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Sozialkompetenz GE

Locker bleiben! — Sozialkompetenz per Trainingsprogramm

Auffälliges Verhalten einzelner Schüler stört häufig den Unterricht. Insbesondere auch an Schulen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung. Hier können spezielle Trainingsprogramme zur Förderung der Sozialkompetenz dem Lehrer helfen. 

Sozialkompetenz GE: Locker bleiben! — Sozialkompetenz per Trainingsprogramm Statt sich anzugiften ist es viel besser, locker zu bleiben und nach anderen Lösungsmöglichkeiten zu suchen © Polina Ponomareva - Fotolia.com

Zunehmend leiden Lehrkräfte und Mitschüler unter dem störenden Verhalten von Schülern, die vor allem zu Hause großen Risikofaktoren wie z. B. psychischen Belastungen, mangelnden Sprachkenntnissen oder Migrationshintergrund ausgesetzt sind und darum ein hohes Potenzial an auffälligem Verhalten entwickeln.

Im beruflichen Alltag an allgemeinen Schulen konnten in den letzten Jahren einige Trainingsangebote zur Förderung der Sozialkompetenz etabliert werden, beispielsweise das Programm „Mit mir nicht!“ (Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus StMUK: Mit mir nicht! Materialien für Bayerns Grundschulen zur Prävention von Gewalt, Sucht und Drogen durch Stärkung von Selbstwertgefühl und Lebenskompetenz. München 2006) oder das Konzept „Positive Verhaltensunterstützung“ (Theunissen, Georg: Positive Verhaltensunterstützung. Marburg 2008). 

Ein aus der Praxis erwachsenes und für ganze Klassen geeignetes Trainingsprogramm ist das Sozialtraining „Locker Bleiben“ (Schatz, Herbert / Bräutigam, Dorothea: Locker Bleiben — Sozialtraining für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Handlungsorientierte Methoden zum Sozialen Lernen und zur Gewaltprävention. Dortmund 2012), das besonders gut mit Schülern mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung und erhöhtem Förderbedarf im Bereich der sozial-emotionalen Entwicklung durchgeführt werden kann. Es wurde erstmals im Jahr 2006 an einer Schule der Lebenshilfe Augsburg durchgeführt. Mittlerweile werden Fortbildungen und eigenständige Trainings angeboten. 

Auffälligkeit als Verzögerung der Entwicklung

„Locker Bleiben“ bietet einfach gestaltete, verständliche und handlungsorientierte Übungs- und Spielformen an, die unter einem leiblich orientierten Lernansatz zu sozialer Interaktion und Kooperation führen sollen. Damit wurde das Programm besonders gut an die Bedürfnisse von Schülern mit einer geistigen Behinderung angepasst, denn es verzichtet auf erhöhte kognitive Kompetenzen. Das Sozialtraining geht nicht explizit auf die bekannten Formen des Mobbings (psychische Gewalt) oder Bullyings (physische Gewalt) ein, sondern beschäftigt sich mit dem sogenannten Synchronisationsdefizit. Dieser Begriff bezieht sich auf Schüler, die kein inneres Gleichgewicht finden, viel streiten und provozieren, sich darum nicht in ihrem sozialen Umfeld einpassen können, keine Freunde finden und aus diesen Gründen häufig allein bleiben. 

Weitere Literatur zum Thema:

Schatz, Herbert / Bräutigam, Dorothea: Weiter Locker Bleiben — Sozialtraining für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Neue Ideen aus Psychomotorik und Erlebnispädagogik. Dortmund 2018

„Locker Bleiben“ orientiert sich grundlegend am entwicklungspädagogischen Ansatz nach Mary Wood, der von Bergsson/Luckfiel weiterentwickelt wurde (Bergsson, Marita / Luckfiel Heide: Umgang mit „schwierigen“ Kindern. Berlin 2007). Entwicklungspädagogisch werden Verhaltensauffälligkeiten als eine Art Entwicklungsverzögerung verstanden, die sich auf die emotionalen und sozialen Kompetenzen beziehen. 

Sozialtraining in fünf Stufen

Im fünfstufigen Entwicklungsmodell nach Bergsson durchläuft ein Kind in sozial-emotionaler Hinsicht die Bereiche Verhalten und Handeln, Kommunikation und Sprache, Sozialisation sowie Kognition. Mithilfe des Diagnosebogens ELDiB (Entwicklungstherapeutischer Lernziel-Diagnosebogen, ETEP Europe, 2001) kann der jeweilige Entwicklungsstand eines Schülers im Bereich der sozial-emotionalen Entwicklung festgestellt werden, um dann die entsprechenden Übungen aus „Locker Bleiben“ auszuwählen.

Das Sozialtraining „Locker Bleiben“ gliedert sich in fünf Fördermodule mit vorgegebenem Stundenaufbau, der sich nach einem immer gleichen Schema richtet. Zwei „Trainer“ (Lehrer, Erzieher, andere Bezugspersonen) begleiten dabei die Gruppe. So entsteht in den Fördereinheiten ein fester Rahmen für die Schüler, der Orientierung und Sicherheit bietet. 

Schatz und Bräutigam schlagen folgenden Aufbau für die Förderstunden vor (vgl. 2012, S. 27):

  • Modul 1: Schatzkiste und Set (Gefühle äußern, Sicherheit und Struktur geben)
  • Modul 2: Aktive Phase und Spielen (Aufwärmspiel und Wir-Gefühl entwickeln)
  • Modul 3: Aktive Phase und Übung (Orientierung am Lernziel im geschützten Lernraum)
  • Modul 4: Entspannung und Feedback (Mitteilung von Wahrnehmungen und Rückmeldung)
  • Modul 5: Umkleiden und Rückweg (sichere Rückkehr in den Alltag ohne Konfliktsituationen)

Dabei werden Einzel-, Partner- und Gruppenübungen angeboten und handlungsorientiert durchgeführt. In den Praxisbüchern zu „Locker Bleiben“ wie auch auf der Homepage findet man zahlreiche erprobte Übungs- und Spielformen, die aus den Bereichen Spielpädagogik, Erlebnispädagogik und Psychomotorik zusammengestellt wurden. Zusammen mit dem fundierten Sozialtraining wie auch den Informationen zum entwicklungspädagogischen Hintergrund bekommt die Lehrkraft eine praxisnahe Hilfe zur Bewältigung von Verhaltensauffälligkeiten in der Klasse.

Claudia Omonsky

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