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Handlungsorientierter Unterricht GE

Ganzheitliches Lernen mit Herz, Hand und Kopf

Handlungsorientierter Unterricht im Förderbereich Geistige Entwicklung will Schüler dazu befähigen, umfassende Handlungskompetenz zu entwickeln. Eine zutiefst sonderpädagogische Disziplin, die Schüler ganzheitlich fördern und bilden will.

Handlungsorientierter Unterricht GE: Ganzheitliches Lernen mit Herz, Hand und Kopf Schon allein das Erfühlen der Baumrinde erweitert den Erfahrungshorizont der Schüler © crazymedia - Fotolia.com

Handlungsorientierter Unterricht ist an Schulen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung ein grundlegendes, weit verbreitetes Unterrichtsprinzip. Es entwickelte sich aus einer langen pädagogischen Tradition, die bis in die Reformpädagogik reicht. In dieser Unterrichtform soll ein Schüler nicht nur selbst etwas tun, etwa im Sinne einer manuellen Tätigkeit oder des Zeitvertreibs, der Beschäftigung. Vielmehr will handlungsorientierter Unterricht die Schüler an der Planung der Handlung, der Kontrolle, der Bewertung des Ergebnisses und schließlich auch an der Festlegung eines Handlungsziels beteiligen.

Schüler und Lehrer führen prozessorientiert etwas gemeinsam durch und erhalten ein verwertbares, produktorientiertes Ergebnis. Das entstehende Ergebnis kann dann einen Gebrauchswert haben, z. B. etwas, das man den Eltern zeigen kann. Dabei spielt das ganzheitliche Lernen in mehreren Dimensionen („Kopf, Herz und Hand“ nach Pestalozzi) eine entscheidende Rolle.

In diesem Sinn ist der handlungsorientierte Unterricht weniger eine Methode als ein Konzept. Der Schüler soll einerseits lernen zu handeln, also sein Handlungsrepertoire erweitern. Andererseits soll er lernen durch Handeln im Sinn der Förderung von kognitiven und motivationalen Prozessen durch die Nutzung der zur Verfügung stehenden Lernniveaustufen. Es ist erklärtes Ziel des handlungsorientierten Unterrichts, die Schüler mit möglichst umfassender Handlungskompetenz auszustatten. Damit soll dem Verlust an Eigenständigkeit durch Lernen aus zweiter Hand wie auch der Tendenz zum konsumierenden Lernen entgegengewirkt werden.

„Es ist nichts im Verstand, was nicht in den Sinnen war“ (John Locke)

Es hat sich als allgemeingültige Erkenntnis aus Neurowissenschaft, Lernpsychologie und Pädagogik herauskristallisiert, dass der Zusammenhang zwischen Lernwirksamkeit und vielsinniger Aufnahme von Lerngegenständen bedeutsam für erfolgreiches Lernen ist. Grundlegende Kenntnisse über die Mechanismen der Sinneswahrnehmung und Lernpsychologie weisen einen Weg zu sinnvollen Lernangeboten, die folgerichtig auch stark handlungsorientiert sind. Das Denken wird vom bewussten Erleben des Handelns und dem wirklichen Empfinden von Handlungen angeregt. Eine Handlung setzt sich mit einer Situation auseinander und ist eine zielgerichtete Tätigkeit. Sie möchte ein verwertbares Handlungsergebnis hervorbringen. Dabei werden möglichst viele Sinne mit einbezogen. Für die Schule bedeutet das, dass das Lernen zu handeln eine Kompetenz darstellt und nicht nur Mittel zum Zweck ist.

Didaktische Prinzipien auf dem Weg zu handlungsorientiertem Unterricht

Für den handlungsorientierten Unterricht erweist es sich als hilfreich, einige didaktische Prinzipien zu berücksichtigen.

Schülerorientiertes Lernen

Die beiden Aspekte Erfahrung und Interesse sind für schülerorientierten Unterricht bedeutsam. Die individuellen Vorerfahrungen werden stets mit in den Unterricht eingebracht und prägen somit die grundlegende Haltung wie auch die Emotionen zum Lerngegenstand. Der handlungs- und schülerorientierte Unterricht berücksichtigt dies einerseits, andererseits strebt er an, weitere neue Erfahrungen erwerben zu können. Dabei spielt der Aspekt der Motivation und des Interesses eine große Rolle. Denn nur dann findet der Schüler genügend Ankerpunkte, um das Gelernte verwerten zu können.

In der heterogenen Schülerschaft im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung sind die Vorerfahrungen und Interessenslagen besonders vielfältig, manchmal auch stark eingeschränkt. Nicht zuletzt muss auch die oft große Diskrepanz zwischen Lebens- und Entwicklungsalter mitberücksichtigt werden. Um den handlungsorientierten Unterricht auch schülerorientiert treffend zu gestalten, ist es neben genauer diagnostischer Kenntnis immens wichtig, den richtigen Lerngegenstand und das passende Setting auszuwählen. Dies reicht von sehr komplexen Handlungsmöglichkeiten im Rahmen des entdeckenden Lernens bis zu den Möglichkeiten, welche eher praktisches Tun und begleitende Aktivitäten erlauben, um eine ausreichend breite Differenzierung bieten zu können.

Ganzheitliches Lernen

Damit ist gemeint, dass mit allen Sinnen gelernt wird, um eine Verbindung von Kopf- und Handarbeit zu schaffen. Es werden alle Repräsentationsformen von Wissen genutzt, sei es auf kognitiver wie auf elementarer Ebene. Beim ganzheitlichen Lernen geht es um den Aufbau von Strukturwissen statt um Anhäufung von Einzelinformationen, es werden Wissensnetze geknüpft, die sich immer stärker verdichten. Der ganze Mensch in all seinen Facetten wird angesprochen — motorisch, sensorisch, kognitiv, affektiv. Das bedeutet, dass die gewählten Unterrichtsmethoden ebenfalls ganzheitlich sein sollen, z. B. Gruppen-, Partner- und Einzelarbeit, Projektunterricht, Rollenspiel, Experiment, Erkundung und Handlungseinheit u.v.m.

Exemplarisches Lernen

Kein Unterricht kann umfassend alle zu einem Thema gehörenden Handlungen anbieten und durcharbeiten. Insofern ist handlungsorientierter Unterricht immer auch ein exemplarisches Lernen, bei dem es darauf ankommt, das richtige Lernbeispiel auszuwählen. Dies sollte deutlich ein Grundprinzip aufzeigen und nicht allzu viele Besonderheiten aufweisen, die kontextuell vom Gesamtüberblick ablenken oder die Grundstruktur überlagern. Im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung ist die Auswahl von lebensbedeutsamen Lernaktivitäten mit besonderer Sorgfalt zu treffen, auch unter dem Aspekt des selbstständigen Lernens.

Strukturiertes Lernen

Der handlungsorientierte Unterricht verlangt vom Schüler die Ausführung konkreter Arbeitsabläufe. Dabei lernt er die logische innere Struktur bestimmter Zusammenhänge kennen. Im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung ist die Schulung von Handlungsplanung sehr wichtig, damit die Schüler mehr und mehr lernen, immer komplexer werdende Handlungsketten zu vollziehen. Die Entflechtung und Reduktion von Lerninhalten auf wesentliche strukturelle Teilschritte wird dann zur besonderen Aufgabe für Lehrer.
Gleichwohl können nicht immer alle Lernschritte einer Handlung kleinteilig und detailliert erarbeitet werden, um den Unterrichtsfluss nicht allzu stark zu verlangsamen. Hier wird deutlich, wie sehr der handlungsorientierte Unterricht Entscheidungen verlangt, die zwischen offener und gebundener methodischer Führung liegen.

Durch die besondere Heterogenität und die sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung kann man sicherlich behaupten, der handlungsorientierte Unterricht ist eine zutiefst sonderpädagogische Disziplin, die weitere sonderpädagogische Unterrichtsprinzipien mit sich bringt. Er ermöglicht die Berücksichtigung aller Lern- und Leistungsniveaustufen und bietet sowohl die Möglichkeit für offene Lernumgebungen mit relativ freien Aufgabenstellungen wie auch für gebundene Unterrichtsmethoden mit eher straffer Schulung von Handlungsplanung und Handlungsdurchführung.

Claudia Omonsky

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