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Sozialkompetenz GE

Mit Improvisationsspielen sozialkompetente Interaktionen fördern

Viele Missverständnisse und Konflikte entstehen, weil die Sozialkompetenz von Schülern oft wenig entwickelt ist. Ein handlungsorientierter Unterricht im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung bietet viele Möglichkeiten, soziale Kompetenzen zu erwerben.

Sozialkompetenz GE: Mit Improvisationsspielen sozialkompetente Interaktionen fördern Im Improvisationsspiel können die Schüler verschiedene Verhaltensmuster ausprobieren © Scott Griessel - Fotolia.com

„Dann hat er mir einfach mein Pausenbrot weggenommen und aufgegessen!“ Mit diesem Satz berichtet eine Schülerin augenscheinlich fassungslos vom Zusammentreffen mit einem Mitschüler in der Pause. Bei einem klärenden Gespräch stellt sich heraus, dass dieser der Meinung war, höflich gefragt zu haben, ob er etwas abbekommen könne. Die  Betroffene hätte zugestimmt. An diesem Beispiel wird klar, wie wichtig es ist, eigene Gefühle und Emotionen deutlich mitteilen zu können, sodass Konflikte und Missverständnisse bis hin zu Übergriffigkeiten und Handgreiflichkeiten vermieden werden. Der Förderung der Sozialkompetenz kommt eine immer größere Bedeutung zu, betrachtet man die wenig entwickelten Fähigkeiten vieler Schüler hinsichtlich Einfühlungsvermögen und der Anwendung effektiver Lösungsstrategien für Konflikte.

In einem kompetenzorientierten Unterricht folgen wir der konstruktivistischen Auffassung von Lernen als aktivem, sozialem und selbstgesteuertem Prozess. Er orientiert sich an Situationen und Problemen, die sich in Schule und Alltagswelt auftun. Der Fokus im kompetenzorientierten Unterricht liegt auf der Entwicklung von Fähigkeiten, die dazu beitragen können, sich in der Welt zurechtzufinden und sich aktiv mit allen Erscheinungen der Umwelt auseinanderzusetzen. 

Den Umgang mit Gefühlen üben

Dabei ist es besonders wichtig, an das vorhandene Wissen anzuknüpfen und bereits entwickeltes Können einzubeziehen. Für neu angestrebte Kompetenzen sollte die Lehrkraft Lernsituationen schaffen, in denen die Schüler ihre Kompetenzen erwerben bzw. stärken können. Gerade im Entwicklungsfeld der Sozialkompetenz bedeutet das realitätsbezogene Arbeiten, den Schülern möglichst oft einen Lernanlass zu geben, den sie als wichtig für ihr Leben einstufen können. 

Um mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und sich selbst immer besser einschätzen zu können, stellt der Umgang mit den eigenen Gefühlen daher ein wichtiges Lernfeld für die Schule dar. Im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung arbeitet man besonders handlungsorientiert, sodass eine übende und darstellende Form erfolgversprechend ist, z. B. im darstellenden Spiel. Hier erhalten die Schüler die Möglichkeit, sich innerhalb eines vorgegebenen Rahmens auszuprobieren, bevor sie die erworbenen Sozialkompetenzen auf den Alltag übertragen. 

„Nein-Sagen“ kann Respekt verschaffen

Gerade Mädchen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung haben immer wieder Schwierigkeiten, von ihrer Umwelt ernst genommen und respektiert zu werden. Mit theaterpädagogischen Elementen können die Schüler üben, eigene Wünsche und Bedürfnisse spielerisch zu äußern und bei Bedarf auch „Nein“ sagen zu können. Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung üben das Nein-Sagen handlungsorientiert mit der entsprechenden selbstbewussten Körperhaltung, Mimik und Sprache.

Literatur um Thema:

Hentschel, Angela: Konflikte lösen im inklusiven Unterricht., Hamburg 2016

Schaller, Roger: Das große Rollenspiel-Buch. Grundtechniken, Anwendungsformen, Praxisbeispiele. Weinheim an der Ruhr 2006

Schulpsychologischer Dienst Viersen (2013): MethodenBox Sozialkompetenz-Trainings, letzter Abruf am 02.11.2017

Einleitend und zur beispielhaften Identifikation kann der Lehrer die Lektüre des Bilderbuchs „Das große und das kleine Nein“ (Gisela Braun / Dorothee Wolters, Mülheim an der Ruhr 1997) heranziehen. Hier wird das schüchterne bzw. selbstbewusste Verhalten der Hauptfigur besonders gut deutlich, wenn es um das Nein-Sagen geht. Verschiedene Spielformen aus dem Improvisationstheater sowie theaterpädagogische Elementen machen nonverbale Signale bewusst und bieten gezielte Übungen an. Die Schüler erfahren, dass nicht nur die Wortwahl, sondern vor allem das Zusammenspiel von Körperhaltung, Mimik und Intonation mit der Sprache eine wichtige Rolle spielen, um glaubhaft eine Emotion ausdrücken zu können. Empfehlenswert ist es, die Einzelelemente zunächst unter einem einzigen Gesichtspunkt zu trainieren, bevor man sich an ein komplexes Rollenspiel wagt. 

Die Körperhaltung als Ausdruckselement

Zunächst geht es um eine angemessene Körperhaltung: Alle Schüler gehen durch den Raum und versuchen dabei, nicht aneinander anzustoßen. Der Lehrer variiert das Tempo, um das Spiel komplexer zu gestalten. Eine weitere Steigerung stellt die Anforderung dar, die gesamte Raumfläche möglichst gleichmäßig zu nutzen und nicht etwa in einem Pulk zu gehen. Da alle Schüler zugleich üben, wirkt das Spiel kooperativ und gruppendynamisch, ohne einen einzelnen in den Mittelpunkt zu stellen. Eine andere Variante sieht vor, dass sich Mitspieler beim Durcheinanderlaufen begrüßen. Die Art des Begrüßens wird vorgegeben, z. B. Hand schütteln, Nasen aneinander reiben, mit den Schultern antippen, die Knie aneinander stupsen usw. Die Art des Kontakts soll dabei freundlich-zugewandt sein, sodass ein angemessener Körpereinsatz erforderlich ist.

Mimik und Sprache unterstützen den Gefühlsausdruck

Bei der Übung zur Mimik lernen die Schüler, wie wichtig Augenkontakt ist. Sie üben, sich in die Augen zu schauen. Beliebt ist das Spiel, bei dem sich zwei in die Augen schauen und wer zuerst wegschaut, hat verloren. Eine weitere Variante weist jedem Spieler eine Gefühlslage zu, z. B. fröhlich, traurig, wütend usw. Diese soll er beibehalten, egal wer ihm entgegentritt. Diese anspruchsvolle Übung stärkt die Wahrnehmung des eigenen wie auch des fremden Gefühlsausdrucks. 

Bei der Übung zur Sprache laufen alle Schüler durch den Raum. Ein Schüler beginnt mit einer Ansage, z. B.: „Lasst uns alle hüpfen!“ Daraufhin antworten alle Mitschüler mit einem begeisterten „Au ja!“ und hüpfen hinterher. Dieses lustige Spiel fordert eher schüchterne Schüler heraus, sich innerhalb der Gruppe selbstsicher zu beteiligen — sei es als Rufer oder als „Au-ja“-Sager. Im weiteren Verlauf kann man das Spiel auch umdrehen und eine Spielform mit Nein anbieten. Hier behauptet ein Spieler „Du hast die Tür offengelassen“ und der nächste sagt „Ich war das nicht — er war‘s“ und dies immer so weiter. Wer kann sich am überzeugendsten durchsetzen? 

Rollenspiele stärken die Gemeinschaft

Im Rollenspiel können schließlich mehrere Übungsformen kombiniert werden. Über Standbilder und Pantomime können die Schüler kleine Spielszenen improvisieren, die sie schließlich im Rollenspiel in komplexere soziale Situationen umsetzen. Identifikationsfiguren aus Bilderbüchern oder Filmen sowie Vorbilder und „Superhelden“ dienen einer kindgerechten methodischen Umsetzung. Die Spiel- und Übungsformen können in größere Theaterprojekte eingebettet werden und stärken insgesamt das Zusammengehörigkeitsgefühl der ganzen Klasse. Die erworbenen Sozialkompetenzen bilden eine gute Basis im kooperativen Lernen wie auch für ein positives Lernklima und können Ausgangspunkt für weitere Lernangebote im Kontext Sozialkompetenz bilden.

Claudia Omonsky

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