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Methodenkompetenz

Aktivierende Methoden für heterogene Lerngruppen

Über kaum ein Thema wird in jüngster Zeit so viel debattiert wie über die Methodenvielfalt. Für die heterogenen Lerngruppen im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung eignen sich aktivierende Unterrichtsmethoden, die alle nachvollziehen und erlernen können. Dazu kann der Lehrer wichtige Anleitungen geben.

Methodenkompetenz: Aktivierende Methoden für heterogene Lerngruppen Schüler mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung müssen die Anwendung einer bestimmten Methode intensiv üben ©Olesia Bilkei - Fotolia.com

Ein lernwirksamer Unterricht besteht aus mehreren wichtigen Faktoren, wie John Hattie  (Hattie, John: Lernen sichtbar machen. Originaltitel: Visible Learning, Baltmannsweiler 2014, engl. Orig. 2009) in seiner bedeutenden Meta-Analyse zur Lehr- und Lernforschung belegt. Besonders wirksam ist hierbei das Lehrerhandeln, das Classroom-Management sowie die Didaktik und Methodik. „What Teachers do matters“, stellt Hattie dazu fest. (Hattie, 2014, 22). Die Anwendung aktivierender Unterrichtsmethoden durch die Lehrkraft, die ihren Schüler kennt und hohe Anforderungen stellt, ist kurz gesprochen der Schlüssel für guten Unterricht. 

Obwohl die Methodenvielfalt in gegenwärtigen Debatten fast wie ein  Allheilmittel gehandelt wird,  sollte man nicht vergessen, dass Ziele, Inhalte und Methoden in einer Wechselwirkung zueinander stehen. Die Anwendung der Methoden soll dabei einem definierten Ziel dienen und keinen Selbstzweck darstellen. Darum lohnt ein Blick auf die Systematik von Unterrichtsmethoden, um sich die vielfältigen Möglichkeiten vor Augen zu führen und daraus die passende Methode auszuwählen. 

Von der Großform bis zur Inszenierung

Hilbert Meyer benennt drei große Kategorien von Methoden: Die Makromethodik, die Mesomethodik und die Mikromethodik. (Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden, Praxisband. Stuttgart 1987). Die Makromethodik bezeichnet methodische Großformen als Grundformen des Unterrichts, z. B. Freiarbeit, Lehrgang, Projektarbeit oder gemeinsamer Unterricht. Die Mesomethodik beschäftigt sich mit  Dimensionen methodischen Handelns, die sich auf Sozialformen (z. B. Frontalunterricht, Gruppenunterricht), Handlungsmuster (z. B. Vortrag, Erzählung) und Verlaufsformen (z. B. Einstieg, Erarbeitung, Schluss) beziehen. Die Mikromethodik beschreibt eine Vielzahl von Inszenierungstechniken des Lehrers und der Schüler, z. B. verlangsamen, beschleunigen, dramatisieren, zeigen, vormachen, nachmachen usw. (ebenda,  72 ff.).

Schüleraktive Methoden ohne Schriftsprache

Für den Unterricht im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung ist es aufgrund der heterogenen Lernvoraussetzungen der Schüler besonders wichtig, welche schüleraktiven Methoden u. a. auf der Ebene der Mesomethodik gewählt werden. Denn durch den häufig eingeschränkten oder noch gar nicht entfalteten Schriftspracherwerb wird die flexible Anwendung gängiger Unterrichtsmethoden erschwert oder gar unmöglich. Große Unterrichtsformen wie Stationenlernen oder Freiarbeit brauchen dann eine Erweiterung der methodischen Anleitung, damit die Schüler nicht vor der unlösbaren Aufgabe stehen, Anweisungen und Aufgabenanleitungen lesen zu müssen. Oder im schlimmsten Fall daneben stehen, während die Mitschüler dies jeweils schon selbstständig erledigen können.

Die Lehrkraft sollte dafür sorgen, Methoden zu wählen, die zunächst weitgehend ohne Lesen und Schreiben auskommen. Besonders in inklusiven Settings sollte sie die Methodenwahl am erweiterten Lese- und Schreibbegriff ausrichten, gleichzeitig aber auch Methoden bereithalten, die leistungsstärkere Schüler motivieren und zur Mitarbeit anregen. 

Methoden als Lerninhalt

Schüler mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung müssen die Anwendung einer bestimmten Methode vielfach sehr intensiv und mit viel Übung erlernen. Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass es beispielsweise im Bayerischen Lehrplan für den Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung (2003) einen eigenen Lernbereich „Denken und Lernen“ gibt, in dessen Teilbereich „Lernen lernen“ die Anwendung von Lernstrategien dargestellt wird. Hier werden das Hauptaugenmerk und der Unterrichtsschwerpunkt auf das Erlernen und Anwenden von Methoden gelegt. Diese werden eine Zeit lang zum Lerninhalt erhoben, bevor sie dann beherrscht und in den allgemeinen Unterrichtsfluss eingebaut werden. 

Um eine Methode zu erlernen, benötigt der Schüler einen Inhalt, der leicht zu bewältigen sein sollte. Denn der Fokus liegt zunächst ja auf dem Erlernen der dazugehörigen Methode. Hier dient zur besseren Vorstellung das Bild einer Wippe: Mit einem leicht zu bewältigenden Inhalt kann eine schwierige neue Methode erlernt werden. Umgekehrt kann mit einer bereits gut geübten Methode ein neuer und komplexer Inhalt erlernt werden.

   

Wählt man den Schwierigkeitsgrad in beiden Feldern gleich, also eine einigermaßen bekannte Methode mit einem nur wenig reduzierten Inhalt, so besteht die Gefahr, die Wippe auf einem komplexen Inhaltsniveau zum Stillstand zu bringen. Die Schüler können dann mit beiden Unterrichtskomponenten nicht gut umgehen und geraten beim Lernen ins Stocken. 

Beide Aspekte — das systematische Erlernen von Unterrichtsmethoden, wie auch die Berücksichtigung des erweiterten Lesebegriffs innerhalb der Methodenauswahl — stellen einen wesentlichen Gelingensfaktor bei der Umsetzung im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung dar. Im Verlauf einer gut strukturierten Lernsequenz gewinnen die Schüler auch in methodischer Hinsicht neue Arbeitsweisen und methodische Grundmuster hinzu. So entwickelt sich nach und nach Methodenkompetenz, die den Unterricht bereichert und variationsreich werden lässt.

Claudia Omonsky

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