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Entspannungstechniken

Mit Yogaübungen zu mehr Ausgeglichenheit

Yoga ist nicht nur etwas für gestresste Lehrer. Yoga kann auch Schülern helfen, ein besseres Körpergefühl zu entwickeln. Als Unterrichtsprojekt oder als Bewegungs- und Atemübung zwischendurch sorgt Yoga für ein entspanntes Arbeitsklima und ausgeglichene Schüler.

Entspannungstechniken: Mit Yogaübungen zu mehr Ausgeglichenheit Jeder Schüler übt in seinem eigenen Tempo, so wie er es am besten kann und sich wohl dabei fühlt © Claudia Omonsky

Yogakurs? Und dann in der Hauptschulstufe? Alles Jungs? Hm … — Die Skepsis erweist sich als unbegründet: Einer der teilnehmenden Schüler setzt sich begeistert und ganz automatisch im vollen Lotussitz auf seine Matte und sieht mich erwartungsvoll an. Dann beginnt die erste Stunde Yogakurs.

Yoga und Entspannungsverfahren haben sich zu einem regelrechten Lifestyle entwickelt. Übende auf der ganzen Welt sind schon lange von der positiven Wirkung überzeugt. Auch zahlreiche neuere wissenschaftliche Untersuchungen befassen sich mit den positiven Effekten von Yoga auf Belastungsfaktoren und Stress (Balasubramaniam, Meera/Telles, Shirley/Doraiswamy, P. Murali (2012): Yoga on our minds: a systematic review of yoga for neuropsychiatric disorders. In: Frontiers in  Psychiatry 3, S. 117. Online verfügbar hier.

Durch einen kindgerechten Ansatz können Yoga- und Entspannungsübungen auch in der Schule  u. a. zur Förderung der Wahrnehmung und Bewegung eingesetzt werden. Spielerisch lernen die Schüler, sich selbst besser zu spüren. Sie lernen Techniken zur Entspannung, zum richtigen Atmen und den Unterschied von Anspannung und Entspannung kennen. Auf diese Weise können viele negative Impulse aus Alltag und Schule positiv beeinflusst werden, beispielsweise Reizüberflutung, Leistungsüberforderung, Anspannung und Stress.

Yoga stärkt ganzheitlich Körper, Geist und Seele

Dies gilt prinzipiell für alle Schüler und damit auch oder sogar besonders für Schüler mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf. Zu den üblichen Anforderungen, wie Leistungsdruck, Konflikte mit Klassenkameraden etc., müssen sie oft zusätzlich die Auswirkungen und Probleme ihrer Behinderung verarbeiten. Tagtäglich werden sie damit konfrontiert, sich mit Nichtbehinderten vergleichen und sich an den Normleistungen messen lassen zu müssen.

Yoga ist in der Lage, einen wirkungsvollen Gegenpol dazu zu setzen, denn die Yogaübungen gehen ganzheitlich vor. Die Körperübungen stärken  die kindliche Motorik und entwickeln das Körpergefühls und bauen physischr Unruhe ab. Einfache Atemübungen fördern die Konzentration und machen den Wechsel von Ein- und Ausatmung bewusst. Stilleübungen entspannen Seele und Geist.

Jeder übt für sich, so gut er kann

Ohne sich mit anderen vergleichen zu müssen, übt jedes Kind in seinem eigenen Tempo, in seinem Könnensbereich. Die Schüler lernen, ihrem Körper mehr zuzutrauen, sich selbst zu vertrauen und auch kreativ zu werden, indem sie zum Beispiel eigene, weitere Körperhaltungen erfinden.  Sie setzen das ureigenste Prinzip des Yoga ganz einfach um: Jeder geht so weit in die jeweilige Körperhaltung hinein, wie es ihm gut tut. Deshalb haben hier Wettbewerb oder das Sich-Vergleichen-müssen nichts verloren. Es geht um Bewegungsfreude und das Kennenlernen des eigenen Körpers. Mit dieser Maßgabe üben die Schüler ganz selbstverständlich die angebotenen Haltungen. Die Unterrichtsstunden sind daher oft geprägt von einer leichten und fröhlichen Stimmung. Durchgearbeitet und ausgeglichen zugleich gehen die Schüler danach zurück in ihre Klasse.

Die traditionelle Bildsprache des Yoga erweist sich für einen kindorientierten Ansatz als sehr hilfreich. Besonders Schüler im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung haben oft Schwierigkeiten, rein verbale Anweisungen zu verstehen und umzusetzen. Daher eignen sich die Yogaübungen mit ihren bildhaften Namen besonders gut, um aus der Vorstellungskraft heraus umgesetzt werden zu können.

Das „Lernen am Modell“ als führende Vermittlungsmethode wirkt entlastend, da es eine leicht nachvollziehbare Lernform ist, bei der jeder Schüler ganz mit sich selbst üben kann, so gut er es eben kann. Die besondere Verbindung zur Lehrkraft entsteht aus den individuellen Hilfestellungen und vorsichtigen Korrekturen, die sich überaus positiv auf den gesamten Lehrer-Schüler-Bezug auswirken können.

Yogaübungen in den Schulalltag integrieren

Eine Schulwoche ist anstrengend:  Sie bringt auch für die Schüler zuweilen Anspannung, Müdigkeit oder Gereiztheit mit sich. Es empfiehlt sich daher, ein Repertoire an passenden Entspannungs- und Yogaübungen auszuwählen, die diese negativen Auswirkungen etwas abmildern oder ausgleichen können. Es bietet sich daher an in ritualisierter Form solche Entspannungs- und Yogaübungen in den Schulalltag zu integrieren: im Morgenkreis, in Rhythmikstunden oder als Bewegungspause zwischendurch.

Wenngleich Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung zunächst einmal Schüler sind, so benötigen sie doch zusätzliche spezifische körperliche und/oder seelisch-psychische Unterstützung bei den Übungen. Dabei ist es von Vorteil, wenn die Lehrkraft  eigene Yoga-Erfahrungen hat, so kann sie diese besser auf die Schüler übertragen bzw. die Übungen entsprechend anpassen.

Ein Zugewinn an Ausgeglichenheit ist dabei allen sicher — und überträgt sich sowohl auf den Unterricht als auch auf den außerschulischen Alltag der Schüler.

Claudia Omonsky

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