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Wochenplanarbeit GE

Mathematik nach Plan — ganz individuell

Wochenplanarbeit im Fach Mathematik ist an enge Voraussetzungen im sonderpädagogischen Förderbereich geknüpft, damit jeder Schüler in der Lage ist, selbstständig zu arbeiten und individuelle Lernfortschritte zu erreichen.

Wochenplanarbeit GE: Mathematik nach Plan — ganz individuell Die Lernmittel müssen so gewählt werden, dass die Kinder ihre Aufgaben gut bewältigen können © Olesia Bilkei - Fotolia.com

Wochenplanarbeit bietet allen Schülern die Möglichkeit, gemäß ihrer individuellen Voraussetzungen und in ihrem eigenen Tempo zu lernen. Sie stellt damit eine besonders gut geeignete Form der Differenzierung und Individualisierung dar, mit der Lehrer einen passgenauen Unterricht anbieten können, der für alle Beteiligten motivierend und zielführend ist. Das gilt in besonderem Maße auch für das häufig nicht so beliebte Fach Mathematik.

Beachtet man ein paar wenige, aber wesentliche Dinge in der Vorbereitung und bei der Durchführung der Wochenplanarbeit, so gelingt diese Form des offenen Unterrichts auch im Fach Mathematik im sonderpädagogischen Förderbereich.

Vorbereitung: Lernniveau ermitteln und Lernmaterialien erstellen 

Anfangs ist es ratsam, nur mit wenigen, bekannten Arbeitsformen wie zum Beispiel Lotto, Domino, Arbeitsblättern und Legespielen zu arbeiten und die Komplexität der Formate erst im Laufe der Zeit zu steigern. Auch die inhaltlichen Anforderungen sollten zunächst etwas einfacher gehalten werden, damit die Schüler Sicherheit im methodischen Ablauf gewinnen. Eine Unterteilung in drei Differenzierungsstufen passt erfahrungsgemäß für fast jede durchschnittliche Klasse.

Der Lehrer entscheidet dann aufgrund seiner diagnostischen Beobachtungen, auf welchem individuellen mathematischen Lernniveau der jeweilige Schüler weiter gefördert wird. Daraus ergeben sich sowohl die Anzahl wie auch die Differenzierungsanforderungen der Wochenaufgaben in Mathematik. 

Die Wochenpläne bereitet der Lehrer komplett zu Hause vor und präsentiert sie zum Wochenbeginn. So erhält jeder Schüler seinen persönlichen Wochenplan, der — gerade in Mathematik — vorbesprochen wird. Sammelt man diese Pläne in einer Mappe, so wird der aktuelle Plan stets obenauf geheftet, damit er auf einen Blick vom Schüler zu erfassen ist. Bei Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist es ratsam, die Materialien und Arbeitsblätter genau vorzugeben. Der Wochenplan als solcher beinhaltet möglichst eindeutige Bildsymbole und bekannte, wiederkehrende Zeichen, dafür wenig Schrift. So können sich auch Schüler mit einem geringen Leselernniveau leichter orientieren und mit dem Wochenplan selbstständig arbeiten.

Selbstständiges Üben und Begreifen im individuellen Lerntempo 

In Mathematik eignen sich differenzierte Übungsformate entsprechend der heterogenen Voraussetzungen der Schüler besonders gut für die Wochenplanarbeit. Die fest im Stundenplan verankerte Wochenplanarbeit gewährleistet regelmäßiges, differenziertes Üben und motiviert die Schüler mit unterschiedlichen Übungsformaten. 

Das selbstständige Üben und Begreifen im individuellen Lerntempo ist oft wesentlich effektiver als eine Wiederholung des Mathematikstoffs mit der gesamten Lerngruppe, die sich am Leistungsdurchschnitt der Klasse orientiert. Zudem gewinnt der Lehrer Spielraum für individuelle Unterstützung oder für die Vorbereitung differenzierender Unterrichtsmaterialien, denn er muss nicht permanent präsent sein wie beispielsweise im lehrerzentrierten Unterricht. Und gerade im Fach Mathematik benötigt der Lehrer ja vielfältige und variantenreiche Materialien, um die Schüler dazu zu motivieren, sich auf verschiedenen Wegen dem jeweiligen Thema zu nähern. So könnte der Wochenplan zum Beispiel beim Thema „Geometrische Formen“ unterschiedliche Aufgaben enthalten: 

  • Die Schüler vergleichen zum Beispiel dreidimensionale geometrische Formen in einem Tastsäckchen, 
  • beschreiben geometrische Formen als dreidimensionale Körper und setzen sie zu einer entsprechenden Abbildung in Korrelation,
  • ordnen Bildmaterial mithilfe von Vorlagen bestimmten geometrischen Figuren zu,
  • entdecken geometrische Formen an Alltagsgegenständen im Klassenraum wieder usw.

Aufgaben kontrollieren und Feedback geben 

Im Fach Mathematik ist es wichtig, dass der Lehrer die gelösten Aufgaben auf jeden Fall kontrolliert und eine direkte Rückmeldung gibt, sobald der Schüler die entsprechende Aufgabe bewältigt hat. Auch bei Aufgabenformaten mit Selbstkontrolle bleibt eine schlussendliche Lehrerkontrolle obligatorisch. 

Mit Stempel oder Lehrerkürzel wird die Kontrolle auf dem Wochenplan vermerkt, auch kurze Anmerkungen zum Lernverhalten können mitnotiert werden. Zugleich ist damit sichergestellt, dass der Lehrer mit jedem Schüler im Verlauf einer Unterrichtseinheit über die Aufgaben und Leistungen kommuniziert und entsprechendes Feedback gibt. Kein Schüler wird übersehen.

Bearbeitungsdauer beachten

Bei der Planung der Wochenplanarbeit im Fach Mathematik ist besonders die Bearbeitungsdauer verschiedener Lernangebote zu berücksichtigen. Deshalb achtet der Lehrer bei der Zusammenstellung der Wochenpläne darauf, dass manche Aufgabenformate ungeachtet ihres inhaltlichen Schweregrades mehr Bearbeitungszeit erfordern als andere. Ein umfangreiches Rechen-Bingo kann beispielsweise inhaltlich sehr einfach zu lösen sein, auch wenn es in der Durchführung länger dauert als einige schwierige Kopfrechenaufgaben. 

Unterschiedliche Übungsaufgabentypen motivieren

Bei Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf zeigt sich immer wieder, dass Übung ein wichtiger Erfolgsfaktor im mathematischen Bereich ist. Viele Schüler empfinden es jedoch als belastend, wenn sie zu viele Aufgaben auf einem Arbeitsblatt vorfinden und lösen sollen. Wochenplanarbeit dagegen ermöglicht durch unterschiedliche Aufgabenformate einen unverkrampfteren Zugang zu den gestellten Aufgaben. Beispielsweise kann ein Schüler zunächst handlungsorientiertes Material nutzen, etwa Sortieraufgaben zum Bündeln („Immer 6 Eier in einen Karton“). Dann wird diese mathematische Handlung verschriftlicht, zum Beispiel durch Aufmalen auf einem Arbeitsblatt. Erst im dritten Schritt wird die mathematische Notation mit Ziffern in Kombination mit dem handlungsorientierten Material geübt. Wie dieses Beispiel zeigt, kann im Wochenplan mit drei unterschiedlichen Wochenplanaufgaben sehr gut übend und mit Blick auf die Lernniveaustufung nach Leontjew (enaktiv — ikonisch — symbolisch) gearbeitet werden. 

Auch offene Lernaufgaben im Sinne einer „Lernumgebung“ bieten die Möglichkeit, nach Lernvoraussetzungen zu differenzieren. Hier werden solche Aufgaben konzipiert und in der Wochenplanarbeit angeboten, die aufgrund ihrer Reichhaltigkeit an mathematischen Grundkompetenzen unterschiedliche Lernniveaustufungen abdecken. Beispielsweise können Schüler hier sowohl die einfache Mengenerfassung („alle roten Autos, alle blauen Autos“), die Addition (5 rote und 3 blaue Autos) wie auch die Multiplikation (8 Autos mit je 3 Insassen) üben. 

Anregungen und Beispiele zum Thema „Lernumgebungen“ und Differenzierung finden sich auf der Seite des Projekts PIK AS der Universität Dortmund. Mit solchen niveaudifferenzierten Aufgaben kann der Lehrer im weiteren Lernprozess genau beim Lernstand der Schüler ansetzen und Aufgaben dem jeweiligen Förderplan entsprechend für die Wochenplanarbeit herausarbeiten.

Claudia Omonsky

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