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Medienkompetenz

Tipps für Basales Spiel bei starker Behinderung

Spielen ist ein wichtiger Entwicklungsbaustein von Kindern. Im Unterricht mit Schülern und Schülerinnen, die eine schwere Behinderung haben, gibt es einige Grundvoraussetzungen zu berücksichtigen, um erfolgreich spielen zu können.

Medienkompetenz: Tipps für Basales Spiel bei starker Behinderung Greifen und fühlen als Spielerlebnis © Claudia Omonsky

„Nochmal!“, tönt es aus dem Sprachausgabegerät, das Max immer wieder neu betätigt. Der Junge mit einer schweren Behinderung hat vor Aufregung gerötete Wangen und spielt mit seinen Mitschülern ein Würfelspiel. Wie ist das vorstellbar?

Spielen ist ein wichtiger Entwicklungsbaustein und ein Grundbedürfnis, sozusagen der natürliche Daseinszustand von Kindern. Alle Kinder spielen- auch die mit einer schweren Behinderung. Spielen bedeutet in erster Linie Spaß und natürlich viele weitere emotionale Zustände wie Aufregung, Anstrengung, Frustration, Ehrgeiz, Triumph. Spiele dienen als Medium für bestimmte entwicklungsorientierte Lernbereiche wie Motorik oder Sozialkompetenz. Erst im weiteren Entwicklungsfortschritt werden auch verschiedene Spielarten erlernt, z. B. das Regelspiel oder das szenische Spiel.  
Im Unterricht mit Schülern und Schülerinnen, die eine schwere Behinderung haben, gibt es einige Grundvoraussetzungen zu berücksichtigen. Vor allem im Hinblick auf die Aktivitäten bezüglich Motorik und Kommunikation, sind meist Anpassungen nötig, um erfolgreich spielen zu können.

Zielgerichtete Kommunikation ermöglichen

Welche Hilfsmittel und körpereigenen Gesten aus der Unterstützten Kommunikation (UK) stehen zur Verfügung? Gibt es Talker, Wort- und Bildkarten? Wie komplex ist das Kern- und Randvokabular und wie wird es elektronisch zur Verfügung gestellt? Wörter wie „nochmal, fertig, ich, du, mehr...“ können immer wieder eingesetzt werden. Die situationsbezogenen und kontextorientierten Wörter des Randvokabulars wie z. B. „Karten, Würfel, Spielstein“ helfen zur zielgerichteten Interaktion. Ein Schüler mit einer schweren Behinderung kann sich selbst aktiv erleben, wenn es darum geht, eine Handlung auszulösen, z. B. mit dem Sprachausgabegerät zu sagen „Du bist dran“. Oder etwas zu kommentieren wie etwa „Ich habe Glück“ oder eine Handlung einzufordern wie „Bitte hilf mir beim Ziehen“.

Umfangreiche Beratung und Hilfsmittel für Kommunikationshilfen sind bei den ELECOK-Beratungsstellen oder unter dem Stichwort Unterstützte Kommunikation zu finden.

Weitere hilfreiche Aspekte

  • Motorische Beteiligung verlangt nach Unterstützung bei den grundlegenden Spielhandlungen wie Würfeln, Ziehen, Nehmen & Geben usw. Hier helfen unterstützende Medien und Materialien wie etwa Kartenhalter oder Kartenmischmaschine, aber auch das Würfelrad oder spezielle Spielsteine mit Griffmulde.
     
  • Neben der Gestaltung des Spielmaterials und dem Bereitstellen spezieller Hilfen ist es häufig auch notwendig, die Spieldauer wie auch die Spielregeln zu reduzieren bzw. zu vereinfachen.
     
  • Spiele für mehrere Personen werden meist in einer Kreissituation gespielt, sodass sich runde Spielbretter oder drehbare Spielscheiben anbieten. Im sporttherapeutischen wie auch ergo- und physiotherapeutischen Bereich findet man unter den entsprechenden Suchbegriffen oft pfiffige und einfallsreiche Hilfsmittel und Ideen.
     
  • Bei einigen Schülern und Schülerinnen mit schwerer Behinderung wird das Spielen eher in einer 1:1-Situation mit einer erwachsenen Bezugsperson stattfinden. Die Aufmerksamkeit und Konzentration werden dann auf den gemeinsamen Gegenstand gelenkt und so fokussiert. Die Spielformen weisen dann häufig eine sehr frühe Entwicklungsstufe auf, etwa Vormachen-Nachmachen oder Guck-guck-Spiele. Geben und Nehmen oder Greifen und Loslassen sind dann ein gutes Mittel, um in eine gemeinsame Aktion zu kommen und sich auf die jeweilige Aktivität des Gegenübers einzuschwingen. Hierzu findet man viele Anregungen bei den elementaren Lernaktivitäten und im Bereich Wahrnehmung und Motorik.

Betrachtet man Spielen als einen gelösten Zustand im Flow, dient auch der entspannte und spielerische Umgang mit sich selbst diesem Ziel. Beim Snoezelen findet der Schüler in einer vertrauten und ruhigen Atmosphäre zu Wahrnehmungsreizen, die zu einem basalen Spiel führen können. Über die taktile, olfaktorische und visuelle Stimulation werden isolierte Reize oder auch Kombinationen davon angeboten. Es gibt eigene Raumkonzepte und ausgearbeitete Anwendungsfelder für das Snoezelen (vgl. Krista Mertens, Snoezelen-Anwendungsfelder in der Praxis, Dortmund 2005).

Spielen kann sich bei Schülern und Schülerinnen mit einer intensiven Behinderung bereits schon in kleinsten Veränderungen ihrer Handlungen und ihrer elementaren Bewegungen zeigen. Außerdem sind für das Spielen ohne Hilfsmittel Spielimpulse aus der Umwelt wichtig. Das bedeutet, die Schüler/-innen mit intensiver Behinderung brauchen Bezugspersonen als Gegenüber, welche durch genaue Beobachtung auf diese eingehen können und entsprechende Impulse setzen. Sie verstehen sich als „Spielaufgreifer“. Beispielsweise nimmt die Bezugsperson Geräusche des Kindes mit intensivem Förderbedarf auf und imitiert diese. Dies kann das Kind umgekehrt dazu veranlassen, neue Geräusche zu erzeugen und so mit dem Gegenüber in einen spielerischen Dialog zu treten. Dieses basale Spiel ist wenig planbar, sondern entsteht im Miteinander und einem achtsamen, wachen Umgang. Die Freude an der Tätigkeit und die neuen Erfahrungen, die dabei gewonnen werden können, stehen im Vordergrund.

Weiterführende Literatur: ELECOK Beratungsstellen: Unterstützte Kommunikation spielend leicht. Praxisideen zum gemeinsamen Spielen für Schule und Alltag, Akademie Dillingen, 2017.  
Omonsky, Claudia: Schüler mit intensiver Behinderung fördern – Elementare Lernaktivitäten zu Wahrnehmung und Motorik, Persen 2016.  
Stöppler, Reinhilde/ Havemann Meindert: Spielen will gelernt sein?! Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung, verlag modernes lernen, Dortmund 2016. 

Claudia Omonsky


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