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Entdeckendes Lernen

Ein Museumsbesuch als Ausgangspunkt für eigene Entdeckungen

Gerade im Bereich sonderpädagogische Förderung stößt entdeckendes Lernen immer wieder an Grenzen. Dennoch kann es, an die Bedürfnisse der Schüler angepasst, zum Beispiel bei einem Museumsbesuch erfolgreich eingesetzt werden.

Entdeckendes Lernen: Ein Museumsbesuch als Ausgangspunkt für eigene Entdeckungen In einem Freilichtmuseum können Schüler auf Entdeckungsreise gehen © dk-fotowelt - Fotolia.com

Viele Lehrer setzen große Erwartungen in das entdeckende Lernen. Ein Argument ist, dass die Schüler sich zu späteren Zeitpunkten an Zusammenhänge besser erinnern könnten, wenn sie diese durch entdeckendes Lernen erfahren haben. Kann man diese Form des Lernens auch mit Schülern einer Förderschule (SBBZ Lernen) durchführen?

Schüler mit besonderem Förderbedarf haben häufig das Problem, dass sie aufgrund ihrer kognitiven Schwächen Schwierigkeiten beim logischen Denken haben. Das Erkennen von Zusammenhängen und die damit notwendigen Transferleistungen sind oft eine große Hürde, um zum Erfolg zu kommen. Auch beim Dokumentieren von Beobachtungen kommen manche schnell an ihre Grenzen. Das Beschreiben in verständlichen Sätzen fällt manchem Schüler schwer, von orthografischen Regeln und grammatikalisch richtigem Satzbau ganz zu schweigen.

Dennoch bin ich der Auffassung, dass auch Förderschüler beim entdeckenden Lernen ihre Freude und Erfolge haben können. Wichtig ist meines Erachtens, dass für die Dokumentation Hilfestellungen gegeben und eventuell auch Vorgaben gemacht werden, damit das entdeckende Lernen auch klappt.

Ein Beispiel: ein Freilichtmuseum bietet Raum für Entdeckungen

Gute Erfahrungen mit entdeckendem Lernen habe ich beispielsweise bei Museumsbesuchen gemacht. Museumsbesuche können, wenn der Besuch entsprechend vorbereitet und geplant wird, ein tolles Erlebnis und Lernerfahrung für Schüler sein. Ich möchte dies am Beispiel des Themas „Schwarzwald“ darstellen, das je nach Schulcurriculum in baden-württembergischen Schulen meist in Klasse 6 oder 7 behandelt wird. Im mittleren Schwarzwald gibt es im Gutachtal das Freilichtmuseum „Vogtsbauernhöfe“, das mit zahlreichen Gebäuden, Ausstellungen, Führungen und Mitmachmöglichkeiten einen großen Einblick in das Leben der schwarzwälder Bauern bietet. Es gibt also dort viel zu entdecken.

Wie kann man nun aber entdeckendes Lernen erfolgreich in einen solchen Museumsbesuch integrieren? ? Mit einer gut geplanten Museumsrallye, die die Schüler in Kleingruppen allein durchführen, können erfolgreiche Lernerfahrungen gemacht werden. Förderschüler benötigen meines Erachtens aber klare Aufgaben- beziehungsweise Hilfestellungen, um erfolgreich und eigenständig einen Museumsbesuch durchführen zu können.

Kleine Hilfen beim Entdecken

In den Vogtsbauernhöfen gibt es zahlreiche Infotafeln, einige Angebote Dinge selbst auszuprobieren, Führungen und natürlich unzählig viele Möglichkeiten die zahlreichen Gebäude von außen und innen zu besichtigen. Damit die Schüler möglichst viele Eindrücke von diesem Freilichtmuseum erfahren können, wurde eine Museumsrallye erstellt. Hierbei kommen unterschiedliche Aufgaben und Fragestellungen zum Einsatz, damit die Abwechslung möglichst groß ist. Wenn die Klasse in Kleingruppen eingeteilt wird, können die Gruppen an verschiedene Stellen des Museums geschickt werden, um dann der Reihe nach alle Stationen abzuarbeiten. Die Lösungen können später gemeinsam im Unterricht verglichen und besprochen werden.

Welche Aufgaben können gestellt werden? — Das ist davon abhängig, welche Möglichkeiten die Kinder in einem Museum haben. Dies reicht von Ansehen, Beobachten,  Lesen, Abschreiben, Nachrechnen  bis zum selbst ausprobieren/versuchen.

Bei der späteren Auswertung können die Kinder/Schüler die Inhalte der Museumsrallye nochmals Revue passieren lassen und durch Vergleichen der Ergebnisse neue Erkenntnisse erhalten und eventuelle Fehler revidieren. Gruppen, die die meisten richtigen Ergebnisse erzielt haben, könnten eine kleine Belohnung für ihre Rallye erhalten.

Für die Museumsrallye wurden folgende Arbeitsaufgaben ausgewählt:

  • Suchen und finden: Mit den Suchaufgaben sollen Schüler gezielt auf einen bestimmten Inhalt gelenkt werden.
  • Beobachten und beschreiben, skizzieren: Die Schüler sollen Vorgänge/Abläufe genau beobachten und in eigenen Worten treffend beschreiben können. Kleine Skizzen können für spätere Besprechungen/Erklärungen hilfreich sein.
  • (Ab-)zählen und nachrechnen: Durch einfachste Rechenaufgaben sollen die Kinder beispielsweise im Freilichtmuseum das Alter von Gebäuden errechnen. Durch Abzählaufgaben sind sie gefordert, gesuchte Gegenstände genauer zu suchen und zu betrachten.
  • Lesen und verstehen, abschreiben: Das Lesetextverständnis ist meines Erachtens eine grundlegende Fertigkeit, die Schüler haben müssen. Deshalb dürfen Aufgabenstellungen hierzu nicht außer Acht gelassen werden.
  • Vermuten: Zu manchen Beobachtungen können/sollen Vermutungen angestellt werden. Schüler stellen Hypothesen auf, die später gemeinsam im Unterricht besprochen werden können.
  • Fotografieren: In der heutigen digitalen Medienwelt besitzen viele Kinder schon Smartphones mit integrierter Kamera. Nun können die Schüler ihre Beobachtungen problemlos im Bild festhalten. Die Bilder können für spätere Dokumentationen, Vorträge und Erklärungen verwendet werden.

Die Vorbereitung einer Museumsrallye ist anfangs unter Umständen sehr aufwendig, der pädagogische Nutzen dagegen ist immens. Deshalb finde ich, dass der Aufwand durchaus gerechtfertigt und lohnenswert ist.

Jens Eggert

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