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Sozialkompetenz

Mit Sozialkompetenz fit fürs Leben

Nicht alle Schüler halten sich an die Regeln eines wertschätzenden, respektvollen Miteinanders. Oft muss der Lehrer nachholen, was Eltern versäumt haben. Dabei spielt eine erfolgreich gelernte Sozialkompetenz nicht nur in der Schule eine wichtige Rolle. Ganz entscheidend beeinflusst sie auch das spätere Berufsleben.

Sozialkompetenz: Mit Sozialkompetenz fit fürs Leben Ein freundlicher Umgang miteinander muss gerade auch in der Schule immer wieder geübt werden © STUDIO GRAND OUEST - Fotolia.com

Ohne ausreichende soziale Kompetenz bei Lehrern und Schülern ist ein Lernen in der Schule nicht möglich. Sozialkompetenz ist ein komplexes Gebilde von Fähigkeiten, die uns Menschen helfen, in Kommunikations- und Interaktionssituationen effektiv miteinander zu handeln und zu lernen. Angemessenes soziales Verhalten wird später im Beruf eine noch bedeutendere Rolle spielen. Verfehlungen im Sozialverhalten, die in der Schule gang und gäbe sind, werden in der Berufswelt in der Regel nicht toleriert. Was hier noch mit einer Strafarbeit quittiert wird, kann im Berufsleben eine Kündigung nach sich ziehen. Von daher ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche soziales Verhalten lernen und verinnerlichen.

Soziales Handeln in der Schule zu vermitteln ist eine Mammutaufgabe: Miteinander kommunizieren, interagieren, „entsprechend den Bedürfnissen der Beteiligten Realitätskontrolle übernehmen und effektiv handeln“ (wikipedia). Ziel der sozialen Kompetenz ist es, positive, erwünschte Konsequenzen zu maximieren und negative, unerwünschte zu minimieren, um ein friedliches und erfolgreiches Miteinander zu ermöglichen.

Kinder und Jugendliche kommen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen in die Schule. Dieser Lerngemeinschaft gemeinsame Werte und Verhaltensmuster zu vermitteln, ist nicht einfach. In den Familien gibt es unterschiedlichste Ansichten über Sozialverhalten, geprägt durch das soziale Umfeld als auch durch kulturelle und religiöse Vorstellungen. Neue Maßstäbe und Grenzen zu akzeptieren, ist für manche Schüler nicht einfach. Als Lehrer braucht man manchmal einen langen Atem, um neue Werte durchzusetzen. 

Wenn das Elternhaus versagt 

Wie vermittelt man angemessenes soziales Verhalten im Unterricht? Grundsätzlich ist dies zunächst Erziehungsaufgabe des Elternhauses. Leider überlassen viele Eltern diese Aufgabe der Schule.  Kommentare wie „Die Lehrer werden dir schon richtiges Benehmen beibringen!“ zeigen, dass manche Eltern in dieser Hinsicht aufgegeben haben und die Erziehung gern auf die Lehrer abschieben – sei es aus Unfähigkeit, mangelnder Konfliktbereitschaft oder falschem Verständnis ihrer Elternrolle. Bei Elterngesprächen bekommt der Lehrer dann Kommentare zu hören wie: „Sie erziehen doch mein Kind. Das haben Sie doch studiert!“ Es gibt auch Eltern, die mit dem Fehlverhalten ihres Kindes in der Schule keine Probleme haben, da es sie nicht direkt betrifft. Sie betrachten das Fehlverhalten als ein rein schulisches Problem, wie in diesem Videoclip von Anke Engelke persifliert.

Störfaktoren erkennen und eliminieren

In der Schule müssen alle Akteure miteinander agieren können. Nur in einer Klassengemeinschaft mit ausgeglichenem Klassenklima können sich die Schüler auf den Lernstoff konzentrieren und die Lehrer um die Wissensvermittlung kümmern. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass alle Beteiligten soziale Kompetenzen erlernen und verinnerlichen.

Zahlreiche Faktoren, die sowohl Schüler als auch Lehrer, Eltern und das soziale Umfeld betreffen, können diesen Prozess behindern:

  • die Unfähigkeit der Schüler, sich an die Regeln in der Schule zu halten
  • Eltern, die die Erziehungsaufgabe auf die Schule abwälzen
  • Eltern, die in Sachen Erziehung nicht mit der Schule an einem Strang ziehen
  • Lehrer, denen Elternarbeit nicht wichtig ist
  • Lehrer, die keinen Rückhalt bei Eltern oder der Schulleitung erfahren, wenn es um schwierige Schüler geht
  • Lehrer, die nicht offen und fair mit Schülern umgehen
  • negative Einflüsse von außen, z. B. durch Medien sowie Peer-Groups und Freundeskreis der Schüler
  • negative Vorbilder aus Sport und Showbiz, deren schlechtes Verhalten von Schülern kopiert wird
  • Streit/Mobbing in der Klasse

Sozialkompetenz bei Betriebspraktika gefragt

Schon beim ersten Kontakt mit dem „richtigen Leben“ merken die Schüler, wie wichtig die Sozialkompetenz ist. Betriebe sehen sie als wichtigen Bestandteil bei der Beurteilung von Praktikanten nach einem Betriebspraktikum. Sie legen großen Wert darauf, dass angehende Auszubildende sich in das Team des Betriebes gut integrieren. Manche Betriebe bieten sogar betriebsinterne „Kniggekurse“ an, damit sich die Auszubildenden beispielsweise bei späteren Kundenkontakten nicht daneben benehmen. Ein rüpelhaftes Verhalten kann schnell zahlungskräftige Kundschaft vergraulen und so dem Ruf und dem Erfolg der Firma schaden.

So werden Schüler zu Teamplayern 

Ein gutes zwischenmenschliches Verhalten ist Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Sozialkompetenz. In der Schule geht es um den Umgang der Schüler untereinander und mit den Lehrern, in der Arbeitswelt um den korrekten Umgang mit Kollegen, Vorgesetzten und Kunden.  

Dazu gehört die Fähigkeit, Konflikte friedlich lösen zu können. Denn nur so können Probleme gemeinsam gemeistert werden und Schüler sich auf ihr Lernen konzentrieren. Konfliktlösungsfähigkeit und zwischenmenschliches Verhalten sind eng miteinander verknüpft.

Eine gute Kommunikationsfähigkeit garantiert, dass die „Botschaften“ klar und deutlich bei den Adressaten ankommen, diese sie also leicht und richtig verstehen. Sprache, Mimik, Gestik und Körperhaltung sind wichtige Signale, wenn es darum geht, kommunikationsfähig zu sein. Vor allen Dingen sollten Sprache und Mimik/Körperhaltung inhaltlich zueinander passen.

Kein gemeinsamer Erfolg ohne Teamwork! In der Schule wird das Miteinander unter anderem in der Partner- und Gruppenarbeit geübt. Teamfähigkeit/Teamwork wird im späteren Berufsleben von den meisten Arbeitnehmern erwartet. Die Mitglieder eines Teams sollen die Fähigkeit zur Kooperationsbereitschaft mitbringen. Dazu gehört, die Meinungen anderer zu respektieren, sie ernst zu nehmen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen — auch wenn sie einmal dem eigenen Standpunkt widersprechen. 

Mit Einfühlungsvermögen zum Erfolg

Ein weiterer Bestandteil der sozialen Kompetenz ist die Empathie, die Fähigkeit, sich in andere Personen hineinzuversetzen und deren Gefühle nachzuvollziehen. Das Einfühlungsvermögen wird in allen Berufen eine Rolle spielen, vor allem aber in erzieherischen, therapeutischen und medizinischen Berufen. Empathie ist eine wichtige Kompetenz, um erfolgreich im Beruf zu sein.

Eine Kompetenz, die manche nur schwer erlernen können, ist die Kritikfähigkeit. Hier kommt es darauf an, eine Kritik sachlich formulieren zu können. Denn nur eine sachlich vorgetragene Kritik hat die Chance, vom Gegenüber angehört und angenommen zu werden. Umgekehrt muss der Kritisierte lernen, eine Kritik nicht als Angriff auf seine Person oder Arbeitsleistung anzusehen, sondern als Hinweis, dass man etwas anders bzw. besser machen könnte. Zur Kritikfähigkeit gehören aber ebenso das Lob und die Anerkennung. Eine gut vorgetragene, sachbezogene Kritik als auch ein an richtiger Stelle gesetztes Lob können den Adressaten anspornen, etwas Positives beizubehalten oder etwas noch nicht so Gutes zu verbessern.

Auch die Fähigkeit, jemanden zu motivieren und zu überzeugen gehört zur sozialen Kompetenz. Seine eigene Meinung gut zu begründen, auch gegen Widerstände durchzusetzen und andere zu begeistern ist eine Gabe, die im Berufsleben von Mitarbeitern erwartet wird, die andere Mitarbeiter führen sollen.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Wie kann man soziale Kompetenzen und ein angemessenes Verhalten vermitteln? Am besten durch ein gutes Beispiel. Für manche Lehrer mag das seltsam klingen, aber es gibt immer wieder Zeitgenossen, die es selbst an der nötigen Etikette im Unterricht fehlen lassen, aber ein einwandfreies Verhalten von der Schülerschaft verlangen. Hierzu seien ein paar kleine Beispiele genannt:

  • Wenn man als Lehrer in das Klassenzimmer kommt, die Klasse mit einem „Guten Morgen“ begrüßen. 
  • Beim Schließen der Türe darauf achten, dass man die Tür ordentlich schließt und nicht einfach zufallen lässt. Türen knallen/zuschlagen ist leider bei vielen Lehrern gang und gäbe. 
  • Beim Austeilen von Heften diese nicht auf die Tische der Schüler werfen.
  • Bei Konflikten auf die Wortwahl achten.
  • Bei Kritik Schüler nicht vor den Kopf stoßen, sondern so formulieren, dass daraus kein „Angriff“ gegen den Schüler wird.
  • Nur ein respektvolles Verhalten, wird auch Schüler zu mehr Respekt bewegen. Wobei — wie wir gesehen haben — soziale Kompetenz keine einzelne Fähigkeit, sondern ein Geflecht aus vielen Bestandteilen ist, die je nach Situation und Persönlichkeit mehr oder weniger stark ausgeprägt sind. Wenn wir die Schüler auf ein erfolgreiches Leben vorbereiten wollen, müssen wir alle Aspekte berücksichtigen, die eine gute Sozialkompetenz ausmachen.  

Oft tragen klärende Gespräche mit einzelnen Schülern oder der ganzen Klasse zum erfolgreichen Miteinander in der Schule bei. Ein Lob über erfolgreiche Aktionen der Klasse kann Anlass dafür sein, dass sich Schüler neu motiviert an Unterrichtsgeschehen beteiligen. Aber auch rechtzeitig geäußerte sachlich vorgetragene Kritik zu Fehlverhalten kann zu einem friedlichen Miteinander im Klassenverbund beitragen.

Jens Eggert

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