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Projektunterricht GE

Gesundheitsprojekt mit Yoga und Schwimmen

Für ältere Schüler sind Themen mit Alltagsbezug besonders interessant. Die Gesundheitswoche ist ein Beispiel dafür, wie projektorientierter Unterricht im Förderunterricht Geistige Entwicklung die Handlungsorientierung und die Selbstständigkeit der Schüler unterstützt.

Projektunterricht GE: Gesundheitsprojekt mit Yoga und Schwimmen Wenn der Vorschlag zum Projektthema von den Schülern kommt, kann gemeinsames Yoga-Lernen sehr entspannend sein © Africa Studio/Shutterstock.com

Die Schüler der Berufsschulstufe am Förderzentrum Geistige Entwicklung befinden sich auf der Schwelle zum Erwachsenwerden. Daher ist es naheliegend, die Methode der Projektorientierung hier unterrichtlich besonders stark zu verankern, um in dieser offenen Lernform interessante Themen mit Alltagsbezügen zu bearbeiten. Durch die hohe Handlungsorientierung finden sich im projektorientierten Unterricht viele zuvor erarbeitete methodische Formen wieder, die den Schülern über ihre Schullaufbahn hinweg vertraut geworden sind, z. B. Handlungseinheit, Freiarbeit, Wochenplanarbeit und weitere handlungsorientierte Verfahren. Wenngleich im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung nicht immer alle idealtypischen Phasen eines Projekts eingehalten werden können, so bleiben die grundlegenden Merkmale doch gleich.

Sieben Projektphasen markieren den Ablauf

Am Beispiel eines projektorientierten Vorhabens zur Förderung des Gesundheitsbewusstseins sollen hier die klassischen Projektphasen praktisch dargestellt werden (7 Komponenten nach Frey, Karl: Die Projektmethode. Weinheim Basel 2010).
1. Projektinitiative: Ausgangspunkt für das projektorientierte Vorhaben ist das Interesse einiger Schülerinnen an Yoga, mit dem sie an die Lehrkraft herangetreten sind. Mitten in der Pubertät befindlich wollen sie einige Yogaübungen für sich erarbeiten. Im Unterrichtsgespräch wird schnell deutlich, dass die Klasse neben Yoga Interesse an weiteren Aspekten der Gesundheitsförderung zeigt.

2. Projektskizze: Über eine Woche lang sammeln die Schüler zusammen mit der Lehrkraft Ideen, mit welchen Themen sie sich genau befassen möchten. Dabei wird das Projektziel beschlossen und festgelegt: Die Schüler wollen ihren eigenen Körper besser kennenlernen, sich bewusster ernähren und mehr bewegen. Diese Phase ist besonders wichtig, weil hier klar wird, dass das Vorhaben über den Aspekt Yoga hinausgehen wird und weitere gesundheitsbezogene Themen mit einbezogen werden können. Für die Jungen in der Klasse ist es an dieser Stelle bedeutsam, auch ihre Interessen mit einfließen lassen zu können. Yoga erscheint ihnen zunächst zu mädchenhaft, sie bevorzugen Abenteuerpfad und Schwimmen. Zwei Mädchen haben bereits Erfahrung mit Yoga aus dem Freizeitbereich, sie berichten über ihre positiven Erlebnisse und tragen so das Thema und die Motivation in die Klasse.

Eine gute Idee braucht einen guten Plan

Nachdem alle Wünsche und Interessen zusammengetragen worden sind, kann ein Plan zur Umsetzung entstehen.

3. Projektplan: Dazu erstellt die Klasse zunächst eine Mindmap. Alle Schüler werden systematisch befragt. Keine Idee wird bewertet, sondern zunächst gesammelt. Dann entscheiden sich die Schüler für vier Bereiche, die projektorientiert bearbeitet werden sollen.
Yoga: Entspannungsübungen, Traumreise, Atemübungen, Körperübungen/ Asanas
Wahrnehmungsschulung: Sinnespfad, Fuß-Tastweg, Riechmemory, Handmassage
Ernährung: Ernährungspyramide, Küchenchef Vitamino, gesundes Frühstück
Bewegung: Schwimmtraining für Schwimmschein, Abenteuerpfad

Die Schüler ordnen sich den einzelnen Teilbereichen zu und überlegen, welche Tätigkeiten und Aufgaben sie darin bewältigen müssen. Sie stellen einen Zeitplan auf, der die letzten 10 Wochen des laufenden Schuljahres bis zu den Sommerferien umfasst.

4. Projektdurchführung: In dieser Phase werden die Planungspunkte umgesetzt. Die Schüler beschäftigen sich über einen längeren Zeitraum mit ihren jeweiligen Teilbereichen und werden zu Spezialisten darin. Nicht nur für sich selbst, sondern auch mit den Mitschülern zusammen werden immer neue Aspekte ausprobiert und trainiert. So entstehen während der Durchführung Mappen mit Anleitungen und Hinweisen zu den einzelnen Bereichen. Besonders gern arbeiten die Schüler mit Fotos, die sie von sich selbst machen, um die Lernangebote zu dokumentieren. Hierzu trägt die Lehrkraft mit viel Hilfestellung bei.

So profitiert die ganz Schule vom Projekt

Am Ende des Schuljahres stellt die Klasse ihr Projekt den anderen Schülern vor und organisiert sogar eine Gesundheitswoche für die ganze Schule.

5. Projektabschluss: Alle Ideen kommen dabei in einer Art Workshop-Angebot zum Einsatz. Auf diese Weise können auch andere Klassen vom Gesundheitsprojekt profitieren.

6. Fixpunkte: Innerhalb des projektorientierten Vorhabens dienen Fixpunkte als organisatorische Schaltstellen. Die Arbeitsteams treffen sich zur Besprechung und zum Abgleich im Sinne der allgemeinen Zielsetzung. Dies ist in diesem Fall nicht nötig, da die Klasse mit überschaubarer Schülerzahl eher sukzessiv als gleichzeitig arbeitet. Allerdings gibt die Lehrkraft einigen lehrerzentrierten Input bezüglich der Wissensinhalte zum Thema Ernährung und Bewegung.

7. Meta-Interaktions-Phasen: Auch die bewussten Pausen zur Reflexion des Interaktionsgeschehens werden kaum notwendig. Die Bewältigung aufkommender Konflikte wird jeweils sehr zeitnah und situativ bearbeitet.

Projektorientiertes Angebot erfordert sorgfältige Vorbereitung

Versteht man Schule als einen Lebensraum und als Vorbereitung auf soziale Teilhabe, so bietet der Unterricht die Voraussetzungen für projektorientierten Unterricht. In realen Situationen verhindern aber häufig die organisatorischen Mangelsituationen vor Ort (Räume, finanzielle Ressourcen, Betreuungspersonal), aber auch manche Konstitutionskomponente der Schüler mit einer geistigen Behinderung die Realisation in Reinform. Die generell angestrebte starke Individualisierung und Differenzierung braucht dann andere unterrichtliche Konsequenzen, die nicht immer mit der Projektmethode in Einklang gebracht werden können. Daher ist eine sorgfältige methodische und organisatorische Vorbereitung eines Projekts besonders bedeutsam, um zu einem projektorientierten Vorhaben zu gelangen, bei dem alle Beteiligten Spaß und Lernfreude entwickeln.

Claudia Omonsky

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