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Interventionsmöglichkeiten

Mit „schwierigen Schülern“ individuelle Sozialziele vereinbaren

Disziplinprobleme in Schulklassen nehmen zu. Oft sind es nur einzelne „Kandidaten“, die den Unterricht erheblich stören und Lehrkräfte besonders viel Zeit und Nerven kosten. — Erziehungswissenschaftler raten in diesen Fällen dazu, individuelle Verhaltensziele zu vereinbaren.

Interventionsmöglichkeiten: Mit „schwierigen Schülern“ individuelle Sozialziele vereinbaren Wenn Schüler sich streiten, sollte man frühzeitig intervenieren und sie an Verhaltensregeln erinnern © Monkey Business - Fotolia.com

„Eigentlich unterrichte ich gerne — wären da nicht die penetranten Störenfriede, die uns Lehrern einen Strich durch noch so gut geplante Unterrichtsstunden machen“, schreibt Michael Felten in seinem Beitrag „Wie knacke ich schwierige Schüler?“ in der ZEIT. Der 61-jährige Lehrer hat einen „Geheimzugang“ zu schwierigen Schülern entdeckt: Grundsätzlich ist er davon überzeugt, dass er es nicht „mit kleinen Teufeln“ zu tun hat, sondern „mit hochenergetischen Wesen, die dieselben Bedürfnisse haben wie wir alle: soziale Beachtung und (…) Erfolg“. Zunächst versucht Felten zu ergründen, warum sich ein Schüler kontraproduktiv verhält, welche Ziele er verfolgt und wo seine Stärken liegen („Verständnis“). Hier setzt der Pädagoge dann an („Verlockung“). Eine wohlwollende Haltung gegenüber „schwierigen Kindern“ ist auch für Dr. Jens Barnitzky grundlegend. Der Erziehungswissenschaftler setzt dabei zudem auf den verantwortungsbewussten Dialog mit dem Kind, auf eine tragfähige Beziehung und auf individuelle Förderung. („‚Schwierige Kinder‘ — Was tun?“, S. 224) „Erkenne den Grund [für das Verhalten des Kindes]“ — das ist für den Pädagogen ebenfalls ein zentrales Prinzip im Umgang mit schwierigen Schülern, denn „nur dann kann eine Intervention bei der Ursache ansetzen“, so Barnitzky an anderer Stelle („Schwierige Kinder, schwierige Klassen ‘ — Was tun, wenn es ‚brennt‘?“, S. 12 f.).

Ziele formulieren, kommunizieren und reflektieren

Den Schülern ist „oft nicht ganz klar, was genau sie falsch machen“, so Barnitzkys Beobachtung. Hier helfen den Kindern klare „Ansagen“ in Form von ein bis zwei Verhaltenszielen. („‚Schwierige Kinder‘ — Was tun?“, S. 222) Sie sollten „möglichst kurz, einfach und positiv“ formuliert sein und mit „Ich …“ beginnen. Die Lehrkraft sollte auch unbedingt darauf achten, dass das Kind genau weiß, was zu tun ist. Ein Beispiel: Das Ziel „Ich rede, wenn ich an der Reihe bin“ überfordert so manchen Schüler möglichweise (Was bedeutet „an der Reihe sein“?) In einem solchen Fall passt vielleicht besser „Ich melde mich“, denn das lässt keinen Spielraum für Interpretationen. — Eine kleine Liste mit Verhaltenszielen, differenziert nach Sozial- und Arbeitsverhalten sowie nach Gesprächsregeln, unterstützt den Lehrer bei der passenden Formulierung.

Es folgt ein Gespräch, bei dem der Lehrer mit dem Schüler (evtl. auch mit dessen Eltern und seinen Kollegen) die Verhaltensziele vereinbart. Dabei sollte er spüren, dass der Lehrer an seiner Seite ist, und verstehen, „warum ein bestimmtes Verhalten wichtig ist, z. B., weil das Kind selbst und auch die anderen so besser lernen können.“ (ebd.)

Das Reflexionsgespräch — Zentrum der Strategie

Auch sollte der Lehrer von vornherein bestimmte Unterrichtsstunden festlegen, in denen der Schüler verstärkt an seinem Verhalten arbeitet. — Die Beschränkung auf bestimmte Stunden ist eine Frage der Ressourcen: Denn nach den Stunden sollten Lehrer und Schüler regelmäßig ein Reflexionsgespräch führen und dabei bewerten, ob bzw. inwieweit das Verhaltensziel erreicht werden konnte. Ein Beispielgespräch mit Anregungen zur Gesprächshaltung („stets freundlich und zugewandt, auch wenn es zuvor heftige Konflikte gab“) sowie zu Gesprächstechniken unterstützt den Lehrer dabei, sich beharrlich auf das Verhaltensziel zu fokussieren, auch wenn die Schüler vom Thema abzulenken versuchen (ebd., S. 225 ff.).
Beim Reflexionsgespräch geht es nicht etwa um „simple Verstärkersysteme“, sondern um den Erwerb sozialer Kompetenzen: Die Kinder lernen hier, „ihr eigenes Verhalten wahrzunehmen“, „ihr Verhalten zu beurteilen“ und „,in den entsprechenden Situationen ihr Verhalten richtig zu steuern, anstatt erst im Nachhinein den Fehler zu erkennen“. (Ebd., S. 226) Unterstützend dazu kann noch ein kleines Lerntagebuch angelegt werden, in dem die Schüler die Lernentwicklung dokumentieren und kontinuierlich im Blick haben.

Für die Bewertung mit entsprechenden „Reflexionssymbolen“ schlägt Barnitzky Sonne, Wolken und Blitz vor. Anders als Smileys oder ihre Pendants mit neutralem oder weinendem Gesicht beschreiben sie die Atmosphäre und nicht die Gefühle einer Person, etwa des Lehrers (möglicher Fehlschluss des Kindes: „Nicht mein Verhalten, sondern ich mache den Lehrer traurig“).

Aufkleber und „Denkzettel“

Eine Unterrichtsstunde ist für Kinder lang und im Eifer des Gefechts gerät eine individuelle Zielvereinbarung schon einmal in Vergessenheit. Hier helfen kleine Memos am Platz des Kindes: ein Tischaufkleber, der das erwünschte Verhalten beschreibt, eine Tischkarte mit einer kleinen Illustration oder ein Denkzettel mit einem Verhaltensziel, der bei einem Regelverstoß „verpasst“ wird und auch als „Dran-Denkzettel“ fungieren kann. (Vgl. dazu: ErziehungKonkret 3, S. 6) Dazu schneidet man ihn so ein, dass man drei Abreißstreifen erhält. Bei jeder Wiederholung des unerwünschten Verhaltens wird ein Streifen abgerissen. Nach dem dritten Regelverstoß erfolgt dann „eine vorher vereinbarte Sanktion“ (ebd.)

Martina Niekrawietz

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