Fach/Thema/Bereich wählen
Wochenplanarbeit GE

Selbstgesteuertes und individualisiertes Lernen nach Plan

Wochenplanarbeit bietet im Förderschwerpunkt GE viele Vorteile: Die Schüler lernen zunehmend selbstständig. Die Lehrkraft gewinnt Spielraum für die diagnostische Beobachtung und für individuelle Unterstützung.

Wochenplanarbeit GE: Selbstgesteuertes und individualisiertes Lernen nach Plan Unterstützung ist wichtig, damit Wochenplanarbeit im Bereich GE gelingt © Photographee.eu - Fotolia.com

Die Arbeit mit dem Wochenplan stellt eine Form des offenen Unterrichts dar und bietet eine gute Alternative zum Frontalunterricht. Als methodisches Konzept ermöglicht sie eine Differenzierung und Individualisierung im Unterricht des Förderschwerpunkts geistige Entwicklung. Gleichzeitig gewinnt der Lehrer Freiraum zur diagnostizierenden Beobachtung. Dadurch verändert sich nicht nur das Arbeitsverhalten der Schüler, sondern auch die Lehrerrolle.

Meist erhalten die Schüler zu Beginn der Woche einen schriftlich fixierten Arbeitsplan, den sie im Laufe der Schulwoche möglichst selbstständig bearbeiten sollen. Dies fördert nicht nur die Selbstständigkeit und Aufgabenübersicht, sondern auch die Entwicklung von sozialen Kompetenzen, etwa durch Gruppen- oder Partnerarbeit, durch das Arrangement der Lernumgebung oder durch bestimmte Lernkonstellationen. Dank der intrinsischen Motivation, die häufig mit der Wochenplanarbeit einhergeht, steigt häufig die Lernbereitschaft und Mitarbeit der Schüler.

Die Aufgaben des Wochenplans lassen sich im fächerverbindenden Sinn unterschiedlichen Unterrichtsfächern zuordnen. Dabei ist es sinnvoll, besonders anfangs nur wenige und im Laufe der Zeit immer mehr Fächer zu berücksichtigen und zu kombinieren.

Literaturtipps:

Holtz, Silke: Leistungsdifferenzierte Wochenplanarbeit Deutsch. Hamburg 2014

Krämer, Maren: Wochenpläne Mathematik. Handlungsorientierte Materialien für den inklusiven Unterricht. Hamburg 2014

Moosecker, Jürgen: Der Wochenplan im Unterricht der Förderschule. Stuttgart 2008

Individuell angepasste Wochenpläne

Jeden Tag bearbeiten die Schüler zu bestimmten Unterrichtszeiten die Aufgaben des Wochenplans. Häufig findet diese freie Arbeitsphase zu Tagesbeginn statt. Der Wochenplan beinhaltet sowohl Pflichtaufgaben, welche in jedem Fall bearbeitet werden müssen, wie auch Wahlaufgaben, deren Erledigung dem Schüler freigestellt ist. Diese individuelle Anpassung an die Leistungsfähigkeit der Schüler ist wegen der heterogenen Lernvoraussetzungen im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung von großem Vorteil.

Die Reihenfolge der Bearbeitung bestimmt der Schüler selbst. Durch die vielfältigen Möglichkeiten von Aufgabenformaten, Sozialformen und Schwierigkeitsgraden kann das Lernpensum maßgeschneidert für jeden Schüler vorbereitet werden. 

Die Wochenplanarbeit berücksichtigt die individuelle Ausgangslage eines jeden Schülers und erfordert darum ein unterschiedliches Anspruchsniveau in den Aufgaben. Um entsprechende Aufgaben vorbereiten zu können, sollte der Lehrer den jeweiligen Lern- und Leistungsstand jedes Schülers genau kennen.

Aufgaben, die selbstständig erledigt werden können

Zunächst ist es wichtig, dass die Schüler die Arbeitsanweisungen des Wochenplans lesen, verstehen und ausführen können. Besonders im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung erfordert dies Adaptionen des Lern- und Arbeitsmaterials. Die Aufgaben müssen so verschriftlicht sein, dass sie gelesen werden können, zum Beispiel mit bildhaften, symbolischen oder in Schrift gefassten Anweisungen. Zudem benötigen die Schüler die erforderliche Methodenkompetenz für die eingesetzten Aufgabenformate.

Auch sollten die Schüler den Durchlauf einer Aufgabe möglichst selbstständig leisten können, also zum Beispiel: 

  1. den Plan lesen und eine Aufgabe auswählen,
  2. die Materialien bzw. Arbeitsmittel holen, 
  3. die Aufgabe durchführen,
  4. nach der Selbstkontrolle bzw. Kontrolle durch die Lehrkraft gegebenenfalls verbessern,
  5. die Materialien wieder wegräumen und 
  6. den zeitlichen Rahmen abschätzen und eventuell eine neue Aufgabe beginnen. 

Die Auswahl der Sozialform wird durch die Frage bestimmt: Kann der Schüler allein, mit einem Partner, in einer Kleingruppe arbeiten bzw. wie wird dies angebahnt? 

Eine ansprechende Lernumgebung schaffen

Die Lehrkraft wirkt in allen Phasen begleitend als Helfer und beobachtet diagnostisch. Sie gibt den Schülern individuelles Feedback über ihre Leistungen. Außerdem sorgt sie für eine ansprechende Lernumgebung: Sie teilt zum Beispiel den Klassenraum in verschiedene Funktionsbereiche auf, etwa mit Leseecke, Mathematikecke, Schreibecke, Bücherecke und Experimentierecke.Alle Arbeitsmittel für die Angebote der Wochenplanarbeit sind frei zugänglich und in der Regel nach Sachbereichen geordnet. Sie unterliegen ähnlichen Kriterien wie Freiarbeitsmaterialien, sind also ästhetisch ansprechend gestaltet und klar nach unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden strukturiert. Die Schüler können sachgerecht damit umgehen und sind in der Lage, die Materialien zu holen und wegzuräumen.

Reflexion und Bewertung des Lernprozesses

Je eigenverantwortlicher die Schüler lernen, umso bedeutsamer ist das individuelle Feedback zu den geleisteten Aufgaben. Darum sind Rückmeldegespräche bei der Wochenplanarbeit immens wichtig. Die Schüler erhalten nicht nur Hilfen bei der Bewältigung des jeweiligen Auftrags, sondern reflektieren bei einem Abschlussgespräch mit der Lehrkraft auch den gesamten Arbeitsprozess. 

Mögliche Impulsfragen hierbei könnten sein:

  • „Welche Aufgaben habe ich selbstständig bzw. mit Hilfe bearbeitet?“
  • „Wer hat mir geholfen?“
  • „Was ist mir leicht- oder schwergefallen?“
  • „Welches Ziel habe ich heute verfolgt, welches will ich morgen erreichen?“
  • „Welches Material benötige ich für die nächsten Aufgaben?“ usw.

Die Lehrkraft nutzt diese Feedbackkultur, um neben der Beobachtung zu erneut angepassten, zielorientierten Aufgaben zu gelangen. Dabei macht sie sich kurze Notizen, zum Beispiel auf einem Übersichtsblatt. Je nach Ausrichtung dient diese Übersicht dann als Reflexionsergebnis oder als Bewertungsbogen. Auf diese Weise kann das Lern- und Arbeitsverhalten über einen längeren Zeitraum beobachtet werden, ebenso die schriftlichen oder handlungsorientierten Leistungen und auch das Sozialverhalten.

Organisation der Wochenplanarbeit — Rolle der Lehrkraft

Wie viele Formen offenen Unterrichts verlangt auch die Wochenplanarbeit von der Lehrkraft ein verändertes Unterrichtsverständnis. Die Vorbereitungsarbeit verlagert sich unter Umständen deutlich nach vorn. Denn neben der Konzeption müssen alle weiteren Materialien und Kopien bereits bis zum Wochenstart für die ganze Schulwoche erledigt und in die Schülerordner bzw. Lernregale verteilt sein. Dies verlangt von der Lehrkraft eine sehr gute inhaltliche wie auch materielle Vorbereitung. Andererseits kann sie sich dann täglich vollständig auf die Schüler konzentrieren und bereits die nächsten Unterrichtsmaterialien vorbereiten. Einmal in Gang gekommen erlaubt diese Vorgehensweise einen stark schülerorientierten Unterricht, bei dem die Lehrkraft zeitlichen Spielraum für Beobachtung, Diagnostik und Reflexion hat.

Claudia Omonsky

Dazu passender Ratgeber
Dazu passendes Unterrichtsmaterial
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Wochenplanarbeit
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×