Fach/Thema/Bereich wählen
Projektunterricht GE

Projektorientierter Unterricht ermöglicht handelndes Lernen

Projekte können Schüler begeistern und zu gemeinsamem Tun anregen. Der projektorientierte Unterricht eignet sich besonders gut für die heterogenen Gruppen im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung. Jeder Schüler kann sich daran mit seinen Neigungen und Möglichkeiten beteiligen.

Projektunterricht GE: Projektorientierter Unterricht ermöglicht handelndes Lernen Gemeinsam etwas bewirken und einen Garten gestalten, das ist für Schüler ein Erfolgserlebnis © YAKOBCHUK VIACHESLAV/Shutterstock.com

„Das brauchen wir für unser Kunstprojekt“, ruft ein Schüler aufgeregt und möchte den Stapel Altpapier behalten, den der Hausmeister gerade entsorgen will. Aktiv und motiviert von der Projektidee kümmern sich die Schüler um ihr Projekt. Damit kann der Lehrer gedanklich sofort an die Wurzeln der Projektidee anknüpfen, die beispielsweise Pestalozzi mit dem Paradigma „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ konzeptionell vorbereitet hat. Ein Projekt ist ein Lernvorhaben, das selbstorganisiert, handlungsorientiert und interdisziplinär reale Probleme aufgreift und im gemeinsamen Tun von Lehrern, Schülern und ggf. anderen Beteiligten ein Projektergebnis bearbeitet.

Unter dem Grundgedanken „learning by doing“ sollen reale Handlungsabläufe und praktisches Tun die Lernprozesse der Schüler günstig beeinflussen. Die übergeordnete Idee dabei war historisch betrachtet immer die Stärkung der Persönlichkeit in ganzheitlichen Lernprozessen, wie auch die Befähigung zu demokratischem Handeln sowie die Einordnung des Individuums in Gruppenzusammenhänge (vgl. Petri, Gottfried: Idee, Realität und Entwicklungsmöglichkeiten des Projektlernens. Zentrum für Schulversuche und Schulentwicklung Wien, Graz 1991).

Projektunterricht berücksichtigt unterschiedliche Lernvoraussetzungen

Projekte können heute sicherlich als eine Hochform des handlungsorientierten Unterrichts bezeichnet werden. Sie eignen sich zur Vermittlung kognitiver, pragmatischer und emotional-affektiver Inhalte in allen möglichen Lernbezügen. Damit schulen sie unterschiedlichste Qualifikationen und Kompetenzen der Schüler und bieten ein besonders hohes Maß an Selbsterfahrung durch die selbstständige Bewältigung von Aufgaben. Der Begriff des Projektunterrichts wird jedoch nicht einheitlich verwendet. Im engeren Sinn sollten Projekte von den Schülern selbst geplant und auch gelöst werden, sodass die Lehrkraft idealerweise völlig in den Hintergrund tritt. Im weiteren Sinn muss man jedoch einen Kompromiss zwischen Projekt und Vorhaben schließen, da die Projektinitiative häufig vom Lehrer ausgeht, der im Verlauf des Projekts auch als Lernbegleiter und Berater auftritt.

Besonders für die Schule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung hat sich darum der Begriff der Projektorientierung herausgebildet; man spricht von projektorientiertem Unterricht/projektorientierten Vorhaben (vgl. Frey, Karl: Die Projektmethode. Weinheim Basel 2010). Die projektorientierte Methodik mit ihrer hohen Handlungsorientierung eignet sich besonders gut für die sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der heterogenen Schülerschaft im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung. Ein projektorientiertes Vorhaben ermöglicht die Berücksichtigung aller Lern-und Leistungsniveaustufen im Sinne der Differenzierung und bietet in einer offenen Lernumgebung die Möglichkeit zu relativ freien Aufgabenstellungen.

Schüler schaffen ein Produkt mit Gebrauchswert

Ausgehend von einer gemeinsamen Gruppenaufgabe wird ein vorzeigbares Werk im Sinne eines Projektergebnisses angestrebt. Dabei orientiert sich die Aufgabenstellung an den Interessen und Fähigkeiten der Schüler. Jeder Schüler übernimmt einen Aufgabenteil, der seinen Neigungen und Möglichkeiten entspricht, die Lehrkraft wählt oft das Gesamtvorhaben aus. Das Ziel des projektorientierten Unterrichts ist häufig ein Produkt mit einem gewissen „Gebrauchswert“. Projektorientierter Unterricht ist in den meisten Fällen fächerübergreifend und weniger auf ein einzelnes Unterrichtsfach bezogen. Die Handlungsschritte hin zum fertigen Produkt sollten möglichst dokumentiert und nach Projektabschluss reflektiert werden.

Umfang und Inhalt der Projekte variieren

Der Umfang von projektorientierten Vorhaben variiert von Kleinprojekten (2–6 Unterrichtsstunden) über Mittelprojekte (1 Tag bis 1 Woche) zu Großprojekten (1 Woche bis 1 Schuljahr). Die inhaltliche Ausrichtung weist auf die Schwerpunktsetzung hin, z. B. gibt es Gestaltungsprojekte (Anlage eines Schulspielplatzes), Vergnügungsprojekte (Vorbereitung eines Abschlussballs), Problemprojekte (Warum ist unser Pausenhof so verschmutzt?) oder Lernprojekte (Wir fotografieren für eine Ausstellung).

Für ein optimales Ergebnis können auch verschiedene Fachleute ihre Sicht auf die Dinge einbringen bzw. außerschulische Experten hinzugezogen werden. Damit stärkt die Methode eine interdisziplinäre Herangehensweise. Wichtig für die Lehrkraft ist der Wechsel der Lehrerrolle — sie ist nicht so sehr Zentrum und Motor für die Klasse, sondern dient eher als Lernberater und bleibt dabei auch selbst Lernender.

Projekte fördern Kreativität und aktives Lernen

Die Arbeit mit Projektorientierung bietet viele Vorteile:

  • Projekte tragen zur Bewältigung von Lebenssituationen der Lernenden bei, die Bedürfnisse der Schüler stehen im Mittelpunkt.
  • Lehrer und Schüler bestimmen gemeinsam und demokratisch über die Ziele, Durchführung und Bewertung des Projekts. Das Ergebnis des Lernprozesses soll ein gemeinsames Werk bzw. eine Aktion sein.
  • Projekte fördern die Kreativität und Interdisziplinarität.
  • Der Bezug zur Realität und zu lebensnahem Lernen ist sehr hoch.
  • In der Aufhebung der Fächerverteilung wird das aktive und lebensnahe Lernen in größeren Alltagszusammenhängen gefördert. Die gemeinschaftliche Tätigkeit fördert dabei das soziale Miteinander.

Die Gefahr des Scheiterns berücksichtigen

Zum anderen müssen auch die Grenzen und Nachteile der Arbeit in Projektorientierung benannt werden:

  • Einzelne Schüler werden nur mit solchen Teilaufgaben betraut, für die sie als besonders leistungsfähig gelten. Die Leistungssteigerung/individuelle Förderung des Einzelnen tritt dann hinter die Absicht, ein gemeinsames Werk zu schaffen.
  • Die Gefahr des Scheiterns, des Steckenbleibens, des Nichtweiterkommens bei der Bewältigung der Teilarbeiten kann Resignation und Mutlosigkeit hervorrufen.
  • Benötigte Fähigkeiten und Fertigkeiten müssen methodisch aufgebaut werden, da sie nicht in den Projekten „nebenbei“ erworben werden können.
  • Berücksichtigung von systemischen Sachzwängen wie Therapie/Kurssystem an der Schule, ritualisierte Tagesabläufe, Bedürfnisse der Schüler mit intensiver Behinderung muss gegeben bleiben.

Der projektorientierte Unterricht stellt als handlungsbezogener Unterricht eine wichtige Weiterentwicklung der methodischen Fähigkeiten der Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung dar. Neben Handlungseinheiten und kleineren Vorhaben können die Schüler sich in größeren Projekten ausprobieren und so vor allem in höheren Klassenstufen schon den Übergang in die Berufs- und Arbeitswelt ansteuern. In veränderter Lehrerrolle, aber auch unter anderen Vorzeichen der Schülerrolle können gemeinsame Interessen und Aufgaben alltagsnah gelöst werden. Unter der Prämisse „So viel Hilfe wie nötig, so wenig Hilfe wie möglich“ macht projektorientierter Unterricht sowohl Lehrern als auch Schülern Spaß.

Claudia Omonsky

Dazu passender Ratgeber
Dazu passendes Unterrichtsmaterial

Mehr zu Ratgeber Projektunterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×