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Stationenlernen LE

Stationenlernen einführen und üben mit dem Stationsplakat

Stationenarbeit im Bereich Sonderpädagogische Förderung stellt besondere Anforderungen an Schüler, die das selbstständige Lernen erst lernen müssen. Ein Plakat hilft dabei, eine angemessene Arbeitsatmosphäre und Struktur zu schaffen.

Stationenlernen LE: Stationenlernen einführen und üben mit dem Stationsplakat Schüler im Bereich sonderpädagogische Förderung benötigen anfangs Unterstüzung, um das selbstständige Arbeiten zu lernen © Syda Productions - Fotolia.com

Martin schreit laut auf. Gregor läuft durch den Raum und piekst jeden, den er auf seinem Weg zur Station trifft, mit dem Stift. Ayshe versucht, in dem beginnenden Chaos, weiter am Arbeitsauftrag zu arbeiten. „Wer hat Lust, mit mir zu aaaaaaaaarbeiten?“ — Aha! Jasmin sucht einen Partner für die Partneraufgabe. Es geht lebendig zu. Wir üben Stationsarbeit!

Stationenarbeit ist als Unterrichtsmethode beliebt, weil sie den Unterricht öffnet und die Selbstständigkeit fördert, doch es stellt sich in der Praxis schnell heraus: Es ist eine Herausforderung für Schüler ... und Lehrer!

Plakate sorgen für Struktur

Meine „Hauptwaffe“, im Kampf um einen strukturierten Unterricht und eine angemessene Arbeitsatmosphäre: das Stationsplakat!

Die Vorteile eines Stationsplakates auf einen Blick. Es …

  • visualisiert alle wichtigen Arbeitsschritte für die Schüler,
  • ritualisiert Beginn und Ende der Stationsphase,
  • erleichtert zurückhaltenden und unruhigen Schülern die Mitarbeit,
  • gibt unsicheren, unruhigen Schülern Sicherheit durch Orientierung,
  • bietet Anlässe zur Versprachlichung von Regeln, Arbeitsprozessen, Gelungenem und Verbesserungswürdigem,
  • kann für ein kriteriengeleitetes Feedback eingesetzt werden,
  • trainiert das Sozialverhalten,
  • ist leicht und kostengünstig umzusetzen.

Flankiert wird das Stationsplakat von meinem Verbündetem: einem Plakat mit den Klassenregeln, wie zum Beispiel:

  1. Ich höre auf die Lehrer.
  2. Ich melde mich leise.
  3. Ich höre anderen zu.
  4. Ich bin freundlich.
  5. Ich arbeite leise an meinem Platz.

Mit ihrer Unterschrift auf dem Plakat, haben sich alle Schüler zur Einhaltung der Regeln verpflichtet.

 

Visualisierung gibt Orientierung

Die Visualisierung der Arbeitsschritte mithilfe des Stationsplakates und der ritualisierte Einstieg in die Stationsphase, bietet für eher zurückhaltende oder unsichere Schüler eine Einstiegshilfe, sich am Unterricht zu beteiligen.

Das Stationsplakat hängt die gesamte Stationsphase über gut sichtbar an der Tafel. Der Platz ist jede Stunde gleich. Dies gibt dem Lehrer die Möglichkeit, Schüler auch während ihrer Arbeit immer wieder leicht und schnell auf einzelne nächste Arbeitsschritte gezielt hinzuweisen. Die Schüler gewöhnen sich erfahrungsgemäß schnell daran und fangen bald an, sich selbst daran zu orientieren und auch andere Schüler auf das Stationsplakat hinzuweisen, wenn diese Fragen zur Arbeitsweise haben.

Die wichtigsten Arbeitsschritte auf einen Blick

Die Arbeitsschritte auf dem Stationsplakat können je nach Lerngruppe und konkreter Vorgehensweise unterschiedlich aussehen. Besonders wichtig ist es, dass es verständlich, kurz und übersichtlich ist. Deshalb bietet es sich an, sich auf 5-6 Arbeitsschritte beschränken, wie beispielsweise:

  1. Ich fange mit einer Station an.
  2. Ich hole mir das nötige Material.
  3. Ich bearbeite die Station.
  4. Ich kontrolliere meine Ergebnisse.
  5. Ich kreuze die Station auf meinem Laufzettel an.

Das Stationsplakat soll von überall im Klassenraum gut lesbar sein, da die Schüler sich während der Stationsphase im Raum bewegen. Manche arbeiten an ihrem Platz, andere wählen freie Arbeitstische. Daher lasse ich es immer auf DIN A1 hochkopieren (ca. 8 € im Copyshop). Dies geht sowohl von einem DIN-A4-Ausdruck wie auch direkt aus einer Datei heraus.

Um die Schüler persönlich anzusprechen, sind alle Arbeitsschritte als Ich-Sätze formuliert. Die Schüler sollen eine möglichst genaue Vorstellung von dem Verhalten bekommen, das für eine erfolgreiche Bearbeitung der Stationen erforderlich ist. Deshalb sind alle Arbeitsschritte positiv formuliert, um den Schülern Orientierung und Transparenz zu geben. Formulierungen mit „nicht“ (Beispiel: Ich ärgere andere nicht.) wurden bewusst vermieden.

Arbeitsphase ritualisieren

Wir alle wissen, dass Rituale unseren Schülern Sicherheit durch Orientierung und Transparenz geben. Das kann man sich auch bei der Stationsarbeit zunutze machen. Die Arbeitsphase mit den Stationen beginnt und endet jede Stunde mit dem Stationsplakat. Je nach Vorwissen und Sicherheit der Schüler beim Stationenlernen, kann das Stationsplakat hier unterschiedlich eingesetzt werden.

Beginn der Stationsphase

  1. Anfänger: Alle Arbeitsschritte werden vorgelesen. Sie werden erklärt und gegebenenfalls demonstriert.
  2. Fortgeschrittene: Zu Beginn der Arbeitsphase wird ein Positivbeispiel benannt (Das ist uns gut gelungen!). 1-2 Arbeitsschritte, die als Klasse noch geübt werden müssen, werden als besonders wichtig für die jetzt kommende Stationsphase festgelegt. — Auf diesen Arbeitsschritt wird in dieser Stunde besonders geachtet.
  3. Profis: Die Schüler wählen jeweils einen Arbeitsschritt aus, den sie individuell verfolgen. Ausgewählte Schüler nennen ihr Ziel für die Stunde.

Ende der Stationsphase

  1. Anfänger: Der Lehrer benennt gelungene Arbeitsschritte. Die Schüler reflektieren lehrergestützt, welcher Arbeitsschritt noch verbesserungswürdig ist. Schüler oder Lehrer benennen konkrete Schritte zur Verbesserung.
  2. Fortgeschrittene: Schüler benennen Gelungenes und Verbesserungswürdiges. Sie begründen beides und formulieren konkrete Schritte für die nächste Stunde zur Zielerreichung.
  3. Profis: Die Schüler reflektieren den Grad der Zielerreichung und formulieren gegebenenfalls konkrete Schritte als Vorhaben für die nächste Stunde: Was hat mir geholfen, mein  Ziel zu erreichen? Was hat mich  gehindert? Das nehme ich mir für die nächste Stationsphase vor.

Die Ritualisierung der Stationsphase und das Stationsplakat unterstützt die Schüler, sich zu fokussieren und zu beteiligen.

Die Ritualisierung des Beginns und des Endes der Stationsphase gibt zurückhaltenden, unsicheren und unruhigen Schülern Sicherheit. Sie wissen, was auf sie zukommt. Wer sich sonst oft nicht im Unterricht traut, der fasst gegebenenfalls beim dritten oder fünften Mal Mut und liest vielleicht einen Arbeitsschritt vor.

Unruhige Schüler lassen sich häufig in den Einstieg und das Ende der Stationsphase integrieren, indem sie gezielt aufgefordert werden vorzulesen, auszusuchen, zudemonstrieren oder auch zu begründen.
Schwierige Schüler lassen sich mitunter durch die Anerkennung eines Beitrags beim Vorlesen eines Arbeitsschrittes, dem Hervorheben der erfolgreichen Einhaltung eines Arbeitsschrittes oder mit der Zuteilung einer bestimmten Aufgabe (z. B. Hilfe beim Abbau der Stationen) mit ins Boot holen.

Kriteriengeleitetes Feedback üben

Aus Erfahrung ist es sinnvoll, gerade mit Anfängern u. a. folgende Überlegungen anzustellen:

  • Was passiert, wenn jemand sich nicht für eine Station entscheiden kann?
  • Blockiert er eventuell die Stationen?
  • Warum ist es wichtig, entliehenes Material zur Station zurückzubringen?
  • Wie sorge ich dafür, dass ich immer weiß, mit welcher Station ich weiterarbeiten kann?

Für das Feedback in der Reflexionsphase können Satzanfänge (laminierte DIN-A4 Karten) als Hilfestellung eingesetzt werden. Diese können beispielsweise zum Ende der Stationsphase neben dem Stationsplakat an die Tafel gehängt werden.

Mögliche Satzanfänge:

  • „Die Stationsarbeit hat heute gut geklappt, weil ...“
  • „Nächste Stunde könnte die Klasse besonders auf ... achten.“
  • „Ich habe heute mein Ziel erreicht, weil ...“
  • „Für die nächste Stunde nehme ich mir vor, ...“

Die Profis können ihre individuellen Ziele auf Zielkarten (laminiert) haben, die auf den Tisch gekleben werden. Mit einem abwischbaren Folienstift können beispielsweise Smileys angekreuzt werden. Oder die Schüler haben eine Zieltabelle in ihrer Mappe. Diese können sie auf Aufforderung zu Beginn der Stationsphase aufschlagen und ihr Ziel nachlesen, damit sie es für die anstehende Stationsphase in Erinnerung haben. Am Ende der Stationsarbeit tragen die Schüler nach der Reflexionsphase den Grad der Zielerreichung in die Tabelle ein. Als Symbole sind die altbekannten Smileys nach wie vor sehr beliebt.

Es hat sich bewährt, den Schüler zu Beginn der Stationsarbeit mitzuteilen, wie viele Schüler in der Abschlussphase drangenommen werden. Zuweilen ist es sinnvoll, eine Liste mit den Schülernamen anzulegen, um Streitigkeiten zu vermeiden.

Die Stationsphase endet (besonders für Anfänger) in der Regel nach 15-20 Minuten.

Diese Arbeitsweise setzt voraus, dass die Schüler die Stationsarbeit im Prinzip beherrschen. Gibt es noch an zu vielen Stellen Unsicherheiten, dann sollte man im Zweifel auf die Kombination mit individuellen Zielen verzichten. Die Schüler sollen zunächst einmal die Arbeitsschritte des Stationenlernens im Blick behalten. Eine Überfrachtung und damit auch Überforderung, kann so vermieden werden. Für einzelne Schüler mag das Festlegen eines Arbeitsschrittes, der über eine längere Zeit verfolgt werden soll, dennoch sinnvoll sein.

Soziales Lernen trainieren

Die Stationsarbeit bietet Bewegungsanlässe. Die Möglichkeit aufstehen zu können, gibt vielen Schülern einen Moment der Entspannung. Doch neben diesem positiven Effekt, kann es für einige Schüler eine große Herausforderung sein, sich angemessen im Klassenraum und mit ihren Mitschülern zu bewegen.

Andere Schüler müssen vielleicht lernen auszuhalten, wenn immer wieder Unruhe in ihrer Nähe entsteht, da andere Schüler an ihrem Tisch vorbeigehen. Manche Schüler reagieren aufbrausend, wenn sie von anderen Schülern mitten in ihrer eigenen Arbeit Fragen gestellt bekommen.

Neben der Arbeit an der Methode Stationenlernen muss auch das Sozialverhalten immer wieder trainiert werden, um in der Stationsphase überhaupt arbeitsfähig zu sein.

Für die Stationsarbeit ist es nicht unbedingt notwendig, ein zusätzliches Regelplakat mit Verhaltensregeln zu verwenden. Stattdessen kann beispielsweise das Plakat mit den Klassenregeln (ebenfalls in DIN A1) genutzt werden, um die angemessenen Verhaltensweisen immer wieder zu thematisieren. Auf die Regeln „Ich arbeite leise an meinem Platz“ und „Ich bin freundlich“ wird man wahrscheinlich regelmäßig zurückgreifen müssen.

Regeln und Verhaltensweisen besprechen

Immer wieder sollte gemeinsam besprochen werden, was diese Regeln für die Stationsarbeit bedeuteten: präventiv zu Beginn der Stationsphase, aber auch beim Feedback am Ende. Wenn es notwendig ist, kann auch die Stationsphase unterbrochen werden, um mit der Klasse das aufgetretene Verhalten zu besprechen und zu vereinbaren, was jetzt zu tun sei. Danach kann weitergearbeitet werden.

So ist es beispielsweise sinnvoll, einige Verhaltensweisen regelrecht zu üben: leises Gehen im Raum, Schüler in Ruhe lassen, die bereits arbeiten, die Einhaltung einer angemessenen Lautstärke am Platz, das höfliche Fragen um Hilfe und das freundliche Antworten, wenn man um etwas gebeten wird oder gefragt wird.

Die Einführung und das Üben des Stationenlernens mit dem Stationsplakat, ist ein Gewinn für die Schüler im Förderbereich Lernen und emotionale und soziale Entwicklung , weil es durch die Visualisierung und die Ritualisierung des Beginns und des Endes der Stationsphase den Arbeitsprozess strukturiert. Das Stationsplakat bietet mit seinen Arbeitsschritten Orientierung und schafft Transparenz über das gewünschte Verhalten. Gemeinsam mit der Ritualisierung gibt es Sicherheit über den Ablauf der Stunde und die gestellten Anforderungen. In Kombination mit einem kriteriengeleiteten Feedback bietet es viele Möglichkeiten, Erfolge der Schüler zu würdigen und Anlässe über Arbeitsprozesse und Sozialverhalten ins Gespräch zu kommen. Das Stationsplakat leistet dabei gute Dienste, egal ob an der Förderschule oder mit einer Inklusionsklasse an einer Stadtteilschule.

Simone Bock von Wülfingen

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