Fach/Thema/Bereich wählen
Arbeit und Technik

Zeugnisberichte schreiben — aber bitte kompetenzorientiert!

Kompetenzorientierte Berichtszeugnisse zu schreiben und Bildungsempfehlungen zu geben, sind eine Herausforderung für Sonderpädagogen. Hilfreich sind dabei Textbausteine, die entsprechend kombiniert werden können.

Arbeit und Technik: Zeugnisberichte schreiben — aber bitte kompetenzorientiert! Eine Zensur, so wie bei diesem alten Zeugnis, ist nicht so aussagekräftig wie ein Zeugnisbericht © Hanna Fischer

Beim Schreiben der Zeugnisse schaut mancher Sonderpädagoge neidvoll auf die Kollegen in der Regelschule, die Notenzeugnisse erteilen, denn Schüler mit besonderem Förderbedarf erhalten Zeugnisse in Berichtform. Einerseits hat dies eine sehr viel größere Aussagekraft als ein Notenzeugnis und lässt Fairness den Schülern gegenüber walten. Andererseits bedeutet dies aber auch sehr viel Arbeit und braucht gewisse Anhaltspunkte als Orientierungsrahmen, an die die Lehrkraft sich halten kann.

Als Fachlehrer erhält man immer wieder die Vorgabe der Klassenlehrer: „Aber bitte kurzhalten.“ Das Dilemma ist hierbei nicht nur „Was soll ich schreiben?“, sondern auch: „Wie kann ich verständlich die wichtigsten Punkte in einen Kurzbericht bringen?“

Hier hilft die Orientierung an den Kompetenzen, die ein Schüler während des Fachunterrichts zeigte. Es geht nicht darum, worin er versagt hat, sondern darum, was er an Kompetenzen zeigte bzw. erworben hat. Nur so kann mit den Informationen aus dem Zeugnis im nächsten Schuljahr sinnvoll umgegangen und daran angeknüpft werden.

Überfachliche Kompetenzen als Richtschnur

Zunächst sind da die überfachlichen Kompetenzen wie die mündliche und schriftliche Beteiligung am Unterricht, der sprachliche Ausdruck, die Zusammenarbeit mit den Mitschülern, das Interesse am Unterrichtsstoff, die in jedem Fach vorkommen, wobei diese Kompetenzfelder je nach Bundesland unterschiedlich benannt werden können:

  • Der Kompetenzbereich „Einstellung und Bereitschaft“ umfasst dabei folgende Kriterien: Ist der Schüler interessiert, aufgeschlossen für Themen aus den Bereichen XYZ? Wie  ausdauernd und motiviert arbeitet er, wie sind seine Wachheit/Konzentration, der Spannungsbogen, das Durchhaltevermögen, die Beteiligung am Unterrichtsgespräch und seine Hilfsbereitschaft zu bewerten?
  • Zum Kompetenzbereich „Selbstständigkeit“ gehören: das Arbeiten ohne/mit Hilfe planen und umsetzen, die eigenen Ergebnisse bewerten sowie Selbstkontrollmöglichkeiten nutzen.
  • „Teamfähigkeit“ beinhaltet: Sich an Regeln und Absprachen zu halten, mit anderen zusammenzuarbeiten sowie andere zu unterstützen.
  • Abstufungen sind dabei: sicher/überwiegend sicher/teilweise sicher/überwiegend unsicher, mit viel/etwas Unterstützung, selbständig.

Weiterführende Links:

Ein Beispiel für sehr einfache kompetenzorientierte Kriterien-Zeugnisse kann man hier ansehen.

Ein Konzept der Leistungsbeurteilung von Schülern mit dem Förderschwerpunkt Lernen und Formulierungshilfen dazu finden Sie auf der Website der Erich Kästner-Schule.

Formulierungshilfen für verschiedene Unterrichtsfächer gibt es hier sowie hier. Eine PDF-Datei für die Grundschule bietet ebenfalls Anhaltspunkte.

Schülerbeurteilungen mit Textbausteinen zum Anklicken gibt es hier.

Fachspezifischen Kompetenzen

Die fachbezogenen Kompetenzen für den Bereich Arbeit und Technik, die die Schüler erwerben können und die schließlich in das Berichtzeugnis einfließen, teilen sich wie folgt auf und werden folgendermaßen bewertend beschrieben:

  • Für den Kompetenzbereich Arbeitsorganisation: Arbeitsplatz einrichten, Orientierung im Fachraum, Ordnung am Arbeitsplatz, Arbeitsmittel und Materialien heraussuchen sowie das Aufräumen.
  • Kompetenzbereich fachbezogene Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten: Der Schüler besitzt Kenntnisse über XY, kann Abläufe und Vorgänge wahrnehmen, einen Sachverhalt erklären, nach Ursachen fragen, Zusammenhänge und Probleme erkennen, Fragestellungen entwickeln und überprüfen. Er kann einen Sachverhalt oder Lösungsversuch sprachlich, zeichnerisch darstellen und Gelerntes in der Umwelt wiedererkennen.
  • Beim Umgang mit Werkzeug geht es um fachgerechten, aufgabengerechten Einsatz von Werkzeugen, Kenntnis über Gefahren (z. B. beim Umgang mit der Nähmaschine), Krafteinsatz und Geschicklichkeit.
  • Beim Umgang mit Materialien geht es um Sorgfalt, Umsicht, Qualität der hergestellten Produkte. Unterscheidet der Schüler geeignete technische Lösungen von ungeeigneten, findet er eigene Lösungen für ein technisches Problem und kann er technische Lösungen ausführen?
  • Wichtig ist auch, dass die Schüler benutzte Hilfsmittel benennen können: wie Druckschere, spezielle Halterungen, Schablonen, Phasenmodelle und Ähnliches.
  • Für abstufende Formulierungen gibt es viele aussagekräftige Beschreibungen: nach kurzer Einweisung oder nach genauer Anleitung selbstständig, mit (sehr viel, viel, ein wenig, gelegentlicher, zeitweiser) Unterstützung, aufmerksam, genau, umsichtig, geschickt, ausdauernd, einfallsreich, kreativ, von sich aus, nach Aufforderung oder Ermutigung, sehr sicher, sicher, unsicher, schwankend, sehr unsicher, häufig, gelegentlich, selten oder voll, weitgehend, teilweise.
  • Benötigt der Schüler wenig oder viel Zeit? Kann er sehr klare, begrenzte Arbeitsaufträge erledigen oder sehr kleine, überschaubare Einheiten? Geschieht etwas häufig, gelegentlich oder selten?

Beispiele für Kurzberichte

Die folgenden Beispiele sind als Anregung für Zeugnis-Kurzberichte gedacht.

Anton arbeitete interessiert, überaus selbstständig, umsichtig und ausdauernd im Technikunterricht mit. Seine mündlichen und praktischen Beiträge waren gut. Nach kurzer Einweisung kam er allein zurecht und ging geschickt mit Werkzeugen und Materialien um. Stets hinterließ er seinen Arbeitsplatz sehr sauber. Gern unterstützte A. seine Mitschüler, arbeitete konstruktiv im Team und kam zu guten Arbeitsergebnissen. Er stellte selbstständig XYZ her. Er bewies Zuverlässigkeit und eine große fachpraktische Kompetenz.

Britta arbeitete aufmerksam und ausdauernd mit großer Unterstützung ihrer Betreuerin im Technikunterricht mit. Werkzeuge und Materialien probierte sie sehr gern und neugierig aus und freute sich über ihre Arbeitsergebnisse. Zum Schneiden benutzte sie eine spezielle Druckschere. Beim Nähen mit der Maschine betätigte sie mit der linken Hand den Fußanlasser. Spielerisch und mit Freude nahm sie am Unterrichtsgeschehen teil, nahm gern alles in die Hand und half nach ihrem Vermögen mit bei der Herstellung eines XYZ.

Cem nahm engagiert und konzentriert am Technikunterricht teil. Auch für ihn schwierige Arbeiten mit verschiedenen Werkzeugen sowie der Nähmaschine führte er gewissenhaft und geduldig aus. Seine Ausdauer war gut. Bevor er sich Hilfe holte, probierte er stets, selbst eine Lösung zu finden und beurteilte seine eigene Leistung kritisch. Nach genauer, auch mehrfach wiederholter Anleitung ging er recht selbstständig mit Werkzeugen und Materialien um. Cem stellte größtenteils selbständig ein XYZ her.

Beim Verfassen von Zeugnisberichten geht es darum, ausschließlich die wesentlichen Merkmale zu beschreiben. Alles Nebensächliche wird weggelassen. Lässt sich zu einem Aspekt nichts Wichtiges berichten, sollte er gestrichen werden. Die oben aufgeführten Vorschläge und Beispiele dienen zur als Vorschlag zur Auswahl, was zu einem bestimmten Schülerbericht gehört und passt.

Hanna Fischer

Dazu passender Ratgeber
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Unterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×