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Lerntheke

Selbstbedienung vom Lernbuffet

Zwar ist die Schule kein Wunschkonzert, sie kann aber den Wünschen und individuellen Anforderungen der Schüler sehr entgegenkommen. Eine Lerntheke bietet jedem Schüler individuelle Aufgaben, seinem Leistungsniveau entsprechend.

Lerntheke: Selbstbedienung vom Lernbuffet Alle arbeiten an einem Thema, aber jede Schülerin, jeder Schüler auf ihrem/seinem eigenen Niveau © Christian Schwier - stock.adobe.com

Die offene Unterrichtsform der Lerntheke stellt für Schüler mit Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung eine aktivierende und methodisch ansprechende Art des eigenständigen Lernens dar. In Anlehnung zu ähnlichen offenen Unterrichtsmethoden wie etwa Freiarbeit, Wochenplanarbeit oder Stationenlernen bietet sie einige Vorteile. Die Schüler arbeiten relativ selbstständig und bestimmen die Lernanforderung, und sie finden durch die individualisierte Vorbereitung Aufgaben von hoher Passgenauigkeit. So können alle Schüler entsprechend ihrer Lernniveaustufe gefördert werden. Von eher materialbetonten Aufgaben für Schüler mit hohem Förderbedarf bis hin zu eher inhaltlich-symbolisch geleiteten, verschriftlichten Aufgaben für Schüler auf dem Lernniveau der allgemeinen Grundschule kann eine gut konzipierte Lerntheke jeden Schüler passend fördern. 

Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung verfügen nicht immer über Schriftsprache im engeren Sinn. Hier bietet eine Lerntheke sehr gute Möglichkeiten, die Lernangebote auf den Lernniveaustufungen auch enaktiv-konkret oder ikonisch-bildhaft anzubieten. Schriftsprache im erweiterten Sinn findet so angemessene Anwendung und kann als Unterrichtsprinzip nachhaltig geübt werden.

Lernmaterial ganz nach Geschmack

Die Materialien einer Lerntheke bauen nicht unbedingt aufeinander auf oder müssen in einer vorgegebenen Reihenfolge abgearbeitet werden. Vielmehr werden sie wie bei einem Selbstbedienungsbuffet zur Verfügung und Auswahl gestellt. Die Schüler suchen sich Art und Menge der Aufgaben selbst aus. Damit bietet die Methode der Lerntheke auch eine gute Vorbereitung auf die anspruchsvolle Freiarbeit im Sinne Maria Montessoris. Übergangsschritte wie Laufzettel oder Aufgabenheft machen die Struktur der Leistung sichtbar und dienen auch der Lehrkraft zu besserer Übersicht.

Der didaktische Ort einer Lerntheke findet sich vor allem im Üben und Wiederholen von Unterrichtsinhalten. Aufgaben und Materialien werden in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden bereitgestellt. Sie berücksichtigen die Leistungsfähigkeit in qualitativer und quantitativer Hinsicht. Dies ist besonders hilfreich in Klassen mit einer breiten Heterogenität. Schüler mit sehr hohem Förderbedarf können gemeinsam mit leistungsorientierten Schülern inklusiv lernen. 

Gegenseitige Unterstützung erwünscht

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Lehrkraft mit der Ausrichtung der Aufgaben jeglichen Lerntypus ansprechen kann: von haptisch über visuell oder akustisch — für jeden Schüler sind passende Aufgaben vorhanden. Schülern mit besonderen Wahrnehmungsschwierigkeiten kann die Lehrkraft gezielte Förderangebote machen bzw. besondere Stärken hervorlocken — je nach Ausrichtung der Aufgabenstellung. 

Und schließlich ist mit einer Lerntheke die Möglichkeit gegeben, verschiedene Sozial- und Arbeitsformen regelmäßig zu üben. Denn die Aufgaben können allein, mit einem Partner oder in einer Gruppe bearbeitet werden. Durch Partner-und Tutorensysteme kann die Lerntheke auch das Lernen durch Lehren befördern und ein Angebot gegenseitiger Unterstützung und Hilfe werden. 

Laufzettel und/oder Selbsteinschätzungsbogen helfen dem Schüler, die geleistete Aufgabenvielfalt strukturiert festzuhalten. Die Lehrkraft behält damit sowohl planerisch wie auch in der Reflexion einen sehr guten Überblick, wo jeder Schüler momentan steht und welche Schwierigkeiten sich evtl. ergeben haben. Besondere Stärken kommen damit ebenfalls gut ans Licht und können im Lehrerfeedback betont werden. 

Tipps zur Durchführung einer Lerntheke

Die folgenden Tipps und Hinweise erleichtern die Planung und Durchführung einer Lerntheke:

  • Die Aufgaben sollten möglichst ohne oder mit nur wenig Hilfestellung durch die Lehrkraft zu bewältigen sein. Die Lerntheke eignet sich vor allem für Übungsformate bei bekanntem Inhalt, mit dem die Schüler sich übend und wiederholend vertieft auseinandersetzen. 
  • Die Aufgabenformate der Lerntheke sollten den Schülern gut bekannt sein. So bleibt der Lehrkraft während des Unterrichts genügend Zeit, sich jedem einzelnen Schüler zu widmen. Müssten hingegen einzelne Aufgaben hier nochmals erläutert werden, so ist die Lehrkraft zeitlich stark an einen einzigen Schüler gebunden. Zur Erarbeitung neuer Aufgabenformate eignen sich andere methodische Formen besser. Sind die Formate bekannt, werden zu Beginn der Lernthekenarbeit die Aufgaben lediglich kurz besprochen und auf das aktuelle Thema bezogen.
  • Die Einzelaufgaben sollten so konzipiert sein, dass ein Schüler sie in angemessener Zeit möglichst selbstständig bewältigen kann. Ist die Aufgabe sehr komplex und benötigt viel Zeit, kommt es schnell zu Frustrationsmomenten, weil „nur eine Aufgabe geschafft“ wurde. Bei quantitativem Vergleich von Laufzetteln beispielsweise kann man darauf aufmerksam machen, dass XY zwar nur eine einzige Aufgabe geschafft hat, diese aber besonders aufwendig war.
  • Die Aufgaben werden in Differenzierungsgrade unterteilt, es kann leichte, mittlere und schwere Aufgaben geben (z. B. mit Farben gekennzeichnet). Es sollte deutlich werden, ob es sich um eine Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit handelt. Für den Anfang fällt es erfahrungsgemäß leichter, wenn die Schüler einzeln arbeiten. 
  • Die Stationen berücksichtigen die Lernniveaustufung enaktiv, ikonisch und symbolisch und bedienen im Idealfall verschiedene Sinneskanäle, um allen Lerntypen gerecht zu werden. Nicht nur die Bearbeitung von Arbeitsblättern, sondern beispielsweise die Kombination von konkretem Material und Verschriftlichung führt zu intensiveren Übungseindrücken.
  • Die Schüler wissen, welche Aufgaben sie auf jeden Fall als Pflichtaufgabe bearbeiten sollen. So wird sichergestellt, dass alle Schüler den neuen Aspekt der Übungsstunde auch tatsächlich üben und sich nicht etwa mit bereits Bekanntem aus der Affäre ziehen. 
  • Die Schüler sollten mit dem Material umgehen können. Es empfiehlt sich, Tabletts oder Körbe bereitzustellen, die alles benötigte Material präsentieren. Die Schüler wissen, wie man eine Aufgabe holt, auf- und wieder abbaut und schließlich an den richtigen Platz zurückstellt. Die einzelnen Lernthekenaufgaben sollten strukturiert und geordnet angeboten werden, der Arbeitsablauf sollte klar sein. 
  • Die Lehrkraft kontrolliert grundsätzlich alle Ergebnisse. Selbstverständlich können die Schüler auch mit den Prinzipien der Selbstkontrolle nach und nach vertraut gemacht werden. Dennoch braucht die Lehrkraft immer Überblick über alle geleisteten Aufgaben und muss auch beobachten, welche Nutzung der Selbstkontrolle sich bei den Schülern etabliert. Geht es nur um das schnelle Fertigwerden? Dann neigen manche Schüler dazu, sich die Ergebnisse der Selbstkontrolle vorab anzusehen. Sie lösen weniger die Aufgabe, als vielmehr den „Trick“ der Nutzung von Selbstkontrollen. Durch eigene Kontrolle kann die Lehrkraft solchen Selbstbetrug zwar nicht immer vermeiden, doch zumindest feststellen.
  • Die Schüler kennen die Zeitvorgabe zur Arbeitszeit, z. B. durch einen Timer, der sie sichtbar macht, auch wenn die Schüler noch keine Uhrzeit ablesen können. Die Lehrkraft weist einige Minuten vor Arbeitsende darauf hin, sodass die Schüler im Laufe der Zeit immer besser lernen, das eigene Tempo einschätzen zu können. Oft wirkt es demotivierend, wenn sie kurz vor Ende noch eine neue Aufgabe holen, die sie dann nicht mehr abschließen können.
  • Die Schüler halten die Ergebnisse in pragmatischer Form fest: Sie fertigen z. B. einen Laufzettel, Arbeitsplan oder ein Kontrollheft an. Dies gibt besseren Überblick und gute Feedback-Möglichkeiten. In einem angepassten System (z. B. Farben, Symbole) werden hier das jeweilige Arbeitspensum wie auch die Arbeitsergebnisse dokumentiert. 
  • Die Anbahnung von sozialen und kooperativen Lernformen kann in die Lerntheken-Methode mit einfließen. So können Aufgaben als Partner- oder Gruppenarbeit gestellt werden. Dies wirkt rhythmisierend und sorgt für Abwechslung.

Die Lerntheke ermöglicht es Schülern, Übungselemente abwechslungsreich und weitgehend selbstbestimmt zu absolvieren. Sie lernen Abläufe des selbstständigen Arbeitens und erkennen, dass die eigene Arbeit strukturiert ablaufen kann. Mit rhythmisierenden Aufgabenstellungen bleibt der Unterricht auf diese Weise intrinsisch motivierend.

Claudia Omonsky

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