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Entdeckendes Lernen

Experimente laden zum Entdecken ein

Experimente laden zum Entdecken ein und sind von Schülern im sonderpädagogischen Förderbereich selbsttätig zu bewältigen, wenn einige Grundvoraussetzungen bedacht werden.

Entdeckendes Lernen: Experimente laden zum Entdecken ein Zu beobachten, wie ein Pflanze wächst, ist ausgesprochen spannend © Ilike - Fotolia.com

Entdeckendes Lernen als Teil eines offenen Unterrichtskonzeptes fördert das eigenständige und selbsttätige Handeln der Schüler, weckt ihre Fragehaltung und ihre natürliche kindliche Entdeckerlust, die Dinge verstehen zu wollen. Als Unterrichtsmethode braucht es sowohl ein gewisses Maß an Freiheit wie auch an Ordnung, damit das Lernen zu Ergebnissen führen kann.

Denn ungesteuertes Ausprobieren ohne strukturierte Lernumgebung würde die Schüler sicherlich überfordern. Das Experiment als Unterrichtsmethode bietet beide Aspekte und kann als ein guter Lernzugang zu naturwissenschaftlichen Zusammenhängen im Sinne des entdeckenden Lernens betrachtet werden.

Experimente wecken die Neugier

Betrachtet man das Experimentieren als ein kindliches Verhalten von Probieren, Überprüfen oder Bestätigen, so stellt man fest, dass Schüler schon sehr früh beginnen zu experimentieren. Vonseiten der Schule stellt das Experiment einen Gewinn in der Methodenkompetenz dar. Ein Experiment regt Schüler an, sich mit dem Phänomen auseinanderzusetzen, weckt Neugier und Entdeckergeist.

Ziele von Experimenten im Unterricht:

  • Wahrnehmung verfeinern und schärfen
  • Neugier, Interesse und Lernfreude wecken
  • Fragen und Erklärungsversuche provozieren
  • Überprüfungen der Erklärungen ermöglichen

Anforderungen an Experimente im Unterricht:

  • Schüler sollen die Experimente weitgehend selbstständig durchführen können
  • Schüler sollen Zeit, Materialien und Räume haben für die Experimente
  • Experimente sollen unbedingt zu einem Erfolg führen und zur Weiterarbeit provozieren

Für die sonderpädagogische Praxis empfiehlt sich eine Abstufung im Schwierigkeitsgrad der Experimente, z. B. durch unterschiedliche didaktische Arrangements:

Forschertisch: Hier wird Material zusammengestellt, das von sich aus zur Erkundung anregt. Es werden noch keine festen Arbeitsaufträge formuliert, sondern eher Hinweise für die Erkundungstätigkeiten.

Beispiel: „Wasser schütten“ mit Materialien wie Messbecher, Gläser, Dosen, Schüsseln, Lupe, Waage, Schüttmaterialien wie Mehl, Linsen, etc.

Versuche: Hier wird ein gezieltes, spielerisches Versuchen/Probieren angebahnt, bei dem vielfältige Erfahrungen gemacht werden können. Gleichzeitig wird die Fähigkeit zur genauen Beobachtung geschult. Es geht dabei noch nicht um Erklärungen, sondern um die Wahrnehmung und Vertiefung bereits gemachter Erfahrungen und Fähigkeiten.

Beispiel: „Was meine Augen alles sehen können“ mit Versuchen zu optischen Täuschungen, optischer Wahrnehmung und einfachen optischen Geräten.

Vorstrukturierte Versuche: Hier arbeiten die Schüler bereits an einem Problem mithilfe vorstrukturierter Anleitungen. Dies stellt wohl die häufigste Form des Experimentierens im unterrichtlichen Kontext dar. Beobachtungen werden auch verschriftlicht, Hypothesen notiert.

Beispiel: „Versuche mit Luft“ mit unterschiedlichen Versuchsanordnungen zu Themen wie Luft ist unsichtbar/Luft bewegt/Luft bietet Widerstand usw.

Freies Experimentieren: Höchste Stufe des experimentellen Arbeitens, im Unterricht eher selten.

Beispiel: „Wie kommt der Ton auf die Schallplatte?“ mit Materialien.

Sonderpädagogische Aspekte zur Durchführung von Experimenten

Versuchsanleitung: Wenn Schüler einen Versuch selbsttätig durchführen sollen, müssen sie die Anleitung lesen und sinnentnehmend verstehen können. Die Aufbereitung von Bildern, Textteilen und Symbolen muss dem Leseniveau der Schüler entsprechen. Text, Objekt und Handlung des Versuchs werden schrittweise miteinander verbunden. Erfolg stellt sich nur dann ein, wenn richtig gelesen werden konnte.

Aufbau der Anleitung: Übersicht verschaffen — Was könnte passieren/ Hypothesenbildung — Was brauche ich dafür/ Material — Wie gehe ich vor?/erster Schritt — Was mache ich dann?/ weitere Schritte.

Materialauswahl: Alle Versuche müssen vom Lehrer selbst ausprobiert werden. Diese banale Regel hilft, ungeahnte Fallen im Unterricht erfolgreich zu vermeiden. Man verwendet vor allem Material aus der Lebenswirklichkeit der Schüler, um einen Anknüpfungspunkt zu schaffen und Vorwissen für Wissensnetze zu aktivieren. Alle Materialien sollen zum Handeln anregen und Effekte erzeugen. Je weniger strukturiert der Unterricht gelenkt wird, umso sicherer sollte der Versuch zum gewünschten Effekt führen, um Enttäuschungen zu vermeiden. Unklare Versuchsergebnisse verunsichern und demotivieren die Schüler eher.

Lernarrangement: Überlegungen zur Sitzordnung und den wechselnden Sozialformen können das Kommunizieren über die Versuche verstärken (oder eben verhindern). Je nach didaktischer Funktion ist es daher bedeutsam, in welcher Anordnung die Versuche angeboten werden, z. B.: Demonstration im Sitzkreis, Durchführung in Partner- oder Gruppenarbeit, Präsentation vor der Tafel bzw. am Experimentiertisch.

Regeln und Prozeduren: Jeder Schüler sollte eigenaktiv tätig werden können, d. h. es gibt genügend Materialien für alle Schüler gleichzeitig. Wird der Versuch in Partnerarbeit angeboten, so kann man passende Arbeitsweisen einüben, z. B. leise sprechen und sich dabei ansehen — sich zuhören — zusammen arbeiten — Aufgabe abwechseln — zusammen erfolgreich präsentieren

Rolle der Lehrkraft: Im entdeckenden Lernen sorgt der Lehrer für die entsprechende Lernumgebung und eine attraktive Fragestellung. Er leitet und strukturiert die Offenheit der Lernsituation, z. B. in Form geeigneter Arbeitsweisen wie Lerntheke etc. Er instruiert wenig, sondern moderiert viel. Bei Problemen kann er gezielte Unterstützung geben und geeignete Hilfen anbieten.

Im sonderpädagogischen Kontext eignen sich viele vorstrukturierte Experimente zu den Naturphänomenen Feuer, Wasser und Luft sehr gut, um die recht anspruchsvolle Großform im Unterricht durchzuführen.

Hierzu finden sich in der Literatur viele gute Praxisanregungen (z. B. Gröning, Ilona: Experimente für den Sachunterricht. Hamburg, 2009 / Baumgarten, Andrea: Experimente mit Alltagsmaterialien 1. Kempen 2014 / Soostmeyer, Michael.: Genetischer Sachunterricht. Hohengehren 2002)

Unter der Internet-Seite Nessi-Lab findet sich ein sehr großer Fundus an praktischen Anregungen zum Lernen im Schülerlabor. Dieser wurde auch für Schüler in der Inklusion und mit sonderpädagogischem Schwerpunkt konzipiert und ausgearbeitet.

Claudia Omonsky

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