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Stationenlernen GE

Mathematikunterricht: Lerntheke als schüleraktivierende Lernform

Die Lerntheke bietet sich als modifizierte Form der Stationenarbeit im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung gerade im Mathematikunterricht als vertiefende Lernform an. Eine genaue Planung ist Voraussetzung, um jeden Schüler mitzunehmen.

Stationenlernen GE: Mathematikunterricht: Lerntheke als schüleraktivierende Lernform Auch beim Unterrichtsthema Geld muss Rücksicht auf die unterschiedlichen Differenzierungsgrade genommen werden © katyspichal - Fotolia.com

Im Fach Mathematik brauchen Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung meist einen hoch differenzierten und individuell angepassten, übenden Vertiefungsunterricht, um die Lerninhalte konstant zu verankern. Die Lerntheke bietet hier methodisch hervorragende Möglichkeiten, um der heterogenen Schülerschaft und den komplexen fachdidaktischen Anforderungen gerecht werden zu können. Sie erlaubt fachliche Korrektheit und große inhaltliche Klarheit ebenso wie ein gutes und schüleraktivierendes Lernklima. Durch das Lernarrangement kann es der Lehrkraft gelingen, die Schüler individuell zu unterstützen und dabei alle im Blick zu behalten.

Das Format der Einzelaufgaben muss bekannt sein

Die verschiedenen Lernniveaustufungen in einer Klasse können in den Einzelaufgaben gut berücksichtigt werden. Dabei ist es nicht notwendig, dass sich die verschiedenen Aufgaben aufbauend aufeinander beziehen wie etwa bei der klassischen Stationenarbeit. Die Einzelaufgaben werden lediglich methodisch durch den Ablauf der Lerntheke verbunden sowie inhaltlich auf das jeweils individuelle Lernniveau des Schülers abgestimmt.

Maßnahmen wie das Festlegen von Pflicht- und Wahlaufgaben, eine farbige Kennzeichnung des Schwierigkeitsgrades und ein konsistentes Rückmeldesystem der Lehrkraft wirken ordnend und helfen, den Überblick zu behalten.

Grundvoraussetzung für das Gelingen der Lerntheke ist, dass die Schüler mit den Formaten der jeweiligen Einzelaufgabe gut vertraut sind. Sie können zugrundeliegende Strukturen wie Domino, Memory, Klammerkarten, Stöpselkasten, Arbeitsblattbearbeitung etc. selbstständig und mühelos bewältigen und sich vollständig auf den inhaltlichen Anteil der Aufgabe konzentrieren.

Planungsbeispiel: Umgang mit Geld

Eine Planungsgrundlage für eine Lerntheke zu mathematischen Themen soll hier am mathematischen Inhalt aus dem Lehrplan zum Beispiel „Umgang mit Geld“ aufgezeigt werden.

Eingebettet werden alle mathematischen Themen möglichst in Alltagssituationen und unter Berücksichtigung des Lebensweltbezugs (z. B. „Wir gehen einkaufen“). Die schwerpunktmäßige Trennung in einzelne Teilbereiche (z. B. „Geldmünzen kennen“ oder „Welche Münze ist mehr wert?“ oder „Reicht mein Geld aus?“) ist lediglich als Planungshilfe zu verstehen, da der übende Unterricht idealerweise einen realen Erlebnishintergrund als Rahmenthema hat. Dieses Rahmenthema hilft den Schülern, eine inhaltlich verbindende Klammer um die vielen verschiedenen Übungen zu setzen.

Die Lerntheke nimmt Rücksicht auf unterschiedliche Differenzierungsgrade innerhalb der Klasse. So werden die einzelnen Aufgaben in verschiedenen Schwierigkeitsgraden konzipiert, z. B.

  • leichte Aufgabe (grün): „gleiche Münzen finden/zuordnen“
  • mittlere Aufgabe (gelb): „alle 1-Euro-Münzen finden“
  • schwere Aufgabe (rot): „Welche Münzen ergeben zusammen 1 Euro?“

Diese Stufung kann im Material der Lerntheke beispielsweise farbig unterschieden werden, sodass die Schüler sich auf einem passenden Übungslevel einfinden können und automatisch durch das Farbleitsystem die richtige Übungsaufgabe finden.

Die Lehrkraft kann leicht den Überblick behalten und im Verlauf entweder in eine andere Lernstufung wechseln oder zur intensiveren Übung innerhalb einer Lernstufung mehrere Aufgaben anbieten (Schüler XY löst eine grüne, gelbe, rote Aufgabe oder Schüler XY löst drei gelbe Aufgaben). Man kann hier von Differenzierungsbreite und Differenzierungstiefe sprechen (vgl. Omonsky/ Seidel: Lernpalette Mathematik, Buxtehude 2005).

Planungsbeispiel: Menge-Ziffer-Zuordnung im Zahlenraum bis 5

Die Erarbeitung des Zahlenraums stellt in einer Grundschulstufenklasse einen klassischen, stark zu differenzierenden Lerninhalt dar. Im Vordergrund der Stunde steht in diesem Fall der Kardinalzahlaspekt, welcher besagt, dass die Zahlen die Mächtigkeit einer Menge ausdrücken und die letzte Zahl folglich die Menge bestimmt. In einer leistungsheterogenen Klasse wird in etwa in vier Lerngruppen differenziert:

  1. Die fünf Schüler der Hauptgruppe üben im Zahlenraum mit Mengen und Ziffern 1–5 (= Schwerpunkt der Stunde).
  2. Differenzierung A: Drei Schüler arbeiten im pränumerischen Bereich mit Mengen bis 5.
  3. Differenzierung B: Eine Schülerin arbeitet individualisiert im Zahlenraum bis 10 mit Addition und Subtraktion.
  4. Differenzierung C: Ein Schüler arbeitet individualisiert an der Farbzuordnung mithilfe des UK-Geräts (angelehnt an das Baum-Spiel).

Aufgrund dieser sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und des breiten Übungsspektrums bietet sich die methodische Form der Lerntheke für eine solche Übungsstunde sehr gut an. In einer gemeinsamen Einstiegsphase präsentiert die Lehrkraft über die motivierende Handpuppe Konrad das Thema: Konrad möchte das Baum-Spiel spielen. In kurzer Reaktivierung wird der Zahlenraum 1-5 anhand des gewählten Spiels wiederholt und aktualisiert, das Material kommt bereits zum Einsatz.

Die Schüler üben dann im Hauptteil mithilfe der Lerntheke auf ihrem jeweiligen Lernniveau. Die Materialien wurden strukturiert und handlungsorientiert vorbereitet. Die Übungsformen Klettkarten, Baum-Spielplan, Lege-Blätter, Klammerkarten, Arbeitsblatt, Farbplättchen wurden eingesetzt. Mit hoher Orientierung am individuellen Förderziel können auf diese Weise alle Schüler am gleichen Thema, jedoch mit unterschiedlicher Übungsintention arbeiten.

In einem gemeinsamen Abschluss reflektiert die Lehrkraft die Übungsphase und gibt individuelles Feedback. Das gemeinsame Spielen des Baum-Spiels beendet die Stunde.

Unterschiedliche Lernniveaustufen anbieten

Mathematische Lernaktivitäten können auf den unterschiedlichen Lernniveaustufungen angeboten werden. In Kombination mit unterschiedlichen Aufgabenformaten ergeben sich inhaltlich interessante und zielführende mathematische Tätigkeiten, mit deren Hilfe Schüler sich den Bereich der Mathematik erobern können. Differenzierung und Individualisierung stellen dann keine Hürde mehr dar, sondern bringen Leben und Farbigkeit in den übenden Mathematikunterricht.

Claudia Omonsky

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