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Natur als Lernort

Erfahrungsfeld für alle Sinne

Hören und sehen, aber auch Neues entdecken und die Natur erforschen können Schüler auf dem „Erfahrungsfeld der Sinne“. Hugo Kükelhaus entwickelte es in den 70er-Jahren. Seitdem fand seine Idee etliche Nachahmer, die Lehrer und Schüler in vielen Städten zu spannenden Naturerlebnissen einladen.

Natur als Lernort: Erfahrungsfeld für alle Sinne Barfuß und hautnah die Natur wahrnehmen und entdecken — ein beeindruckendes Erlebnis © Pezibear/Pixabay

„Ich habe gelernt, wie man ein Feuer ohne Feuerzeug anmacht“, erzählt Manuel begeistert. „Man muss immer ganz schnell die Steine zusammenschlagen.“ Er hat das Feuermachen auf dem Erfahrungsfeld der Sinne ausprobiert und staunt, dass es wirklich funktioniert.

Staunen, entdecken, forschen und erleben sollen Schüler auf dem „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“ — genau dafür ist es konzipiert. Sein Erfinder, Hugo Kükelhaus, war Handwerker, Pädagoge und Künstler. Das „Erfahrungsfeld“ machte ihn in den 70er-Jahren bekannt. Mit seinen Spiel- und Erlebnisgeräten legte er den Grundstein für die Erfahrungsfelder, wie es sie auch heute noch in vielen Städten gibt.

Kükelhaus wollte eine Brücke bauen zwischen Mensch und Natur. Er war davon überzeugt, dass der Mensch sich durch die technische Entwicklung immer mehr von Naturerscheinungen und seinen ureigenen Sinneseindrücken entfernt. Deshalb schuf er einen Ort, an dem der Besucher grundlegende sinnliche Entwicklungs- und Erfahrungsmöglichkeiten vorfindet. An verschiedenen Stationen soll er die Gesetze der Natur unmittelbar wahrnehmen und am eigenen Leib erfahren können. So gibt es unterschiedliche Stationen zu den Themen Hören, Schwingen/Gehen, Greifen, Riechen, Sehen/Orientierung, Phänomene betrachten und Wissen (vgl. Kükelhaus, Hugo / zur Lippe, Rudolf: Entfaltung der Sinne. Frankfurt Main 1982).

Erfahrungen mit der Natur sammeln

Die vielfältigen Stationen schaffen einen Übergang zwischen Wahrnehmungen aus dem Alltag und tieferen Einsichten in natürliche Zusammenhänge und Naturphänomene. Schüler können fehlende Grunderfahrungen mit der Natur machen, die sich systematisch an die Wahrnehmungstätigkeiten anlehnen. Hier eine beispielhafte Übersicht über bedeutsame Stationen:

Literaturtipp und Adressen:

Cornell, Josef: Mit Kindern die Natur erleben. Mülheim an der Ruhr 1981

Hugo Kükelhaus Gesellschaft, Nöttenstr. 29a, 59494 Soest, Tel.: 02921–33302

Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne: Johann-Soergel-Weg, 90489 Nürnberg, Tel.: 0911 2315445

Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne: Gemeinnützige Forschungs- und Bildungsgesellschaft m.b.H., Am Handwerkerpark 8–10, 45309 Essen-Katernberg, Tel.: 0201 30103-0

  • Bewegung: Pendelstein, Sandpendel, Taumelscheibe, Balanciergeräte und Kletterobjekte
  • Tasten & Fühlen: Tastkästen, Tastmauer, Barfußweg, Wasserspiele
  • Sehen: Farbkreisel, Optische Täuschungen, Rotationsscheiben, Kipp-Bilder, Prismen, Licht- und Farbspiele, Feuer, Wasserspiele
  • Hören: Windharfe, Trommel, Monochord, Klangschalen, Klangplatten, Summstein, Gong
  • Riechen & Schmecken: Kräuterschnecke, Rosenweg, Blütendüfte, Riechmemo, Obstwiese, Brotbacken
  • Begegnung: Partnerschaukel, Echorohr, Parabolschalen, Streichelzoo

Weiterhin gibt es bei den verschiedenen Erfahrungsfeldern jeweils individuelle Erlebnisangebote, z. B. Feuer machen, Brot backen, Druckwerkstatt oder Fadenspiele.

Die Stationen bieten neben dem intendierten Inhalt auch eine besonders einprägsame und ästhetisch ansprechende Gestaltung, die eine einzelne Lehrkraft nicht selbst bereitstellen könnte. Nicht nur der Wert des Erfahrungsfeldes an sich, sondern auch die Möglichkeit, einen Ausflug oder einen Schullandheimaufenthalt dazu zu planen, macht den Besuch eines solchen Erfahrungsfeldes attraktiv. So können Schüler das Lernen im Lernbereich Natur auf eine ganz besondere Weise erfahren. Vielleicht macht es Lust auf mehr und es entsteht ein größeres Projekt daraus. Schüler können ausgewählte Stationen beispielsweise für den eigenen Schulgarten nachbauen und ein ganz spezifisches Erlebnisfeld entwickeln.

Einzelne Stationen erlauben konzentriertes Hinsehen

Für die Schule und den Lernbereich Natur bietet das Erfahrungsfeld der Sinne eine besondere Brückenfunktion. Die Schüler begeben sich ins Freie, aber gleichzeitig in eine sorgfältig vorstrukturierte und differenzierbare natürliche Umwelt. Die Stationen erlauben eine konkrete Fokussierung auf bestimmte unterrichtliche Schwerpunkte wie auch ein ganzheitliches Erleben — je nach Intention und schulischer Einbettung.

So werden Schüler, die in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit eingeschränkt sind, behutsam an natürliche Phänomene herangeführt. Sie können sich gut auf deren Eindruck konzentrieren, ohne von den vielen unwägbaren Ereignissen eines Unterrichtsgangs, beispielsweise in den Wald, abgelenkt zu werden. So kann die Lehrkraft auf kleinem Raum strukturierte Erlebnisse anbieten.

Der Aufenthalt und das Lernen in der Natur sind für Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung bedeutsam, da sie unter Umständen aufgrund der Behinderungsform weniger selbstständig damit in Kontakt treten können. Wie wichtig solche Begegnungen sind, wird auch daran deutlich, dass in den unterschiedlichen Lehrplänen die Themenfelder zur Natur umfänglich aufgenommen werden. Neben dem Lernen am Realgegenstand in natürlicher Umgebung können die Schüler mit Spaß ihrem Forscherdrang nachgehen. Gemeinsame Spiel- und Bewegungsangebote, Teamarbeit und Experimente trainieren ganz nebenbei auch Persönlichkeit und Sozialkompetenz. Das Staunen über die Erlebnisse ist bei Schülern aller Schularten gleichermaßen zu beobachten, übrigens auch bei den Erwachsenen. So kann sich hier ein selbstverständliches inklusives Setting entwickeln.

Im Laufe der Jahre wurden die Erfahrungsfelder an unterschiedlichen Orten installiert und mit vielen zusätzlichen Aktions- und Erfahrungsstationen weiterentwickelt, z. B. in Wiesbaden, Essen, Kassel, Nürnberg sowie in der Nähe von Stuttgart und Bonn. Mobile Erfahrungsfelder stehen für Veranstaltungen bereit. In den 90er-Jahren entstand die Hugo-Kükelhaus-Gesellschaft, die sich seither um die Pflege und Weiterentwicklung der Grundidee kümmert. Über das Internet findet sich unter dem entsprechenden Stichwort schnell die jeweils regionale Einrichtung.

Claudia Omonsky

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