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Fächerübergreifender Projektunterricht

Alles was Recht ist — Projekt Kinderrechte

Kinderrechte — und das Wissen darum — sind ein wichtiger Bestandteil der Demokratieerziehung. Ein Thema, das sich für einen fächerübergreifenden Projektunterricht geradezu anbietet.

Fächerübergreifender Projektunterricht: Alles was Recht ist — Projekt Kinderrechte Auch Spielen ist ein Kinderrecht, das in manchen Ländern nicht existiert © Renate Wefers - Fotolia.com

Dejan kommt täglich unausgeschlafen und mit dunklen Ringen unter den Augen in die Schule. Er kann sich nicht konzentrieren und beteiligt sich kaum am Unterricht. Auf die Frage, was mit ihm los sei, antwortet er nach einigem Zögern: „Ich kann nicht schlafen. Mein Onkel sitzt fast jedem Abend an meinem Bett und ich habe kein eigenes Zimmer, weil er bei mir schläft.“ — Schüler prügeln sich auf dem Schulhof, Kinder mit anderer Hautfarbe oder Sprache werden gewalttätig angegangen und verhöhnt, Mobbing in der Klasse.

Episoden, die Lehrer fast täglich in der Schule erleben. Die Situation vieler Kinder in ihren Familien ist zum Teil katastrophal. Angefangen über Gewalt und Missbrauch an Kindern bis hin zur Verwahrlosung und Vernachlässigung. Lebensbedingungen, die einer positiven psychosozialen Entwicklung entgegenstehen. Die Folgen sind zunehmende Verhaltensstörungen und emotionale und soziale Beeinträchtigungen. Wo bleiben da die Kinderrechte?

Kinderrechte Bestandteil einer demokratischen Lernkultur

Aus politischer Sicht ist das ein Verstoß gegen die Unverletzlichkeit der Person, die sich nach  demokratischen Grundstrukturen entwickeln können sollte. Gerade für Kinder ist es, neben einer behüteten und liebevoll fordernden Erziehung, ebenso wichtig, in demokratische Grundregeln hineinzuwachsen. In diesem Kontext ist die Erarbeitung der Kinderrechte im Unterricht ein wichtiger Beitrag zur Wissensvermittlung und Förderung sozialer Kompetenzen. „Die bewusste Entwicklung einer demokratischen Kultur mit Kindern ist auch das grundlegende Mittel gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt.“ (in Portmann, Rosemarie: „Kinder haben ihre Rechte. München 2001, S. 7)

Die zu beobachtende dynamische Entwicklung in der Flüchtlingssituation in Europa und die zunehmende Verarmung von Kindern in ihren Familien tragen dazu bei, dass soziales Miteinander erschwert wird — und die Kinder es womöglich nicht lernen. Ebenso stellt die Gewalt, an und durch Kinder und Jugendliche verübt, ein zunehmendes Problem dar.

Links zum Thema:

Übereinkommen über die Rechte des Kindes im Wortlaut und mit Material

„Unser Recht auf Schutz vor Gewalt“ Arbeitsbuch inklusive Übungsbeispiele für Kinder und Jugendliche, Deutsches Komitee für unicef 2007

Der Grundgedanke der „Allgemeinen Menschenrechte“ ist die Verwirklichung der Rechte jedes Einzelnen. Dies schließt die eigene Begrenzung und den Respekt vor dem Recht der anderen mit ein. „Für Kinder wurden die Menschenrechte 1989 in der UN-Kinderrechtskonvention umgesetzt. Die Kinderrechte bieten Kindern einen konkreten Zugang zum Thema Demokratie. Wer seine eigenen Rechte kennt und lebt, achtet auch die Rechte  anderer. Die Kinderrechte sollten Grundlage einer demokratischen Lernkultur sein, überall dort, wo Kinder zusammen leben und lernen.“ (ebd. S.7/8)

Unterschiede akzeptieren lernen

Nun wird die Situation im Unterricht durch zunehmende Verhaltensauffälligkeiten von Schülern und die abnehmende Toleranz und Akzeptanz untereinander schwieriger. Bei der Fülle des Lernstoffs ist es meist nicht leicht, die dafür notwendigen Trainings- und Kompetenzerweiterungsmaßnahmen in den Unterricht zu integrieren. Das Thema Kinderrechte ist gerade in diesem Kontext ein geeigneter Lernstoff, demokratische Grundregeln zu erfahren und zu erleben. Das schließt auch das Leben mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen mit ein, ebenso die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler, denen wir täglich in der Schule begegnen.

Wissen mit eigenen Erfahrungen verknüpfen

Um das Thema Kinderrechte zu bearbeiten, bietet sich fächerübergreifende Projektarbeit an. Denn um ein derart vielschichtiges Thema zu verstehen und zu begreifen, ist eine reine Wissensvermittlung wie im herkömmlichen Unterricht nicht besonders sinnvoll. Die Orientierung am Projekt eröffnet die Möglichkeit, fachliches Wissen, kreative Prozesse und individuelle Erfahrungen miteinander zu verknüpfen. Die unterschiedlichen Methoden der prozessorientierten (mit dem Schwerpunkt, eigenes Wissen zu vermitteln und zu ergänzende Übungen zum Thema selbst zu erproben, die Ergebnisse zu präsentieren und zu besprechen) oder der produktorientierten Projektarbeit (Einbringen der eigenen Erlebnis- und Erfahrungswelt und gezielte Weiterarbeit durch Entwickeln eines eventuellen Bewegungstheaterstückes zu dem Thema) sind dabei hilfreich. Die Projektarbeit impliziert Wahrnehmungs- und Körperübungen, verschiedene Gestaltungen, Rollenspiele, ständige Gespräche und Sachinhaltsvermittlungen.

Informationen handelnd verarbeiten

Für Schüler ist es besonders wichtig, Informationen handelnd (siehe Unterrichtsmaterial zur Projektarbeit) zu erleben. Die meisten von Ihnen haben in ihrem Alltag Verletzungen ihrer eigenen Rechte erfahren. Durch den praxisorientierten Unterricht innerhalb des Projektes werden ihnen die Inhalte deutlicher bewusst und sie können Erlebtes besser verstehen oder einordnen. Wenn ein Schüler über eigene Erfahrungen berichten möchte, so sollte ihm die Zeit dazu gegeben werden. Die Erfahrungen lassen sich den Kinderrechten meist zuordnen.

Der fächerübergreifende,  handlungsorientierte Unterricht zu den Kinderrechten kann Schülern helfen, sich selbst anders wahrzunehmen, mit Unterstützung  die eigenen Ressourcen zu nutzen und fachliche Informationen auf spielerische Weise zu erhalten. Schlüsselkompetenzen wie Verantwortungsfähigkeit, Sozialverhalten und Werthaltungen werden gefördert und führen zu einem friedlicheren und respektvolleren Umgang miteinander.

Angela Hentschel

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