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Krisenintervention

Mit Kindern über Ängste sprechen

Corona macht auch Kindern Angst. Hier können Lehrkräfte helfen, indem sie einen Rahmen schaffen, Gefühle und Ängste wahrzunehmen und darüber zu sprechen – als ein erster Schritt zur Verarbeitung.

Krisenintervention: Mit Kindern über Ängste sprechen Selbst gestaltete Troststeine helfen, die Probleme etwas kleiner zu machen © Claudia Omonsky

Corona hat unsere Welt kräftig aufgewirbelt, nach und nach müssen wir uns wieder in einen neu zu gestaltenden Alltag einfinden. Die Schulen öffnen wieder, und wir haben Schüler, die in dieser Krisenzeit vielleicht noch ängstlich oder von Sorgen belastet sind. Sie reagieren mitunter unklar und mit eher diffusen Auswirkungen wie Rückzug, Verweigerung, Schweigen, Aggression oder körperlichen Symptomen wie Bauch- und Kopfschmerzen. Es ist wichtig, hier genau zu beobachten und gegebenenfalls hilfreich einzugreifen. 

Die Sorgen der Schüler ernst nehmen

Ein ängstlicher Schüler braucht zunächst jemanden, der ihm seine Gesprächsbereitschaft signalisiert und der seine Ängste wahrnimmt. Als erwachsene Bezugsperson können wir Lehrkräfte Sicherheit und Orientierung bieten, wenn wir signalisieren, dass wir da sind und bereit sind, über die Gedanken und Gefühle mit dem Schüler zu sprechen. Man kann nachfragen, was ein Kind schon über die beängstigende Situation weiß und welche Fragen oder Unsicherheiten es hat. Je nach Beunruhigungsgrad kann man auf angemessene Informationen eingehen. In jedem Fall aber sollte man die Sorgen des Kindes ernst nehmen. Wichtig ist, dass ein Kind durch so ein Gespräch wieder zu mehr Ruhe kommt und sich etwas sicherer fühlt.

Hierbei hilft uns auch eine positive und altersgemäße Sprache. Denn für die Erinnerung und Verarbeitung von Erlebnissen ist diese sehr wichtig. In sehr vereinfachter Form sagt die Neurobiologie, dass das Gehirn in zwei Hälften arbeitet. Während die linke Hemisphäre sich eher logisch und linear um Aspekte wie Sprache, Ordnung, Listen und Gesetze kümmert, verarbeitet die rechte Hemisphäre eher nonverbal-ganzheitlich Emotionen, Erfahrungen und Erlebnisse. Ziel ist es, beide Hirnhälften sinnvoll miteinander zu verbinden. Dann wird es unter Umständen leichter, bestimmte Ereignisse zu verarbeiten und sich so wieder mit den Gegebenheiten zu arrangieren.

Gefühle wahrnehmen und darüber sprechen

„Wenn wir unseren Kindern keine Gelegenheit geben, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen und sich an das zu erinnern, was nach einem überwältigenden Ereignis geschehen ist, bleibt ihre nur implizite Erinnerung in desintegrierter Form bestehen“ (Siegel/ Bryson, 2013, S.107).
Es geht darum, eigene Gefühle zunächst zu erkennen und ihnen durch Wertschätzung und Anerkennung auch Raum zu geben. Es ist wichtig, alle Gefühle zu beachten und über sie zu sprechen. Dabei können nonverbale Signale eingesetzt werden, z. B. Stimmlage oder Körpersprache. In einem nächsten Schritt werden die Gefühle dann gewissermaßen mit der linken Hirnhälfte verbunden, beispielsweise durch logisches Erklären oder Planen. Wer nicht über die Gefühle spricht, sorgt dafür, dass sie immer stärker werden und einen schließlich in einer emotionalen Welle überfluten. Wer hingegen über seine Gefühle spricht, kann mit seiner Erinnerung an die Geschehnisse viele kleine Bausteine zu einer Geschichte zusammensetzen und diese dann verarbeiten.

Tipps zum Weiterlesen

Melanie Gräßer / Eike Hovermann: Ressourcenübungen für Kinder und Jugendliche. Weinheim 2020

Daniel J. Siegel / Tina Payne Bryson: Achtsame Kommunikation mit Kindern. Freiburg im Breisgau 2013 

Informationen zum Thema Corona bietet die AETAS-Kinderstiftung

Körper und Gefühle sind eng miteinander verbunden, sodass sie sich auch gegenseitig beeinflussen, sei es negativ oder positiv. Für Kinder ist es darum wichtig, sich mit sich und in ihrem Körper wohl zu fühlen. Die Wahrnehmung der eigenen Befindlichkeit kann ein Schlüssel zur eigenen Emotionalität sein. Mithilfe einer einfachen Smiley-Tabelle kann man mit dem Schüler ins Gespräch kommen, was gerade mit ihm los ist und wie es ihm geht. Gefühle wie „trüb, schlapp, gereizt, aufgekratzt oder okay“ wahrzunehmen und mit diesen konstruktiv umzugehen hilft bei der Bewältigung übermächtiger Emotionen. Viele anschauliche und sehr kindgerechte Übungen hierzu finden Sie in der Handreichung von der AETAS-Kinderstiftung

Positive Sprache einsetzen

Als Lehrkraft vermittelt man auch Sicherheit durch eine möglichst positive Sprache. Auch außerhalb von Krisenzeiten ist es wichtig, möglichst eine positive Form der Beschreibung zu wählen und Aussagen in verneinter Form („nicht/kein“) zu vermeiden. Diesen Unterschied kann man sofort selbst wahrnehmen, beispielsweise wenn man sagt: „Wir wollen gesund bleiben“ statt „Wir wollen nicht krank werden“

Auch positive Geschichten von kleinen Alltagshelden oder Mutmach-Geschichten helfen, mit der Situation besser zurechtzukommen. Berichte über Kinder, die anderen helfen oder die sich irgendwie nützlich machen, fördern die Aktivierung der eigenen Ressourcen. So zeigte die Aktion der Corona-Steine gute Wirkung, bei der Kinder einen Stein mit einem persönlichen Aspekt bemalt haben und diesen dann im öffentlichen Raum zu den bunten Steinen anderer Kinder hinzugelegt haben. Mit dieser imaginativen und emotional bildhaften Erinnerung schafft man es, die eigenen Empfindungen erlebbar und damit verarbeitbar zu machen. 

So wichtig es auch ist, stellt es sich oft gar nicht so einfach dar, dass Kinder über ihre Sorgen sprechen. Aber etwas selbst tun zu können und aktiv zu werden, stellt eine sehr gute Möglichkeit dar, eigene Unsicherheiten und Nöte zu reduzieren. Denn man erlebt sich selbst aktiv und nicht so stark der Situation ausgeliefert. Und oft sind es keine großen Taten, sondern allein das Grundprinzip, sich selbst wirksam zu erleben, was bewirkt, sich wieder gut mit sich zu fühlen.

Claudia Omonsky

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