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Szenisches Spiel bereichert den Förderunterricht

Kleine Szenen zu spielen, hilft Schülern, die Möglichkeiten des körperlichen und mimischen Ausdrucks zu erkunden. Manche Szenen gelingen ohne Worte, andere erlauben viel Bewegung. Jede neue Rolle bringt neue Erfahrungen, die das Selbstvertrauen der Schüler aufbauen und stärken.

Spiele GE: Szenisches Spiel bereichert den Förderunterricht Auch das Drachen-steigen-lassen kann in einem szenischen Spiel dargestellt werden © petrabarz - Fotolia.com

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, wusste schon Friedrich Schiller. Das Schulspiel ist eine etablierte Unterrichtsmethode geworden. Und so ist es nur folgerichtig, dass das Szenische Spiel als Methode auch im Unterricht mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung verwurzelt ist. Die Begriffe sind zahlreich: Schulspiel, Darstellendes Spiel, Rollenspiel oder Fantasiespiel oder eben Szenisches Spiel – gemeint sind die Formen des Schulspiels, bei denen die Schüler in ein personales Spiel kommen und spezifische Anregungen erhalten, um Erfahrungen zu sammeln und ihre Persönlichkeit zu entfalten.  

Das Szenische Spiel findet in vielen verschiedenen Lernbereichen seinen Platz, denn es kann unterschiedliche methodisch-didaktische Funktionen erfüllen: beispielsweise als Vertiefung im Religionsunterricht, etwa bei der Nachempfindung einer biblischen Geschichte, als Darstellung im Deutschunterricht, um den Clou einer Bildergeschichte zu verdeutlichen oder als Training im Sachunterricht beim Nachspielen einer Szene beim Einkaufen. Es steht nicht immer gleich eine größere, ausgearbeitete Theateraufführung im Mittelpunkt des Szenischen Spiels. Denn als ganzheitlich ausgerichtetes Angebot zielt das Szenische Spiel schwerpunktmäßig auf die Entwicklung der Persönlichkeit der Schüler und erst in zweiter Linie auf die Ästhetik für die Zuschauer.

Spielerisch lernen, dem eigenen Körper zu vertrauen

Das Szenische Spiel fordert den ganzen Menschen. Die Schüler erfahren dabei, dass sie dem eigenen Körper, der eigenen Stimme vertrauen und neue emotional-kommunikative Begegnungen mit den Mitspielern erleben können. Einfache Vorübungen und Spielformen bilden den Ausgangspunkt für erste Erfahrungen und bahnen die Spielkompetenz an. Man findet im Bereich des Improvisationstheaters eine sehr umfangreiche und variationsreiche Auswahl an Spielen:

Körper- und Bewegungserfahrungen: Durch Kreisspiele, Kennenlern- und Aufwärmspiele, Atem- und Sprechübungen wie auch Körperübungen nehmen die Schüler den eigenen Körper mit seinen Bewegungsmöglichkeiten wahr. Sie werden offen für die anderen Mitspieler und machen sich über die Körpererfahrung innerlich freier zum Spiel. Im Austausch mit anderen üben sie auch den Aspekt der Zusammenarbeit und des Miteinanders.

Blinzeln, klatschen und schnell reagieren

„Blinzelstopp“: Alle Schüler gehen durch den Raum und versteinern, wenn jemand ihnen zublinzelt. Wenn zwei Schüler zugleich blinzeln, müssen beide versteinern. Ein versteinertes Kind wird erlöst, indem ein anderer Schüler es im Vorbeigehen wiederum anblinzelt.

„Rettung“: Alle Schüler gehen durch den Raum. Ein Schüler lässt sich mit einem lauten Seufzen/ Stöhnen/Jammern ganz langsam zu Boden sinken. Sofort eilen alle anderen herbei und stellen ihn wieder auf die Beine, sodass er im Idealfall nicht wirklich auf den Boden fällt.

„Klatschkreis“: Alle Schüler stehen im Kreis und ein Klatschen wird im Uhrzeigersinn an den Nebenspieler durch einen deutlichen Klatsch-Impuls weitergegeben. Dies geschieht in einem immer schnelleren Tempo. Variationen können sein: durch zweimaliges Klatschen die Richtung zu ändern oder das Klatschen quer durch den Raum zu schicken. Es kommt auf die richtige und schnelle Reaktion an.

Literaturtipps:

Albrecht-Schaffer, Angelika: Theaterwerkstatt für Kinder.100 und eine Idee rund ums Theaterspielen. Werl 2008

Brem, Christiane: Theatererlebnisse. Mit Kindern Theaterstücke kreativ gestalten. Donauwörth 2005

Thiesen, Peter: Drauflosspieltheater. Weinheim 2000

Thurn, Bernhard: Mit Kindern szenisch spielen. Berlin 1992

Verständigung klappt auch ohne Worte

Pantomime: Mit pantomimischen Übungen können Bewegungsmuster erkannt, analysiert und geübt werden. Die Schüler stellen mit einer Bewegungspantomime oder Tätigkeitspantomime Begriffe nach. Sie üben in Partnerarbeit Spiegel- oder Schattenpantomimen. Diese Spielform ist einerseits für nichtsprechende Schüler gut leistbar, andererseits durch den fehlenden Kontext auch relativ schwierig umzusetzen, sodass die Begriffe eher einfach und gut erkennbar gewählt werden sollten.

Man kann zudem recht einfach Fotos der entsprechenden Übung machen, daraus Karten basteln und dieses Material dann das nächste Mal als Spielgrundlage zur Verfügung stellen. So fördert man das selbstständige Tun der Schüler, und sie zeigen sich stolz auf ihre Hauptrolle beim Pantomime-Kartenspiel.

Dialoge und Stegreifspiele: Mit Stegreifspielen, die ohne größere Textvorgabe arbeiten, kann der Schüler alle Ausdrucksformen üben und daraus eine kleine Szene entwickeln. Je nach Leistungsvermögen dienen Bildvorlagen als Rahmen oder kurze Bildergeschichten als Strukturierung für eine Szene.

Einmal ein Filmstar sein

„Du! Ich? Ja, du!“: Die Schüler bilden einen Kreis, ein Spieler beginnt, zeigt auf einen Mitspieler und sagt: „Du!“. Der Mitspieler antwortet: „Ich? Wieso ich — nein, du!“ und deutet auf einen anderen Mitspieler, der genauso antwortet. Mit dieser einfachen Sprechszene kommt es zum Ausdruck unterschiedlichster Stimmungen und Kontexte, je nach Betonung und Körpersprache.

„Wurf-Wort“: Die Schüler stehen im Kreis und einer wirft mit einer entsprechenden Handbewegung ein Wort zu einem Mitspieler. Dieser wiederholt das Wort und fügt sofort ein anderes Wort hinzu, das er damit assoziiert. Dies wirft er dann einem nächsten Mitspieler zu. Das Spiel kann als Weiterführung des Klatschkreises gespielt werden. Je nach sprachlicher Möglichkeit stellt es schon einen recht erhöhten Anforderungsgrad dar.

„Oscar-Verleihung“: Die Schüler stellen Superstars dar, die auf einer Bühne einen Oscar verliehen bekommen. Ein Schüler nennt dessen Fantasienamen, den Arbeitsbereich des „Stars“ (Schauspieler, Modell, Regisseur usw.). Der „Star“ kommt entsprechend auf die Bühne, spricht eine kurze Dankesrede und geht wieder ab. Besonders interessant hierbei ist die Ausgestaltung von Gang, Mimik und Gestik.

Die aktive Rolle des Zuschauers

Das Szenische Spiel lebt wie jede Darstellung auch vom Publikum. Erfahrungsgemäß agieren alle Spieler wesentlich engagierter und motivierter, wenn sie ein Publikum haben. Die Schüler sollten sich daher sowohl als Akteure als auch als Zuschauer erleben. Damit hat man auch die Möglichkeit, diejenigen mit einzubeziehen, die überhaupt nicht spielen wollen oder können. Denn ein Zuschauer nimmt ebenfalls eine aktive Rolle im Geschehen ein. Er hat die Aufgabe, die Spieler genau zu beobachten und eine Rückmeldung zu geben. Er darf klatschen, pfeifen, johlen oder buhen. Er darf in einer reflektierten Feedbackrunde mitsprechen, wie er Verbesserungsvorschläge einbringen könnte. Er übt, sich als Zuschauer angemessen zu verhalten.

Nicht zuletzt freuen sich alle Schüler, wenn sie nach einer Zeit zu kleineren oder größeren Bühnenergebnissen kommen. Es wurden wahre Naturtalente dabei entdeckt, deren größtes Hobby die Schauspielerei geworden ist. Darum ist es sinnvoll, bei dieser Art des Unterrichts immer wieder auch Gelegenheiten zur Aufführung zu schaffen — sei es vor der Nachbarklasse, den Eltern, im Schulmorgenkreis oder bei größeren Festen.

Claudia Omonsky

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