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Selbsteinschätzungsbogen

Zielvereinbarungen motivieren Kinder zu besserer Leistung

Mit einem vorbereiteten Selbsteinschätzungsbogen erkennen die Kinder ihre Stärken und Schwächen und können zusammen mit der Lehrereinschätzung eigene Ziele, die sie erreichen wollen, auswählen und formulieren. Ein gemeinsames Gespräch von Lehrer, Eltern und Kind schafft die nötige Verbindlichkeit dieser Ziele.

Selbsteinschätzungsbogen: Zielvereinbarungen motivieren Kinder zu besserer Leistung Die Freude ist groß, wenn Schüler ihre selbstgesteckten Ziele erreicht haben © contrastwerkstatt - Fotolia.com

„Wie kann ich es erreichen, dass Max konzentrierter arbeitet?“, fragt Anne ihre Kollegin. Wie Kinder es schaffen, ihre Stärken und Schwächen zu reflektieren, Lernprozesse zu überdenken und sich Ziele für die Weiterarbeit zu stecken, beschäftigt viele Lehrer. Kinder benötigen für die Reflexion ihres Lern-, Sozial- und Arbeitsverhaltens Hilfestellungen, da sie gerade in der Grundschule noch nicht in der Lage sind, diese Leistung selbstständig zu erbringen. Eine Selbsteinschätzung ab Klasse 2 in Form eines Fragebogens eignet sich hier für diesen Prozess. Ein Selbsteinschätzungsbogen, angelehnt an die Kompetenzbereiche der Bildungsstandards, hilft in der Reflexion und Aufdeckung von Stärken und Schwächen. Es lohnt sich sowohl überfachliche Kompetenzen zum Arbeits- und Sozialverhalten sowie fachliche Kompetenzen (beispielsweise der Hauptfächer Deutsch und Mathematik) abzufragen. Zum Abgleichen sollte im Anschluss die Kindereinschätzung der Einschätzung des Klassenlehrers und der Fachlehrer gegenübergestellt werden. In einem Gespräch mit dem Schüler gemeinsam mit den Eltern werden anschließend die verschiedenen Einschätzungen betrachtet.

Erstellung eines Selbsteinschätzungsbogens

Im Selbsteinschätzungsbogen sollten die Formulierungen für die Kinder verständlich formuliert sein. Damit Schüler und Lehrer Bereiche einschätzen können, sollte der Bogen zwei Ankreuzmöglichkeiten mit drei Abstufungen enthalten: Nach einem Ich-Satz, wie beispielsweise „Ich gehe mit anderen höflich und respektvoll um“, sollte es drei Spalten für die Kindereinschätzung und drei Spalten für die Lehrereinschätzung geben. Für die Kinder sind Smileys ideal: ein lächelnder Smiley für Zustimmung, ein Smiley mit geradem Mund für „geht so“ und ein Smiley mit traurigem Mund für nicht zutreffend.

In den Lehrerspalten können die Einschätzungen „ja“, „manchmal“ und „nein“ verwendet werden. Ich-Sätze im Bereich Sozialverhalten könnten beinhalten: höflicher und respektvoller Umgang miteinander, Selbsteinschätzung, Zurückhaltung, soziales Engagement, Einhaltung von Regeln und friedliche Konfliktlösung. Zum Arbeitsverhalten gibt es viele zu ermittelnde Bereiche wie beispielsweise strukturiertes Arbeiten, Konzentration, Arbeitstempo, Selbstständigkeit, Motivation, Zuhören, Beteiligung am Unterricht, Ordnung, Erledigung der Hausaufgaben, Orientierung und Zurechtfinden mit Material etc.

Für Deutsch ist die Orientierung an den Kompetenzbereichen sinnvoll. Hier sollten Abfragen zu „Sprechen und Zuhören“, „Schreiben“, „Lesen und Umgang mit Texten“ und „Sprache untersuchen“ angedacht werden. In Mathematik können sowohl arithmetische und geometrische Inhalte als auch erworbene Kompetenzen in den Größenbereichen Zeit, Geld, Gewichte, Längen und Hohlmaße abgefragt werden, je nach Bearbeitungsstand. Da in den Fächern Deutsch und Mathematik je nach Jahrgangsstufe die Anforderungen steigen, sollte mit wenigen Ich-Sätzen in Klasse 2 begonnen werden. Die Formulierungen können in Klassen 3 und 4 erweitert oder verändert werden, ebenso kann die Anzahl der Abfragesätze nach Klassenstufe variieren.

Ausfüllen und Auswerten des Einschätzungsbogens

Ab Klasse 3 können die Kinder sinnentnehmend lesen und den Selbsteinschätzungsbogen selbstständig in der Schule ausfüllen. In Klasse 2 ist es ratsam, das Ausfüllen gemeinsam durch das Vorlesen der Texte im Unterricht zu erleichtern.

Damit eine unbeeinflusste Lehrereinschätzung gegenübergestellt werden kann, sollte die Einschätzung vom Klassenlehrer und ggf. vom Fachlehrer zunächst ohne Einsicht in die Kindereinschätzungen auf einem Extrabogen erfolgen. Danach werden die Ergebnisse in die Kinderfragebögen übertragen, denn eine Gegenüberstellung beider Einschätzungen ist für die Vorbereitung des Gesprächs nötig.

Zur Vorbereitung eines Eltern-Lehrer-Kind-Gesprächs sollte der Lehrer den Bogen zur besseren Übersicht wie folgt markieren: Einschätzungen, die bei Lehrer und Kind übereinstimmend im positiven Bereich liegen, können grün markiert werden, hier besteht kein Handlungsbedarf. Bereiche, die Lehrer und/oder Kind im negativen Feld angekreuzt haben, können rot markiert werden. Für das Gespräch bedeutet dies Folgendes: Es sollte über die roten Felder gesprochen werden: Hieraus sollten zwei bis drei Ziele entstehen, an denen das Kind arbeiten möchte.

Ablauf Eltern-Lehrer-Kind-Gespräch

Zu einem gemeinsamen Gespräch werden die Eltern ab Klasse 2 am besten jährlich gemeinsam mit dem Kind eingeladen. Es sollte dafür ausreichend Zeit zur Verfügung stehen, da der Schüler im Mittelpunkt des Gespräches steht. Ein Zeitrahmen von 30 Minuten, besser 45 Minuten ist anzudenken.

Zu Beginn des Gesprächs erläutert der Lehrer allen Beteiligten, dass zunächst nur er und das Kind sich austauschen, da beide schon vorbereitet sind. Die Eltern werden um Zurückhaltung gebeten. Fragen ihrerseits können im Anschluss geklärt werden. Für dieses Gespräch ist ein runder Tisch ideal, damit alle Beteiligten die ausgefüllten Selbsteinschätzungsbögen einsehen können.

Die Lehrkraft erklärt dem Schüler und seinen Eltern die bereits markierten Bereiche: „Zunächst schauen wir uns die grünen Bereiche an. Dies sind Bereiche, in denen wir beide gute Bewertungen gegeben haben.“ Ein Lob zur Anzahl und das Nennen einiger erfreulicher Bereiche ermutigen das Kind zu eigenen Beiträgen. Da grüne Bereiche bei den meisten Kindern überwiegen, ist dies ein guter Einstieg ins Gespräch.

Im weiteren Verlauf werden die rot markierten Bereiche angeschaut. Der Schüler kann erläutern, warum er diese Bereiche angekreuzt hat und welche Sorgen und Probleme er diesbezüglich hat. Sein Klassenlehrer ergänzt die Ausführungen durch die von ihm angekreuzten Schwächen und seine Unterrichtsbeobachtungen.

Im Anschluss soll der Schüler zwei bis drei Bereiche auswählen, die er verbessern möchte. Dazu wird er gebeten, eine eigene Formulierung für sein Ziel zu finden, die der Lehrer notiert. Es fällt den Kindern leichter, an der Erreichung des eigenen gewünschten und in eigenen Worten formulierten Ziels zu arbeiten. Am Anfang benötigt der Grundschüler eventuell eine Hilfestellung, in weiteren Gesprächen klappt dies immer besser und treffsicherer. Ein Ziel eines Schülers könnte beispielsweise sein: „Ich übe täglich lautes Vorlesen“ oder „Ich fange sofort mit meiner Arbeit an“.

Die Frage, welche Hilfe er für seine Zielerreichung benötigt, ist ebenfalls sinnvoll. Absprachen dazu können getroffen und notiert werden: beispielsweise können die Eltern zu Hause das Vorlesen üben, ein ruhiger Sitznachbar kann hilfreich sein, die Menge der Aufgaben könnte reduziert werden etc.

Bevor das Gespräch endet, können die Eltern zu Wort kommen. Oft passiert es, dass sie stolz und sprachlos sind, aufgrund der überzeugenden Selbstreflexion und der Zielformulierung ihres Kindes. Für die Kinder selbst ist dieser Prozess sehr effektiv: Sie erhalten ihre Ziele zur täglichen Erinnerung als Karte von ihrem Lehrer. Diese kleben sie sichtbar auf den Tisch im Klassenraum oder legen sie in ihr Mäppchen.

Nach einer gewissen Zeit (vier Wochen bis zu einem Vierteljahr) erfolgt eine erneute Besprechung zwischen Lehrer und Schüler. Oft hat er bis dahin schon Ziele erreicht und diese können gestrichen und/oder modifiziert werden. Bis zum nächsten gemeinsamen Gespräch kann er sich vielleicht bereits weitere Ziele vornehmen. Diese Art der erneuerten und erweiterten Form des Elternsprechtages mit Einbeziehung der Hauptperson, des Kindes, ist eine sehr erfolgreiche Form der Reflexion. Sie bezieht das Kind als aktiv Beteiligten beim Lernprozess mit ein und übergibt ihm eigene Verantwortung für das Erreichung von Lernzielen.

Marion Keil

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