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Unterrichtsalltag

Lernen bewegt — mit Bewegung lernen

Kinder und Bewegung gehören untrennbar zusammen. Warum dann nicht das Lernen bewegt gestalten? Kleine Bewegungseinheiten lockern nicht nur den Unterricht auf, sondern fördern auch die Konzentration und die Freude am Lernen.

Unterrichtsalltag: Lernen bewegt — mit Bewegung lernen Kleine Bewegungsunterbrechung mit großer Wirkung fürs Wohlbefinden und mehr Freude am Lernen © oksix - stock.adobe.com

Max wollte schon als kleines Kind unbedingt Radfahren. Er stieg mit Vorliebe in den Kinderfahrradsitz seiner Eltern, sauste später auf seinem Laufrad herum und sollte endlich im Vorschulalter ein eigenes Kinderrad bekommen — er war damit glücklich und kaum mehr ohne dieses zu sehen. Spazierengehen hingegen fand er immer zu anstrengend und zeigte kaum Durchhaltevermögen. Es wurde sehr deutlich, welche Bewegung Max bevorzugte und mit welcher er dauerhaft nicht zufrieden sein würde.

Kinder und Bewegung gehören untrennbar zusammen. Sie wollen toben, spielen, rennen, springen und klettern. Auf natürliche Weise sorgen sie damit selbst für eine gesunde körperliche Entwicklung. Darüber hinaus helfen Spiel und Bewegungsfreude beim Lernen, sie steigern die Leistungsbereitschaft und den Willen zur Anstrengung. Auch das Zusammensein mit anderen fördert die psychosoziale Entwicklung.

Einen bewegten Unterricht gestalten

Ein Unterricht, der das Bewegungsprinzip in den Fokus rückt, will motorische und sensorische Fähigkeiten fördern, damit der Schüler auch in seiner Schulzeit eine eigenaktive und zielgerichtete Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und der Umwelt erlebt. Dabei wird der eigene Körper mit neuen Möglichkeiten, aber manchmal auch Einschränkungen erfahren. Bewegungsmöglichkeiten werden spielerisch erprobt und initiiert, entsprechende Hilfen angeboten.

Die Bewegungsförderung kann immer an unterrichtliche Inhalte angebunden werden und muss nicht ausschließlich in den Sportunterricht oder die Pause verlegt werden. Besonders bei Formen des offenen Unterrichts wie Lerntheke, Stationenarbeit oder Freiarbeit können Bewegungsaufgaben als Teil der Arbeitsaufgabe methodisch eingearbeitet werden. So werden mit dem bewegten Lernen die Aspekte von Verhaltensänderung, z. B.  durch Beobachtung und Nachahmung, wie auch der Wissenserwerb, z. B. durch Problemlösung und Transfer, erfolgreich integriert.

Literaturtipp:

Helmut Köckenberger: Die Chefstunde — Lesen, Schreiben, Rechnen lernen mit dem ganzen Körper. Dortmund 1997, 2. Auflage

Renate Zimmer: Kreative Bewegungsspiele. Freiburg 2001

Renate Zimmer: Handbuch der Psychomotorik. Freiburg 1999

Verschiedene Bewegungsformen einplanen und fördern

In diesem Prozess kann man den eigentlich nicht sichtbaren Vorgang der motorischen Entwicklung fördern, indem man viele verschiedene Bewegungsaspekte kontinuierlich einbaut. Denn damit die Schüler sich bewegen können, brauchen sie eine förderliche Umgebung, Zeit, aber auch Motivation und Wahrnehmung.
Die Prinzipien des Bewegungslernens:

  • Eine bewegungsreiche Umwelt fördert die Beweglichkeit, das Körpergefühl und die Wahrnehmung: Gestaltung des Klassenzimmers (auch) als Bewegungsraum, Einbezug gemeinsamer Bewegungsphasen, Anregung durch Bewegungsgegenstände, z. B. Rollbrett, Heidelberger Treppe, große Schaumstoffwürfel usw.
  • Das Prinzip der Selbsttätigkeit konsequent anwenden zur Förderung von Eigenwirksamkeit und Selbstbewusstsein, Kreativität und zielgerichtetem Denken: Die Schüler dürfen ohne Hilfe Dinge mit genügend Zeit ausprobieren. Sie dürfen dabei auch scheitern, sollten aber dennoch die Wirksamkeit des eigenen Handelns erfahren können. Dabei spielen die angebotenen Materialien eine große Rolle. Denn mit dem Materialumgang bauen sich neue Kompetenzen auf, vor allem wenn diese neu sind und zunächst noch eine Herausforderung darstellen.
  • Kontakt mit anderen Schülern, Sozialerfahrungen und die Rolle des Partner-Seins wollen ebenfalls geübt werden: Sie fördern Toleranz und Rücksichtnahme, schulen das Regelverständnis und Konfliktverhalten. Die Schüler sollen hierbei selbst aktiv sein dürfen, ohne dass ihnen durch Erwachsene alles vorgegeben wird. Der Spaßfaktor spielt ebenfalls eine große Rolle, denn es soll hier ohne Leistungsdruck oder Vergleich gearbeitet werden dürfen.
  • Mit bewegtem Lernen schult man vor allem die Körpererfahrung: Der eigene Körper rückt stärker in den Wahrnehmungsfokus, nicht nur kognitive Leistungen gelten. Die Schüler lernen ihn besser kennen und können so ihr Körpergefühl verbessern. Nicht zuletzt beginnt mit der Beziehung des eigenen Körpers zum umgebenden Raum auch die Voraussetzung zum logischen Denken.
  • Anregungen zur Bewegungsförderung in Verbindung mit Unterricht:
  • Bewegung im Freien: Nicht nur die kleinen Pausenhofspiele, auch Unterrichtsgänge und das Grüne Klassenzimmer sind geeignete Lernorte für bewegtes Lernen. Schulgartenprojekte, ein Kreide-Hüpfparcours oder Land-Art-Projekte im Kunstunterricht bieten viele unterrichtliche Möglichkeiten, um Bewegung einzubauen.
  • Alltagsmaterialien: Viele Haushaltsutensilien, die günstig zu beschaffen sind, bieten lustige und herausfordernde Bewegungs-Spielideen, z. B. Wäscheklammer-Fangspiel, Geräusche-Memo, Bierdeckelbalancieren und Zeitungspapier-Flussüberquerung. Wenn man diese bereits bekannten Spielprinzipien mit kognitiven, aktuellen Inhalten verknüpft, wird man damit immer wieder begeisterte Schüler zur Mitarbeit motivieren.
  • Bewegungsspiele: Mit ihrer hohen Bewegungsintensität sind Bewegungsspiele bei Schülern äußerst beliebt. Nur wird die Umsetzung meist durch die Räumlichkeiten eingeschränkt und insofern auf Turnhalle und Pausenhof beschränkt. Mit spielerischen Kleinformen kann dies jedoch auch wieder stärker in das Klassenzimmer zurückgeholt werden, z. B. im Morgenkreis mit „Morgengymnastik“ oder bei „Musikstopp“ in Verbindung mit Rechenaufgaben oder bei „Feuer-Wasser-Luft“ in Verbindung mit Quizfragen. Jüngere Schüler sind durchaus auch noch empfänglich für Finger- und Geschicklichkeitsspiele.
  • Entspannung und Bewegung: Doch nicht nur das Toben und Ausagieren, sondern auch die ruhige Entspannung wird durch Bewegung erreicht. Angebote aus dem Yoga und den Entspannungstechniken wie Autogenem Training oder aus der Progressiven Muskelentspannung können kindgerecht aufbereitet eine angenehme Abwechslung im Unterricht darstellen.

Kontinuierlich kann eine systematische Bewegungsförderung im Sinne eines Unterrichtsprinzips relativ leicht in den Unterrichtsalltag eingebaut werden. Der Unterricht gestaltet sich dadurch rhythmisierter und abwechslungsreicher, und auch die Konzentration wird durch häufige kleine Bewegungseinheiten geschult. Der etwas höhere Zeiteinsatz für motorische Aufgaben im Unterricht wird neben den genannten Vorteilen auch mit insgesamt höherer Lernfreude und Motivation belohnt.

Claudia Omonsky

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