sondern auch die Förderung von Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit und der Umgang mit Gewalt, Disziplinschwierigkeiten und Konfliktbewältigung. Mit anderen Worten, Themen zwischenmenschlicher Beziehungen, die in einer Beziehungsdidaktik innerhalb der Pädagogik im Mittelpunkt stehen. Dies gilt nicht nur für Klassenlehrer, sondern auch für Fachlehrer, die nur wenige Stunden in einer Klasse unterrichten. Wenn ein Lehrer seinen Schülern aufrichtiges Interesse zeigt, offen für Gespräche ist und den Schülern mit Respekt gegenübersteht, wird er auch von den Schülern respektiert.

Lehrer für gutes Klassenklima entscheidend

Ich habe erlebt, dass ein Schüler vom Lehrer vor der ganzen Klasse bloßgestellt oder beleidigt wurde, weil er seine Hausaufgaben nicht gemacht oder etwas nicht verstanden hat. Dies erzeugt Frust und Scham, vor den Freunden so „klein gemacht“ zu werden. Die Folgen können Angst vor dem Lehrer oder Aggressionen sein, die nach außen getragen werden und sich oftmals in der Pause entladen. Der Schüler muss sich auf irgendeine Weise den Respekt bei seinen Mitschülern zurückholen. Dies kann dann in der Klasse wiederum zu anstrengenden Situationen auch für den Lehrer führen.
Ein gutes Klassenklima wird durch den Lehrer beeinflusst. Er hat unter anderem die Aufgabe, Beziehungsfähigkeit zu entwickeln und sie den Schülern zu vermitteln. Ein Lehrer sollte neben fachdidaktischen Kenntnissen auch eine professionelle Beziehungskompetenz erwerben, Verständnis für kommunikative Prozesse haben und weitergeben können. So profitiert auch er von der Toleranz, Hilfsbereitschaft, Wertschätzung und Anerkennung der Schüler untereinander. Unter diesen Voraussetzungen lässt sich in einer Klasse besser arbeiten und Störungen können leichter aufgefangen werden.

Gesunde Autorität und verlässliche Haltung

Ebenso ist jedoch auch die fordernde (in Bezug auf Wertevermittlung und Sozialverhalten) und fördernde (Fachkompetenz, Methodenkompetenz etc.) Rolle eines Lehrers unabdingbar und der Balanceakt zwischen Über- und Unterforderung nicht immer leicht zu bewältigen. Dabei sollte eine gesunde Autorität mit konsequent verlässlicher Haltung nicht verloren gehen.
Eine gute Beziehung wird durch Anerkennung, Wertschätzung und Ermutigung geprägt. Dies wiederum hat Auswirkungen auf das Lernverhalten von Schülern und kann den Schulalltag enorm erleichtern.

Folgende Anregungen können möglicherweise die eigenen Beziehungskompetenzen unterstützen:

  • Empathie ist ein wichtiger Faktor in der Arbeit mit Menschen.
  • Aktiver Zuhörer sein, heißt konzentriert zuhören, nachfragen und Verständnis zeigen. Das vermittelt Wertschätzung.
  • Viele Situationen fordern ein schnelles Reagieren und sinnvolles Handeln. Es gibt jedoch Umstände (wie erwähnt: vergessene Hausaufgaben oder Sportsachen oder Verständnisschwierigkeiten), da ist es ratsam, einen Schüler nicht vor der gesamten Klasse zu maßregeln. Schüler können Freunde verlieren, wenn sie lächerlich gemacht wurden.
  • Unterricht ist ein ganzheitliches Geschehen, dass immer eine Beziehungs- und Kommunikationsebene impliziert.
  • In der Grundschularbeit kann es zuweilen im Gespräch helfen, sich auch auf die körperliche Ebene des kleineren Kindes zu begeben. Mit anderen Worten, setzen Sie sich ruhig öfter mal auch auf einen kleinen Stuhl, als in voller Größe von oben herabzuschauen.
  • Diskussionen und Gespräche sollten zwar immer auf der Sachebene geführt werden, jedoch sollte die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Lehrer und Schüler weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
  • Denken Sie daran, Sie haben als Lehrer eine Vorbild- und Autoritätsfunktion.
  • Die Rollenverteilung zwischen Lehrer und Schüler muss klar definiert sein.
  • Für Schüler ist es wichtig, nicht mit dem Gefühl der Niederlage aus einem Konfliktgespräch zu gehen und dennoch zu wissen, dass der Lehrer die Vorgaben zu machen hat.
  • Die Art und Weise einer Kommunikation beeinflusst das Ergebnis eines Gespräches.
  • Seien Sie in Ihren Anweisungen immer klar und verlässlich. Regeln, die bei nicht Einhaltung keine Maßnahmen nach sich ziehen, verpuffen und werden nicht ernst genommen.
  • Ich-Botschaften sind sehr wertvoll, jedoch nicht immer eine Lösung bringende Reaktion auf eine schwierige Situation mit einem Schüler. Hören Sie aktiv zu, wiederholen vielleicht, was der Schüler gesagt hat und senden Sie ihm Ihre notwendige Du-Botschaft.
  • Vertrauen ist eine wichtige Komponente zwischen Lehrer und Schüler. Halten Sie unbedingt ein, was Sie versprechen und bestehen Sie darauf, was Sie verbal gefordert haben.
  • Geben Sie manchmal auch etwas von sich persönlich preis, wenn es die Situation erlaubt. Dies macht einen Lehrenden „menschlich“ und schafft eine Beziehungsebene.
  • Es schadet nicht, wenn Sie sich bei einem Schüler entschuldigen, weil Sie sich vertan haben.
  • Geben Sie schwierigen (und auch allen anderen) Schülern immer das Gefühl, dass sie trotz ihrer Schwierigkeiten „dazugehören“. Eine gute Bindung zur Schule und Klasse sind wichtige Voraussetzungen für Schüler, ihr Verhalten zu korrigieren und Selbstvertrauen aufzubauen.

Stimmt die Beziehungsebene, stimmt auch die Zufriedenheit im Beruf

Manche Lehrer bevorzugen eine Haltung, die ausdrückt: „Ich habe das Sagen, ich bin streng und dann habe ich meine Ruhe.“ Früher oder später merken sie jedoch, dass sie das nicht weiterbringt. Dies ist eine Art Copingstrategie, die in einer Form Sicherheit gibt, da wo man unsicher ist, die jedoch auf Dauer blockiert und keine Veränderung bringt, sondern Unlust und Distanz. Andere Lehrer sind so frustriert, dass sie aufgeben und alles geschehen lassen und dann an das Ende ihrer Kräfte kommen.

Das Arbeiten in der Schule macht umso mehr Spaß, je mehr Sie eine gute Beziehung zu Ihren Schülern aufgebaut haben und diese mit Interesse und Motivation Ihrem Unterricht folgen, weil sie Sie mögen. Dann kann Lernzuwachs entstehen. Die erschwerten Umstände (Inklusion, Migration) und die Heterogenität vieler Schulklassen, machen das Arbeiten in der Schule jedoch nicht immer leicht. Doch wenn die Beziehungsebene zu den Schülern geprägt ist durch gegenseitige Akzeptanz, verlässliche Strukturen und Wertschätzung, dann trägt dies dazu bei, so manche Konflikte leichter zu lösen und den Spaß am Unterricht nicht zu verlieren. Dies gilt für Schüler und Lehrer gleichermaßen.

Jeder Lehrende hat zurecht eine andere Einstellung zu seinem Beruf und seinen pädagogischen Mitteln. Doch im Vordergrund stehen immer die Kinder und Jugendlichen, die auf unseren Unterricht und unsere emotionale Einstellung zu ihnen angewiesen sind. Es wäre wünschenswert, wenn die Ausbildung zum Lehrerberuf sich nicht nur auf Fächer fokussieren würde, sondern Beziehungsdidaktik und psychologische Grundkenntnisse mehr Raum fänden.

Angela Hentschel

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