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Lerntheke

Ideen vom Lerntheken-Profi

Die Vorbereitung von Lerntheken für den Mathematikunterricht erfordert viel Zeit. Gut, dass es im Netz bereits fertige zum Download gibt und dass sie editierbar sind. So kann jeder Schüler selbstständig auf seinem eigenen Niveau arbeiten und lernen.

Lerntheke: Ideen vom Lerntheken-Profi Mathematik bringt Spaß, wenn die Schüler sich die Aufgaben ihrem Leistungsstand entsprechend aussuchen können © Gorilla - stock.adobe.com

Wenn Lehrerblogger Jan-Martin Klinge ins Bruchrechnen einführt, startet er spielerisch: Er verteilt drei Lakritzschnecken an jeweils vier Schüler. Es folgen kleinere Übungen, insgesamt wird das Thema jedoch nur angerissen, nicht systematisch erarbeitet. „Einige Schüler verstehen schon was, viele hören es, nicken es ab und vergessen es wieder“, so die Erfahrung des Lehrers an einer Gesamtschule. Innerhalb der „nächsten drei bis vier Wochen“ beginnt dann die zweite, die eigentliche Arbeitsphase mit der Lerntheke. In seinem Fach Mathematik „macht diese Methode etwa 90 % der Unterrichtszeit aus“, schreibt Klinge in seinem „Halbtagsblog“. Wie diese Arbeit praktisch funktioniert, fasst der folgende Artikel für Sie zusammen.

Differenzierte Aufgaben für die Freiarbeit

Das Prinzip ist einfach: Die Übungsaufgaben für die Lerntheke liegen — „auf Karteikarten geklebt/gedruckt/laminiert“ — an einem für alle Schüler zugänglichen Ort im Klassenraum aus, zum Beispiel auf der Fensterbank oder auf leeren Tischen. Die Lehrkraft formuliert dabei Aufgaben für 20 bis 25 „Stationen“ in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und ordnet sie nach erforderlichem Niveau.

Auf diese Weise finden sowohl leistungsstärkere als auch leistungsschwächere Schüler adäquates Übungsmaterial. Damit die Kids nicht lange nach geeigneten Übungen suchen müssen, setzt Jan-Martin Klinge bei den Karteikarten im DIN-A5-Format ein festes Farbsystem ein: Grün steht für „einfache Grundaufgaben“, Gelb „zieht im Schwierigkeitsgrad schon an“ und Rot sind schwere Aufgaben, deren Bearbeitung erfolgt immer freiwillig.

Drei Anlaufstellen für individuelle Unterstützung

Die Schüler entscheiden fast ausschließlich eigenständig, wann sie sich welche Aufgaben zutrauen. Auf der Rückseite der Aufgabenkarten haben sie meist auch gleich die richtigen Lösungen parat. Damit delegiert Klinge die Prüfung auf Richtigkeit an seine Schüler und beugt einem ständigen „Stimmt das so?“ vor. Und das gibt ihm mehr Zeit, einzelne Schüler zu fördern.

Bei grundsätzlichen Fragen zu einzelnen Aufgabenstationen helfen außerdem „Hilfskarten“: Hier finden die Schüler Erläuterungen, etwa zu den Rechenregeln beim „Brüche addieren und subtrahieren“. Auf den Übungsaufgaben ist natürlich auch gleich vermerkt, welche Hilfskarte bei der Lösung der jeweiligen Rechnung unterstützt. Das gibt der Lehrkraft mehr Freiraum für die individuelle Unterstützung der Schüler, die gerade Hilfe brauchen.

Auch einige Schüler werden zu Ko-Lehrern: Wenn sie etwas „besonders gut verstanden“ haben, können sie sich bei jeder einzelnen der etwa 25 Aufgabenstationen als „Experte“ anbieten. Dazu tragen sie sich in eine im Klassenzimmer ausgehängte Liste in Postergröße namentlich ein. Mitschüler, die sich mit einer Aufgabe schwertun, können dann einen der aufgeführten Experten zurate ziehen. Dieses „Peer-assisted Learning“ entlastet die Lehrkraft noch zusätzlich.

Lerntheken funktionieren nur ohne Schummeln

Weil ja die Schüler die richtigen Lösungen auf der Kartenrückseite der jeweiligen Aufgabe sehen, wird beim Üben praktisch der (Rechen-)Weg zum Ziel. Das ist wichtig, denn: „Wer nur die Lösung abschreibt, hat sie zwar im Heft stehen, aber nicht im Kopf“, betont Jan-Martin Klinge. Überhaupt sieht er es als „entscheidend für den Erfolg dieser Methode“ an, „dass die Schüler sich nicht selbst betrügen“ (ebd.).

Um keinen Druck aufzubauen, überprüft Klinge weder, wer abschreibt, noch wer in einer Stunde wie viele Aufgaben geschafft hat. Doch er nimmt sich viel Zeit, um immer wieder zu erklären, „dass sie am Ende sich selbst betrügen“ (ebd.). Sein Mantra: „Mir ist das egal. Ihr tut euch aber damit selbst keinen Gefallen.“ — Das geht natürlich nur in Lerngruppen, die in der Lage sind, weitgehend selbstständig und strukturiert zu arbeiten. Und das ist bekanntermaßen im sonderpädagogischen Förderbereich nicht immer der Fall. Hier muss das Vorgehen der Lehrkraft ggf. angepasst werden und kann womöglich erst nach mehreren Zwischenschritten zum eigenständigen Lernen und Arbeiten führen.

Nach ein bis zwei Wochen Übens folgt „langsam eine Phase der Sicherung“: Dann gibt es eine für alle obligatorische „Pflichtstation des Tages“. In den letzten zehn Minuten der Stunde bespricht Klinge diese Aufgabe dann mit der Klasse und jeder Schüler trägt die garantiert richtigen Ergebnisse ins Heft ein.

Vor einer schriftlichen Arbeit ist noch einmal ein bis zwei Stunden gemeinsames Üben angesagt. Wer dabei gut aufpasst und beim Üben an der Lerntheke ehrlich war und seinen eigenen Kopf angestrengt hat, wird bei der Klassenarbeit belohnt: Hier finden sich nämlich einige der Übungen auf grünen und gelben Karten wortwörtlich auf dem Aufgabenblatt.

Direkt übernehmbare Lerntheken

Derzeit stehen auf Jan-Martin Klinges Halbtagsblock 48 Lerntheken für den Mathematikunterricht zur Auswahl. Sie decken alle Lernbereiche des Mathematikunterrichts in den Jahrgangsstufen 4 bis 10 ab und stehen in drei Versionen zum freien Download:

  1. als editierbare Powerpoint-Präsentation, die heruntergeladen und beliebig verändert werden kann (→ Klick auf „Quelldatei“),
  2. als nicht veränderbares Powerpoint-File, das sich die Schüler auf ihr Tablet oder Laptop ziehen können (→ Klick auf „Schüler“)
  3. oder als PDF zum Ausdrucken und Laminieren (→ Klick auf „PDF“).

Die beiden PPT-Versionen bieten „den Nutzern einen digitalen Mehrwert“, denn die Hilfskarten lassen sich an passender Stelle bei den Aufgaben mit einem Klick einblenden. Für den sonderpädagogischen Förderbereich ist besonders die editierbare geeignet, um sie dem Leistungsniveau der entsprechenden Lerngruppe anzupassen.

Differenziertes Lernen mit wenig Vorbereitungsaufwand

Die umfangreichen Lerntheken auf Klinges Website stellen Ihnen als Lehrkraft ein breites Themenspektrum für differenziertes Lernen im Mathematikunterricht zur Auswahl.

Schüler, denen es noch an den grundlegenden Kenntnissen fehlt, können z. B. mit der Lerntheke „Vorbereitung für die weiterführende Schule“ noch einmal die „Basics“ wiederholen: Aus der Vielzahl von Aufgaben von „sehr leicht“ (die ersten auf den grünen Karten) bis „sehr schwer“ (auf grünen und gelben Karten) picken Sie sich einfach diejenigen heraus, die dem Leistungsniveau des jeweiligen Schülers entsprechen.

Ein Beispiel: Sie rechnen mit den vier Grundrechenarten — je nach Leistungsstand im Zahlenraum zwischen 1 und 1.000.000. Als Lehrkraft passen Sie dazu wenn nötig die Anforderungen mit wenig Aufwand an den jeweiligen Leistungsstand an: Sie reduzieren z. B. die Anzahl der zu bearbeitenden Rechnungen oder Sie ziehen für die leistungsschwächeren Schüler die eigenständig machbaren Aufgaben heraus und vergeben eine vierte Farbe für diese sehr einfachen Übungen, zum Beispiel hellgrün.

Förderung gemäß unterschiedlicher Förderbedarfe

Auch die gezielte Förderung einzelner Schülergruppen in verschiedenen Förderschwerpunkten ist möglich: Geht es bei Schülern etwa vor allem darum, alltagspraktische Rechenfähigkeiten zu erlangen, greifen Sie sich die relevanten Themengebiete (Folie 1) und passenden Übungen heraus. In diesem Fall konzentrieren Sie sich dann zum Beispiel auf die Themen „Rechnen mit Geld“ — „Zahlen runden“, „Maßeinheiten: cm, dm, m, km“ oder „Rechnen im Alltag“.

Für Schüler mit geringen Deutschkenntnissen (Förderbedarf Sprache) stehen Ihnen auch immer wieder Übersetzungen der Übungen zur Auswahl. Derzeit sind das vor allem vereinzelte Aufgaben in arabischer Sprache, doch die Übersetzungen werden sukzessive ausgebaut.

Schülern im Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung fehlt es oft „an hinreichender Raumvorstellung aufgrund fehlender motorischer Erfahrungen“, betonen die Autoren der „Adaption des Lehrplans für die bayerische Hauptschule an den Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung“ (S. 49). Hier sind besonders die Aufgaben hilfreich, die die Lebens- und Erfahrungswelt der Schüler mit mathematischen Themen verbinden, z. B. in der Lerntheke „Wir orientieren uns“. Da dient ein Stadtplan zum Ausgangspunkt für die Einführung des Koordinatensystems oder die Schüler überlegen, welche Längeneinheiten sich für das Messen der Dicke eines Buches, der Höhe eines Kirchturmes, der Beinlänge einer Fliege usw. eignen. Die Wiederholung und Vertiefung des Gelernten erfolgt oft auch spielerisch, zum Beispiel beim Koordinatensystem mit einer Runde „Schiffe versenken“.

Fast 100 Prozent „nicht-schlafende Schüler“

Sie werden sehen: Die Arbeit ist eine Win-win-Situation für Sie und Ihre Schüler: Der Vorbereitungsaufwand hält sich durch die ausgearbeiteten Lerntheken in Grenzen, Aufgaben müssen lediglich auf die Lerngruppe hin angepasst werden. Während der Arbeitsphase Ihrer Schüler gewinnen Sie Zeit, um einzelne Schüler gezielt zu fördern. Die Schüler wiederum lieben die eigenständige Arbeit in der Lerntheken-Phase: Die differenzierten Aufgaben ermöglichen Schülern jeden Leistungsstandes Erfolgserlebnisse: Sie entdecken ihre Stärken und bauen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten auf. — Das motiviert zum Dranbleiben und Weiterlernen. — Und es hält offenbar wach und aufmerksam: „Beeindruckend ist, dass die ‚Schüleraktivität‘ (also der Grad an nicht-schlafenden Kindern) bei knapp 100 % liegt“, schreibt Jan-Martin Klinge im „Halbtagsblock“.

Martina Niekrawietz

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