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Lernen mit Lernleitern

Lernleitern für einen erfolgreichen Deutschunterricht

Für den Förderunterricht im Fach Deutsch bietet die Arbeit mit Lernleitern viele Möglichkeiten. Auch Schüler in stark heterogenen Lerngruppen erzielen gute Erfolge, denn jeder bekommt genug Zeit und Hilfe, um den Lerninhalt sicher zu verinnerlichen.

Lernen mit Lernleitern: Lernleitern für einen erfolgreichen Deutschunterricht So sieht ein Lernweg im Fach Deutsch für die 2. Klasse aus © Wiebke Porepp, Linda Wielandt-Dosch

Mittwochmorgen, 8.30 Uhr. Auf meinem Weg in die zweite Klasse der Diagnose- und Förderklasse begegnet mir ein Zweitklässler, der mir voller Stolz erzählt, dass er jetzt gleich eine Probe schreibt. Ich betrete das Klassenzimmer. Es herrscht geschäftiges Treiben. Zwei Schüler liegen unter ihren Tischen. Andere sitzen an ihren Arbeitsplätzen, mit dem Rücken zur Tafel. Drei Schüler arbeiten mit dem Lehrer am Mitteltisch und eine Gruppe Mädchen geht gerade in den Nebenraum. Die Schüler scheinen zu wissen, was sie tun – obwohl jeder an etwas anderem arbeitet. Was man dazu wissen muss: In dieser Klasse arbeiten die Schüler mit Lernleitern.

Um den heterogenen Lernvoraussetzungen unserer Schüler gerecht zu werden, haben wir uns vor drei Jahren für die Arbeit mit Lernleitern entschieden. Sie ermöglicht eine Förderung aller Kinder unter Berücksichtigung der individuellen Lernvoraussetzungen. Jeder Schüler bekommt dabei die Zeit und die Hilfen, die er benötigt, um einen Lerninhalt sicher zu verinnerlichen. Eine weitere Kompetenz, die sich die Schüler beim Arbeiten mit den Lernleitern nach und nach aneignen, wird auch im Lehrplan Plus der Grundschule zunehmend gefordert: das selbstständige und reflektierte Lernen.

Individuelle Lernwege zu den Milestones

Bereits in der ersten Klasse starten wir an unserer Schule mit der Lernleiterarbeit — wir nennen es Lernwege, da die Schüler auf ihren Spielplänen die einzelnen Milestones über einen „Weg“ erreichen. 

Mithilfe einer Symbolik lernen die Schüler die  einzelnen Aufgabentypen kennen. Neben den Seiten im Arbeitsheft enthält der Lernweg vielfältige, handlungsorientierte Übungsformate zum Erlernen der Buchstaben sowie zum Lesen und Schreiben lernen. 

Zusätzlich zu den materialgestützten Einführungen und Kontrollpunkten innerhalb der Lernwege werden neue Lerninhalte immer auch gemeinsam im Plenum eingeführt. Davon profitieren sowohl die stärkeren als auch die schwächeren Lerner. Vor und nach jeder Arbeitsphase findet eine Reflexionsphase statt - die Schüler überlegen sich zuvor, wie viele Aufgaben sie in der vorgegebenen Arbeitszeit schaffen wollen und reflektieren im Anschluss daran, ob und wie sie dieses Ziel erreicht haben. Der Aufbau der Lernwege in der ersten Klasse ist weitgehend linear, erst später kommen systemische Anteile dazu.

In der zweiten Klasse (siehe Artikelbild) werden die Wahlmöglichkeiten der Schüler größer. Die Lernwege sind in die Bereiche „Lesen“, „Texte verfassen“, „Richtig schreiben“, „Sprache untersuchen“ gegliedert. Die Schüler können die Reihenfolge der Bearbeitung selbst festlegen. Jeder Teilbereich enthält grundsätzlich mindestens eine individuelle Einführung bei der Lehrkraft, verschiedene Übungen im Arbeitsheft sowie passendes Freiarbeitsmaterial, das systemisch aufgebaut ist. Mithilfe von Lösungsordnern kontrollieren die Schüler ihre Arbeiten selbstständig. Der Lernzuwachs in jedem Lernbereich wird, wie auch in der ersten Klasse,  im Anschluss mit einer Lernzielkontrolle überprüft. In der zweiten Klasse reflektieren die Schüler ihren Lernprozess vor und nach jeder Arbeitsphase zunehmend genauer.

Hohe Motivation und angstfreies Lernen

Neben den bereits genannten positiven Aspekten bezüglich der Individualisierung und des Kompetenzerwerbs sehen wir einen großen Vorteil in der hohen Lernmotivation der Schüler und der freudigen, angstfreien Lernatmosphäre. Die Schüler freuen sich stets auf die Arbeit und die Lernzielkontrollen, da sie sich meist sehr sicher sind, die behandelten Lerninhalte verstanden zu haben.

Wie bei jedem anderen Unterrichtkonzept, erleben wir aber auch hier Grenzen. Ohne die bereits beschriebenen gemeinsamen Plenums- und Einführungsphasen mit der Lehrkraft würden viele Schüler zwar die Aufgaben richtig bearbeiten, könnten diese aber nicht auf andere Bereiche übertragen. Neben der beratenden und materialerstellenden Funktion des Lehrers halten wir die erklärende Rolle für unabdingbar, sowohl innerhalb der Lernwege als auch in den gemeinsamen Plenumsphasen.

Ein weiterer essenzieller Baustein ist die Reflexion des Lern- und Arbeitsverhaltens. Ohne die Reflexionsphasen bestünde die Gefahr, dass der Lehrer den Überblick über das Vorankommen der Schüler verliert, da es natürlich auch Schüler gibt, die die ihnen gewährten Freiräume ausnutzen. Dies gilt es durch eine sinnvolle Reflexion aufzudecken und als Chance zur Verbesserung des Arbeitsverhaltens zu nutzen.

Wir freuen uns jedenfalls auf weitere Jahre mit unseren Lernwegen, die wir selbst entwickeln und damit auch immer anpassen und verändern können. Viel Arbeit — aber es lohnt sich!

Wiebke Porepp, Linda Wielandt-Dosch

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